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TV-Werbung in Israel: 

Danny Hollywood schlägt Ahmadinedschad

01. Jul 2008 12:39
Der falsche Ahmadinedschad
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Während sich beide Länder mit militärischen Angriffen drohen, macht ein TV-Sender in Israel den iranischen Staatschef zum Star eines Werbe-Spots. Antje Kraschinski berichtet über die provokante Kampagne. Mit Video

Als Israel am 14. Mai 2008 seinen 60. Geburtstag feierte, sendete der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad seine persönlichen Todes-Glückwünsche an das Land per Fernsehansprache. «Das Zionisten-Regime wird sterben», sagte er in einer vom iranischen Staats-TV übertragenen Rede. Die Länder in der Region hassten den jüdischen Staat, so Ahmadinedschad weiter - und sie würden Israel vernichten, sobald sich dazu die geringste Chance biete.

Ein Fernsehsender in Israel tut dem erklärten Staatsfeind nun den Gefallen: Im jüngsten Werbespot des Satelliten-Kanals «Yes» verkündet ein von einem Schauspieler dargestellter Ahmadinedschad das Ende des jüdischen Staates. «Meine Brüder», sagt der falsche Präsident in einer ebenfalls vom Fernsehen übertragenen Rede, «das Uran ist in unseren Händen und Montag kann sich Israel verabschieden.» Allerdings nimmt der Spot nach dieser Ankündigung eine Wendung, die der Regierung in Teheran weniger gefallen dürfte.

Ahmadinedschad zum Lachen zu bringen

Denn überraschenderweise erheben einige Mullahs Protest. «Was redest du da», ruft ein Mann mit schwarzem Turban, «am Montag zeigen sie den letzten Teil von Danny Hollywood!» Mehr Menschen im Land beginnen zu protestieren, sie wollen ihre israelische Fernsehserie nicht versäumen. Mullahs skandieren im Chor, Frauen im Tschador tanzen auf den Straßen. «Bombardier nicht, Ahmadinedschad! Ich bin mitten in einer Serie, ich werde verrückt, wenn die Serie stoppt», singen sie, mal in Farsi, mal auf Hebräisch. Am Ende des furiosen Mini-Musicals schwenken sogar die Revolutionswächter rhythmisch die Maschinengewehre.

Verantwortlich für den Spot ist Ido Ben-Dor vom Tel Aviver Büro der weltweit operierenden Agentur McCann Erikson. Dass die Handlung Proteste auslösen oder diplomatische Spannungen hervorrufen könnte, glaubt er nicht. «Wir machen uns über niemanden lustig, sondern wollen eine Situation mit Humor entwaffnen», zitiert ihn die Los Angeles Times. Die Iraner seien für ihren feinen Humor bekannt, so Ben-Dor weiter, und fänden den Spot sicher auch lustig. «Mein Ziel war, Ahmadinedschad zum Lachen zu bringen.»

Humor in Zeiten des Krieges

Wie der iranische Präsident auf die Werbung reagiert hat, ist nicht bekannt. Ohnehin ist die Realität schon einen Schritt weiter. Nahezu zeitgleich mit der Premiere des Spots veranstalteten die israelischen Streitkräfte Anfang Juni im östlichen Mittelmeer ein großangelegtes Manöver. Über 100 Kampfflugzeuge der Luftwaffe probten gezielte Bombardierungen iranischer Atomanlagen. Wenig später sprach sich Israels Vizeministerpräsident Schaul Mofas offen für einen solchen Angriff aus. Teheran quittierte das zuletzt mit der Ankündigung, Israel im Gegenzug mit Raketen zu beschießen.

Die Israelis, die mit den beinahe täglichen, realen Todesdrohungen anderer Länder leben müssen, scheint der Spot mit dem Galgenhumor nicht zu stören, Proteste bleiben bislang aus. Ganz anders im Dezember letzten Jahres, als «Yes» für sein hochauflösendes Fernsehen mit orthodoxen Juden warb. In dem Spot tanzen traditionell gekleidete Männer nach der Melodie von «YMCA» im Stil bayrischer Schuhplattler und singen auf Hebräisch, Jiddisch und Englisch gegen die «Sünde» HDTV.

Schockeffekte und Proteste

Während sich säkulare Israelis köstlich amüsierten, schrieben Gläubige wütende Protestbriefe. Neben ultra-orthodoxen Hammerargumenten («Antisemitismus», «Wenn ich die Augen schließe, kann ich Hitler hören») und Empörung darüber, dass die Orthodoxen als kopflose, leicht zu lenkende Masse dargestellt würden, meldeten sich auch moderatere Stimmen, die beklagten, dass die Werbung nun auf Kosten frommer Israelis Witze reiße.

2005 nahm «Yes» nach Protesten sogar einen Spot aus dem Programm. Ein Jahr nach Bekanntwerden des Folterskandals im irakischen Gefängnis von Abu Ghureib zeigte der Spot vermeintliche US-Gefangene in einem Vietnam-ähnlichen Gefangenlager, die gefoltert werden sollen. Doch die Soldaten kümmert das nicht. Sie preisen die gute Bild- und Tonqualität des Senders, der sie dabei filmt. «I don't mind, if they gonna fry me, Yes, I feel so groovy, because I am in this movie», singen sie, bevor sie sich befreien und - in Tanzformation - ihre Feinde mit Maschinengewehren niedermähen.

Sprechender Penis gegen Aids, Hassreden für Hybrid-Autos

Nicht nur «Yes» arbeitet bei der Werbung in Israel mit radikalen Mitteln. Die Israeli Aids Task Force schaltete Spots, in denen ein animierter, täuschend echt aussehender, sprechender Penis davon schwärmt, wie schön es «inside» war, ohne Gummi- bis ihm bewusst wird, dass er sich mit einer Krankheit angesteckt haben könnte.

Auch die japanische Firma Honda bewarb ihr spritsparendes Hybrid-Auto mit einem Schock-Spot. Der 40-Sekunden-Film beginnt mit Ausschnitten aus einer Original-Rede von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, in der er Israel zum illegalen, aggressiven Feind erklärt und dessen Tod fordert. Fast zehn Sekunden lang zeigen Originalaufnahmen dann hunderte seiner Anhänger, die den Tod Israels skandieren. Bis über den Hass-Chor die Worte eingeblendet werden: «Weniger Benzin, weniger Geld für Terror.»


Video mit falschem Ahmadinedschad


Video mit tanzenden Orthodoxen


Was die Orthodoxen im Video singen

Be warned holy land / of the High Definition / go out and erase this «toeivah» (Sünde) / Oy Vey, the «toeivah» is here / He said Oy Vey / now the detail's so clear / Yes brought HD / Groise Tate (Großer Vater) please help / It's a «broch» this HD on Yes / Gevald it's Sedom and Gemorah / H D T V / it's against the torah / H D T V / oy voi voi voi / Now the shikses look well / you will all go to hell / Or in Hebrew Yishmor HoKel (Gott rette uns) / Cause the HD is now on Yes

Honda Werbung


 
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