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ARD und ZDF-Zensur in China: 

«Der Wille des Apparats zur völligen Kontrolle»

09. Jul 2008 11:16
Marietta Slomka bei einem Interview in China
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Zensur, Zollprobleme, Bewacher – ARD und ZDF stoßen vor den Olympischen Spielen in Peking immer wieder an Grenzen der Berichterstattung. Nebenbei behindert auch noch rationiertes Benzin die nötige Logistik.

Schon seit Stunden folgen dem deutschen Fernseh-Team diese schwarzen Limousinen durch Chinas Provinz. Irgendwann reicht es Johannes Hano. Der ZDF-Korrespondent stoppt den Wagen und schickt eine Mitarbeiterin raus. Auf die Frage, warum sie das Fernsehteam verfolgten, sagt ein Funktionär plump: «Weil wir glauben, dass Sie hier draußen unsere Hilfe gebrauchen könnten.»

Das Problem ist nur: Immer, wenn diese Wagen hinter Journalisten her sind, spricht mit ihnen kein Mensch. Hano nennt diese Methode «den Willen des Apparats zur völligen Kontrolle». Und der begegnet ARD und ZDF vor den Olympischen Spielen im August an jeder Ecke in der Volksrepublik.

Hände vor der Kamera

Da sind zum einen die Kontrollen der Berichterstattung, die vor allem die ständigen Korrespondenten wie Hano erleben. Jüngst war das Anfang Juli sogar im ZDF-«Morgenmagazin» live zu beobachten: Als Hano mit Historikern vor der Chinesischen Mauer stand, tauchten mehrere Sicherheitskräfte auf, hielten ihre Hände vor die Kamera und plötzlich war auch noch das Bild schwarz. Einige Minuten später hatte sich die Sache jedoch geklärt, nachdem Hano bei Offiziellen in Peking interveniert hatte. Den Zuschauern sagte er, sie hätten häufiger Probleme mit lokalen Sicherheitskräften, die nichts falsch machen wollten. Denn auch diese würden beobachtet – vom Apparat selbst.

Mit der Vergabe der Olympischen Spiele haben sich die Arbeitsbedingungen für Journalisten zwar einerseits gelockert. So müssen sie nicht mehr um Erlaubnis bitten, wenn sie mit einfachen Bürgern sprechen wollen. Doch die Beispiele, die allein Hano in den vergangenen Wochen erlebt hat, zeigen, dass die Regierung andererseits nach wie vor Druck auf die Berichterstatter ausübt. Im Juni wurde zudem bekannt, dass Reporter von ARD und ZDF, die vor Olympia aus dem Land berichten wollen, ganze Drehpläne inklusive Termindetails für ihre Gespräche mit Bürgern und Funktionären vorab an die Visa-Abteilung aushändigen müssen.

«Das weite Feld der Sicherheit»

Auf ganz andere Hindernisse stößt Walter Johannsen. Er ist als Teamchef von ARD und ZDF dafür verantwortlich, dass das Projekt «Peking 2008» funktioniert. Sein Projekt, um das sich beim für die Olympischen Sommerspiele federführenden NDR etwa 15 Mitarbeiter kümmern, wird aber umso schwieriger, je näher der Starttermin, der 8. August, rückt. Johannsen sagt: «Wir werden noch immer davon überrascht, dass sich die Zuständigkeiten der Behörden plötzlich ändern und die Behörde B andere Vorstellungen hat als die Behörde A.» Ein Problem sei das «weite Feld der Sicherheit». Immer wieder müssten seine Mitarbeiter neue Bestandslisten mit allen Details schreiben.

Das Team sorgt sich um so profane Dinge wie die Versorgung mit Benzin. Johannsen sagt, die Regierung habe den Kraftstoff für Transportfahrzeuge auf 30 Liter pro Tag begrenzt, was im Zweifel die Logistik der Sender hemmen könnte.

Extrem penible Zollabfertigung

Außerdem bereitet den Planern der 23. Juli Sorge. Bis dahin müssen sie ihre Räume im International Broadcast Center eingerichtet haben, das Arbeitsgelände aller übertragenden Anstalten. Am 23. Juli schließen die Chinesen das Gelände für eineinhalb Tage für Sicherheits-Checks ab. «Weil die Chinesen aber auch bei der Zoll-Abfertigung extrem penibel sind, ist noch unklar, ob wir unsere Sachen rechtzeitig aus dem Zoll bekommen, um sie pünktlich aufbauen zu können», sagt Johannsen.

Immerhin: Die Akkreditierungen für die etwa 700 Mitarbeiter von ARD und ZDF, die für die Spiele nach Peking fliegen werden, sind eingetroffen. Ein erster Trupp ist bereits vor Ort. Das Herzstück der Technik allerdings, eine sogenannte mobile Produktionseinheit, die sich die beiden Sender für Großereignisse angeschafft haben, ist noch auf dem Weg von der Fußball-EM nach Peking. Und das mit dem Zoll kann ja bekanntlich noch etwas dauern. (Daniel Bouhs, epd)

 
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