Tagesthema Online-Medien: Sind Onliner auch Journalisten?03. Jul 2008 08:51 Matthias Breitinger und Maik Söhler stellen Fragen zum Online-Journalismus - und beantworten sie auch gleich.
Wenn «Online» mehr sein soll als verrückte Fotos, Horoskope und Netzspiele: Ja. Journalismus im Netz unterscheidet sich von dem des Print, weil das Medium anders funktioniert. Aber ansonsten gilt auch im Web: Journalismus ist die professionelle Verbreitung von Information, Meinung, aber auch Unterhaltung über ein Medium.
Auch für Online-Journalismus müssen somit die Maßstäbe des Handwerks gelten, das in einer soliden Ausbildung vermittelt wird. Allerdings ergaben Studien, dass «Learning by doing» ein häufig vertretenes Merkmal zu sein scheint: Nur ein Drittel der Online-Journalisten hat demnach ein Volontariat aufzuweisen. Dennoch sind Online-Journalisten keine Programmierer, keine Technikfreaks (auch wenn sie häufig technik-affin sind) und auch keine Google-Optimizer.
Sie müssen allerdings häufig Allrounder sein, weil sie – mehr als ihre Kollegen im Print, erst recht im Vergleich zu «Edelfedern» oder Reportern – aus Personalmangel auch fachfremde Aufgaben zu erledigen haben und beispielsweise Agentur-Fotos zuschneiden, Leserbriefe beantworten oder gar Marketing betreiben, also etwa Kontakte zu potenziellen Kooperationspartnern aufbauen und pflegen.
Aus Personalmangel bleibt zudem langwierige Recherche häufig auf der Strecke. Kritiker von Online-Medien beklagen, der Journalismus im Netz beschränke sich auf kritiklose Zweitverwertung – und die Stilformen beschränkten sich ohnehin auf Nachricht und Bericht. Was aber auch daran liegt, dass lange Texte, etwa Reportagen, am Bildschirm ungern gelesen werden. Und daran, dass – siehe oben – Vermarkter zuvorderst an Klicks denken, was lange Texte, aber auch Animationen oder historische Zeitleisten, unattraktiv macht.
Teil 4: Geht es den Betreibern nur um Klicks?
|