18. Jun 2008 16:46
Ein Interview in der Zeitschrift «Cicero» sorgt schon vor der Veröffentlichung für Streit. Der ehemalige Chefredakteur des «Spiegel» wird mit Äußerungen über seinen Rauswurf zitiert, die er nicht getätigt haben will.
Der ehemalige «Spiegel»-Chefredakteur versicherte jedoch, die Meldung sei unrichtig. Er habe das nie gesagt und denke auch nicht so. Das Gerücht, seine Ablösung sei auf Betreiben der SPD erfolgt, sei zwar Gegenstand eines Gesprächs zwischen ihm und dem ehemaligen 'Spiegel'-Redakteur Erich Wiedemann gewesen, der jetzt für «Cicero» tätig ist. Aust betonte, er habe sich das Gerücht jedoch inhaltlich in keiner Weise zu eigen gemacht, sondern ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er es für völlig abwegig halte. «Ich bin erstaunt und empört, dass 'Cicero' - ohne Rückfrage bei mir - solche Behauptungen verbreitet», fügte Aust hinzu. In dem Gespräch sei es um das Gerücht gegangen, nach der negativen Berichterstattung des «Spiegels» über die SPD im Wahljahr 2005 hätten Funktionäre in der Berliner Parteizentrale beschlossen, einen Mann ihres Vertrauens in die Chefetage des Nachrichtenmagazins zu lancieren. Dabei ging es um den «Spiegel»-Verlagsgeschäftsführer Mario Frank, der zuvor Chef des Dresdner Druck- und Verlagshauses war.
Dieses wiederum gehört gemeinsam dem Verlag Gruner + Jahr und der SPD-Medienholding DDVG (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft). DDVG-Geschäftsführer Gerd Walter bezeichnete die Vorwürfe laut «Cicero» als absurd. Aust kommentierte die Ende April beschlossene Ablösung auch von Mario Frank selbst als Geschäftsführer mit einem Witz: «Das ist so wie in der Komödie: Wie werd' ich meinen Auftragskiller wieder los.»
Der Journalist hatte gegen die Kündigung seines Vertrags geklagt und war Anfang Februar nach 13 Jahren als Chefredakteur mit sofortiger Wirkung abberufen worden. Schließlich einigte sich Aust außergerichtlich mit dem Verlag. Die Zeitschrift soll am Donnerstag erscheinen, wie ein Sprecher von «Cicero» auf Anfrage mitteilte. (AP)