23. Jul 2008 11:06
Sollte nicht noch ein Erdbeben Deutschland heimsuchen, ist eines wohl sicher: Barack Obamas Besuch in Berlin ist das wichtigste Thema in dieser Woche. Selbst die Satiriker haben voll zu tun.
Am Donnerstag ist der US-Politiker in Berlin, wo jeder Schritt und jeder Nebensatz verfolgt werden dürfte. Das Obama-Fieber hat fast alle Medien erfasst, zumal die politische Agenda sonst nicht sensationell klingt. Anne Will diskutierte über die Frage «Sattelt die Fahrräder - Auslaufmodell Auto?». Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält eine Rede zum Thema «Sport - Vorbild und Spiegelbild der Gesellschaft». Frank Plasbergs Talk «Hart aber Fair» hat ohnehin Sommerpause. Und so bekommt der Berliner Senatssprecher in Sachen Obama täglich dutzende Anrufe. Das Medieninteresse sei «riesig», sagt Richard Meng. «Obama füllt das Sommerloch», stellte die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» bereits am 10. Juli fest, als die Diskussion um den Ort von Obamas Rede entbrannt war. Die Kanzlerin von der CDU war dagegen, als der US-Demokrat bei seiner Wahlkampftour mit dem Brandenburger Tor liebäugelte. Außenminister Frank-Walter Steinmeier - möglicher SPD-Gegenkandidat bei der Bundestagswahl 2009 - sah das anders. Die Debatte war da.
Der Berliner Medienhistoriker Kai Burkhardt glaubt nicht an das Phänomen Sommerloch. «Man sollte dieses Wort aufgeben», meint er. «Es gibt allenfalls eine andere, urlaubsbedingte Taktung der Nachrichten.» Obama? «Der ist kein Sommerlochphänomen, sondern ein neues Gesicht, ein charismatischer Typ, jemand, der offenbar etwas zu sagen hat und das auch noch in einer ansprechenden Weise. Medien lieben charismatische Macht», hat der Wissenschaftler vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik beobachtet. Der Besuch ist auch eine Steilvorlage für Satiren. Fernsehmoderator Jörg Thadeusz schlug in einer Glosse für die «Berliner Zeitung» vor, Obama sollte vor dem Schöneberger Rathaus sprechen, wo der damalige US-Präsident John F. Kennedy 1963 seine «Ich bin ein Berliner»-Rede hielt. «Da war schon lange kein Weltberühmter mehr», spottet Thadeusz. «Und es ist günstiges Gelände für US-Amerikaner, die gut aussehen und sich mindestens einen deutschen Satz merken können.»
Wenn Obama aus «verständlichen Gründen doch lieber etwas Distanz zu John F. Kennedy halten möchte», würde Thadeusz noch ein Falafel- Imbiss an der Kastanienallee einfallen, der viele amerikanische Gäste habe, die Obama verstehen könnten. «Die symbolische Botschaft wäre vielsagend: Der US-Präsidentschaftskandidat genießt im friedlich vereinigten Berlin eine nahöstliche Kichererbsen-Bulette!» (Caroline Bock, dpa)