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«Online-Medien liefern nur schnelllebige Ware für Info-Junkies»

03. Jul 2008 14:36
Online-Journalismus heißt, ein Thema sich vor den Augen der Leser entwickeln zu lassen. Die nur einen Satz umfassende Eilmeldung wächst zu einem Dossier heran aus Kommentar, Reportage, Porträt, Dokumentation.

Fotos, Videobilder oder -beiträge sowie Hörbares kommen hinzu. Für noch mehr Verständlichkeit sorgen interaktive Grafiken und Karten. Abwechslung für die Sinne macht die Information schließlich zum Erlebnis.

Eine gereifte Essenz der besten und wichtigsten Bilder und Texte könnte dann aus dem Web in den Druck und am Morgen in Briefkästen und Kioske gelangen. Mit Klugheit strukturierte Redaktionen arbeiten nach diesem Prinzip. Angst vor Fehltritten ist dabei unbegründet. Denn Journalismus wird nicht unglaubwürdig dadurch, dass die Redaktion im Laufe des Arbeitstages eine Fehleinschätzung einräumen muss oder eine Korrektur vornimmt, weil sie einer Fehlinformation aufsaß. Das Glaubwürdigkeitsproblem des Netzes hat nur dann Bestand, wenn diese Transparenz fehlt oder es an Sorgfalt mangelt.

Die Realität hat jedoch wenig gemein mit diesem Traum: Viele Tageszeitungsverlage bauten für ihre Zeitungstitel Online- Präsenzen auf, deren wenige Mitarbeiter dort für das internettypische Umfeld aus Fotoschauen, Diskussionsforen und hinzu gekauften Videobeiträgen sorgen.

Besser bestallte Online-Redaktionen führen Interviews und kommentieren oder glossieren die Nachrichten, die sie zuvor aus Versatzstücken der Nachrichtenagenturen zimmern. Der Vision am nächsten kommen die Web-Ausgaben der Wochenmagazine: Wer nicht tagesaktuell veröffentlicht, ist zum Aufbau einer schlagkräftigen Online-Redaktion gezwungen. So gehören deren Arbeitsergebnisse heute zu den meist gelesenen Deutschlands.

Vielen Online-Redakteuren bleibt aber nur, bei den nebenan werkelnden Print-Journalisten zu betteln, ihre Artikel für die Webseite doch ein wenig früher freizugeben als zum Redaktionsschluss. Das Internet ist in vielen Redaktionssälen noch Störfaktor im nach tradierter Linie verlaufenden Arbeitstag.

Nur wenigen deutschen Verlagen gelang es, den Graben zwischen Papier- und Onlinefront zu überwinden. Dabei ist das Internet spätestens dann wichtiger Partner, wenn die Seitenmacher den Kampf gegen die Zeit aufgeben müssen: Etwa am Abend des EM-Finales, als eine «Berliner Zeitung» erschien, voll mit Text darüber, dass die Meisterschaft vorbei ist, die Fans gefeiert haben und dass es schön gewesen sei. Die Information, wie das Endspiel ausging, suchte der Leser zwischen den vielen schwarzrotgelben Fotos vergebens. Erst die Spätausgabe leistete, was der Leser im Web immer erwarten darf.

 
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