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Internetpranger am Pranger: 

Medienaufseher will «RottenNeighbor.com» stoppen

22. Aug 2008 12:47
Digitaler Pranger statt Teeren und Federn
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Das Web 2.0 eröffne schon genügend Möglichkeiten zum «Cyber-Mobbing», meint der Direktor der nordrhein- westfälischen Landesanstalt für Medien, Schneider,- und greift den Internetpranger für missliebige Nachbarn scharf an.

Das US-amerikanische Internetportal «RottenNeighbor.com» ist von der deutschen Medienaufsicht scharf kritisiert worden. Das Portal erlaube es, missliebige Nachbarn in der Öffentlichkeit bloßzustellen, sagte der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), Norbert Schneider, am Freitag in Düsseldorf. Schneider forderte Google Deutschland in einem Brief auf, «die denunziatorischen Möglichkeiten des Portals zu beseitigen».

Das Internetangebot, dessen Titel frei übersetzt « Schlechter, verdorbener Nachbar» bedeutet, enthält auch zahlreiche deutsche Einträge mit Hinweisen auf Menschen, die sich angeblich fehlverhalten. «Schon seit über 15 Jahren», lautet beispielsweise ein anonymer Eintrag, «lebt hier ein Kinderschänder». Ein Internetnutzer kommentiert: «Ich finde es richtig so, das solche Leute hier an den Pranger gestellt werden!» Viele Einträge bei «RottenNeighbor.com» sind auch mit Fotos versehen.

«Google Maps» verschlimmert Effekt

Die Veröffentlichung solcher Behauptungen führe zu erheblichen Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen, sagte Schneider. So könnten unzensierte Kommentare über Andere - etwa Bemerkungen über tatsächliche über vermutete Sexualtäter mit Angaben über deren Wohnort - ins Netz gestellt werden.

Zudem ermögliche es der im kalifornischen Santa Barbara ansässige Portalbetreiber seinen Nutzern, die jeweilige Nachbarschaft mit Hilfe von online verfügbarem Kartenmaterial des Dienstes «Google Maps» zu visualisieren. Häuser und Wohnungen könnten so leicht entdeckt werden, erläuterte Schneider. «Praktisch führt das dazu, dass Menschen gezielt und identifizierbar diskriminiert und denunziert werden können».

Aus guten Gründen sei der mittelalterliche Pranger abgeschafft, sagte der Medienaufseher weiter. Google sollte sich seiner Ansicht nach nicht daran beteiligen, einen neuen, «digitalen Pranger» einzuführen. Das Web 2.0 eröffne leider schon genügend Möglichkeiten zum «Cyber-Mobbing». (epd/dpa)


 
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