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Spartensender für Herrchen und Frauchen: 

Tierisch auf Sendung

28. Aug 2008 15:31
Die Katze ist die Nummer 1 unter Deutschlands Haustieren.
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Jeder dritte deutsche Haushalt besitzt ein Tier - und viele davon schauen dann womöglich auch gern einen entsprechenden TV-Sender, dachten sich zwei Fernsehmacher. Der Erfolg binnen eines Jahres gibt ihnen offenbar recht.

Streuverluste mögen Werbetreibende bekanntlich nicht: Was nützt ein TV-Spot für Tierfutter, wenn ein Großteil der Zuschauer gar kein Haustier besitzt? Werbung für Zahnersatz-Reiniger sucht man deshalb auf Viva auch vergebens. Oder umgekehrt: Tierhalter erreicht ein Futterhersteller am besten über Publikationen, die für Herrchen und Frauchen gemacht sind.

Umso überraschender, dass mit Tier.TV der erste deutsche Spartenkanal für Tierliebhaber erst vor gut einem Jahr auf Sendung ging. Wobei die Macher, die Berliner United Screen Entertainment GmbH, betonen, dass sie sogar europaweit den ersten und einzigen Tiersender betreiben. Dabei zeigt das Fernsehen schon seit Jahrzehnten Vögel, Säugetiere und Reptilien. Man erinnere sich nur an Tierfilmer Bernhard Grzimek, der über Jahre hinweg «possierliche Tierchen» ins Studio mitbrachte und sie oft an sich herumklettern ließ.

Vom eigenen Hund zu Tier.TV

«Wir wundern uns, dass diese Zielgruppe nicht schon viel früher bedient wurde», sagen die beiden Tier.TV-Macher Simoné Debour und Carl Albrecht Claussen. Schließlich seien Tierhalter durchaus eine kaufkräftige Kundengruppe. Laut dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) werden in mehr als einem Drittel aller deutschen Haushalte Tiere gehalten, für Heimtierbedarf wurden im vergangenen Jahr rund 3,3 Milliarden Euro umgesetzt – Tendenz steigend. Der Großteil geht für Futter drauf, doch vermehrt geben Tierhalter auch Geld für die Gesundheit der Vierbeiner aus: Die Kleintiermedizin boomt.

Dafür bieten Debour und Claussen eine ideale Plattform. Ob Tierfutterproduzenten, Versicherer, Tierpensionen oder -kliniken: Sie erreichen dank der Fokussierung des Senders ihre Zielgruppe ohne Umwege. Die beiden Geschäftsführer sind selbst Tierhalter - Debours irischer Wolfshund Eamon gilt als inoffizieller Senderchef - und kommen aus der Fernsehbranche. Debour war früher bei Bertelsmann in der Breitband-Sparte Programmgeschäftsführerin, Claussen Geschäftsführer bei der Filmfirma Ufa. Was lag da näher, als das Hobby und die Profession zu verknüpfen?

Zunächst via Astra Digital und mit einer halbjährigen Testphase gestartet, ging der Spartensender im Juni 2007 regulär auf Sendung, mit einer Mischung aus selbstproduzierten Reportagen und Dokumentationen rund um Tierhaltung, -gesundheit, -erziehung und -schutz, Expertengesprächen und Call-In-Shows. Letztere dienen dem Sender als zweites finanzielles Standbein: Bei der Sprechstunde «Doc & Co.» können Zuschauer über eine gebührenpflichtige Telefonnummer Tierärzten Fragen rund um ihren Liebling stellen. Darüber hinaus hat Tier.TV Teleshopping von Tierprodukten als Erlösquelle aufgetan. Ende 2008 will der Sender schwarze Zahlen schreiben.

Expansion ins Ausland nicht ausgeschlossen

Seit dem Sendestart per Satellit hat Tier.TV seine Verbreitung stark ausgedehnt. Inzwischen zeigt der Sender sein Programm auch in verschiedenen digitalen Kabelnetzen sowie über Kooperationen mit anderen Sendern, etwa über ein Fenster innerhalb des Berliner Lokalsenders TV.B. Ein weiteres Standbein ist das Internet: Auf www.tier.tv gibt es alle Sendungen als Video-on-Demand. Zudem bietet das Portal interaktive Elemente. Herrchen oder Frauchen kann etwa für die Katze eine Online-Krankenakte anlegen, sich in Foren über Haltung und Pflege austauschen oder in einer Community sich zum gemeinsamen Gassi gehen zusammenfinden. Auch an einen Online-Shop ist gedacht.

Das Konzept scheint anzukommen: Nach eigenen Angaben hat Tier.TV monatlich rund fünf Millionen Zuschauer, empfangbar ist der Sender in rund 15 Millionen Haushalten. Dass die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) die Einschaltquoten misst, bewerten die Macher als Erfolg – das sei für einen Spartensender im digitalen TV eine echte Seltenheit, bei der Akquise von Werbetreibenden hilft es außerdem. Befragungen des Senders hätten ergeben, dass 65 Prozent der Zuschauer in der werberelevanten Altersgruppe zwischen 14 und 49 Jahren zu finden sind. Zudem seien die Tier.TV-Zuschauer in ihrer Mediennutzung überdurchschnittlich aktiv, sagt Simoné Debour. Das seien nicht die klassischen «Couch Potatoes», sondern sehr engagierte Zuschauer.

Ähnlich engagiert sind aber auch die Macher hinter der Kamera. Neben ihren Call-In-Shows und Ratgebersendungen deckte Tier.TV in einer Reportage - ganz journalistisch - Missstände in Mastbetrieben auf. Zudem halten es Debour und Claussen für möglich, die eigenproduzierten Inhalte von Tier.TV bald auch ins Ausland zu exportieren. «Unsere Inhalte sind massenkompatibel, leicht zu synchronisieren und meistens auch ohne Worte verständlich», sagte Claussen. 98 Prozent der Beiträge produziert Tier.TV selbst und im eigenen Studio, und das steht – wie passend – im Berliner Bezirk Tiergarten.

 
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