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Aussage des HR-Sportredakteur Damm vor Gericht: 

Schwere Vorwürfe gegen Ex-Sportchef

26. Aug 2008 14:21, ergänzt 14:26
Vorwürfe gegen ihn erhärten sich : Jürgen Emig
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Er habe Werbepartner bei Sportsendungen des HR ins Bild gesetzt - gegen Geld.«Sehr abstrus und anonym» sei die Zusammenarbeit des Ex-Sportchefs Emig mit der Agentur SMP abgelaufen, sagt ein ehemaliger HR-Mitarbeiter.

Im Strafprozess gegen den ehemaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR), Jürgen Emig, hat ein früherer Mitarbeiter den Angeklagten schwer belastet. Der heutige stellvertretende HR-Sportchef Werner Damm sagte am Dienstag vor dem Frankfurter Landgericht, der Umgang mit Emig sei schwierig gewesen. «Er ist auf der einen Seite ein intelligenter, rede- und wortgewandter Mensch, auf der anderen Seite aber auch ungerecht und teilweise rücksichtslos», sagte Damm. Das Gericht teilte mit, dass der amtierende HR-Intendant Helmut Reitze für den 3. September als Zeuge geladen sei.

Damm sagte, er habe sich bereits Ende der 80er Jahre schriftlich bei der damaligen Chefredaktion und mit anderen Kollegen mündlich beim Personalchef über die Probleme mit Emigs Führungsstil beschwert. Dies habe aber keine Wirkung entfaltet: «Wir haben schnell gemerkt, dass er jemand ist, der im Haus Deckung hat - woher auch immer.» Zu Emig gewandt sagte Damm: «In Gänze warst du meiner Karriere nicht förderlich. Wenn ich etwas für dich tun konnte, warst du charmant. Du hast die Leute ganz einfach benutzt.» Emig ergriff kurz selbst das Wort und ließ sich von Damm bestätigen, dass er sich damals für ein Engagement von Damms Lebensgefährtin im Sender eingesetzt hatte.

Interviews in Einkaufszentren

Sich selbst bezeichnete Damm als damaligen «De-Facto-Stellvertreter» Emigs, obwohl dies offiziell nicht so gewesen sei. Dass Emig für die Zahlung von Produktionskostenzuschüssen durch Sportveranstalter oder Sponsoren eine Agentur zwischenschaltete, habe er nicht verstanden: «Mir hat sich das nie erschlossen.» Die Zusammenarbeit mit der Agentur SMP sei «sehr abstrus und anonym» abgelaufen. Er habe erst nach dem Ausscheiden Emigs als Sportchef im Jahr 2004 erfahren, dass Provisionen geflossen seien. Damm räumte aber ein, an Kalkulationen für bezuschusste Produktionen beteiligt gewesen zu sein.

Grundsätzlich sagte Damm zur Einführung solcher Zusatzeinnahmequellen bei öffentlich-rechtlichen Sendern Anfang der 90er Jahre: «Das war eine Zeit, in der die Privaten den Markt mehr und mehr beherrschten.» Die sogenannten Beistellungen für Produktionen seien auch bei anderen ARD-Anstalten üblich gewesen. Zugleich erhärtete Damm den Vorwurf, Emig habe Werbepartner gegen Geld bei Sportsendungen des HR ins Bild gesetzt. Der Journalist berichtete von Anweisungen Emigs, Interviews an bestimmten Orten zu führen, etwa in einem Einkaufszentrum: «Mir und dem Regisseur war nicht offensichtlich warum.»

Durch Zeugenaussagen unter Druck

«Vielleicht hätte ich mehr Zivilcourage zeigen müssen, aber ich wollte beim HR bleiben», sagte der Damm auf die Frage des Vorsitzenden Richters Christopher Erhard, warum er damals keine Fragen gestellt habe. Damm gab an, es habe zwar entsprechende Debatten in der Redaktion gegeben, aber nur selten mit Emig.

Die Anklage gegen Emig lautet unter anderem auf Bestechlichkeit, Betrug und Untreue. Laut Staatsanwaltschaft soll der Journalist vornehmlich über Gewinnausschüttungen der SMP Schmiergelder in Höhe von mehr als 600.000 Euro für die bevorzugte Fernsehübertragung von Sportereignissen erhalten haben. Mitangeklagt ist der frühere SMP-Geschäftsführer Harald Frahm.

Richter Erhard bestätigte, dass der amtierende HR-Intendant Helmut Reitze für den 3. September als Zeuge geladen ist. Reitze war in der vergangene Woche durch Zeugenaussagen unter Druck geraten. Das Gericht will die Frage klären, wie viel die Leitung des HR von Emigs Praktiken wusste und ob der Sender den umstrittenen Sportchef zu leicht gewähren ließ. (epd)

 
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