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Altpapier vom Montag

09. Jun 2008 10:00
Mit faulen Kompromissen nicht zufrieden: EU-Kommissarin Viviane Reding
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Jetzt geht´s lohos: Die Beratungen über den neuen Rundfunkstaatsvertrag senden ihre Signale voraus – nicht mehr nur in der «FAZ».

Hat uns dieses Thema schon gefehlt? Ein klares Jein. Nachdem die EU-Wettbewerbskommission die deutsche Gebührenregelung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht mit ihren Ansprüchen an das freie kapitalistische Neben- und Gegeneinander in Einklang sieht, muss nun ein neuer «Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien» her. Über die Entwürfe zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag beraten die Ministerpräsidenten am kommenden Donnerstag – wie sich ARD und ZDF online aufstellen dürfen, ist unter anderem die Frage.

Eine Frage, die die – als Konkurrenten ja direkt betroffenen und also auch ein wenig befangenen – Verlage und ihre Publikationen gerne mitbeantworten. Zum Beispiel die «FAZ». Die zwar heute ausnahmsweise mal nichts darüber hat, jedoch seit Wochen nicht müde wird, ihre Meinung kundzutun. Jüngstes Beispiel vom Wochenende: der Kommentar von Holger Steltzner («Aus guten Gründen gibt es keine öffentlich-rechtliche Zeitung; aus denselben Gründen sollte es auch im Internet ein staatliches Nachrichtenportal nicht geben.») sowie das Interview mit EU-Kommissarin Viviane Reding («Mit faulen Kompromissen geben wir uns nicht zufrieden»).

So spricht eben jeder mit demjenigen, von dem er sich etwas Sinnvolles (und sei es vor allem für die eigenen Interessen) erhofft. Der «Focus» hat sich dafür Mathias Döpfner ausgesucht. Der in diesem Gespräch (leider nicht online) angeblich vor den «existenziellen Gefahren für kleinere Verlage» warnte . Weitere Überraschungen im Laufe der kommenden Woche scheinen offenbar garantiert. Die Online-Zusammenarbeit des «Focus» mit dem Bayerischen Rundfunk ist jedenfalls schon wieder aufgekündigt, bevor sie überhaupt begann – mit den bevorstehenden Rundfunkänderungsstaatsvertragberatungen «gebe es keinen Zusammenhang», sagte Focus-Online-Chef Jochen Wegner darüber der 'Welt am Sonntag' .

Bei solch (freiwillig oder unfreiwillig?) konzertierten Aktionen lässt sich natürlich auch der aktuelle «Spiegel» nicht lumpen, und sagt in seinem großen Artikel über die «Verdünnte Freiheit» (S.110ff) Sätze wie:

Denn der Versuch der Länder, hineinzuregieren in die Freiheit des World Wide Web, dürfte nicht nur massive Behinderungen des Pressefreheit, sondern auch der Freiheit des Fernsehens mit sich bringen.

Oder: Was seit Besatzungszeiten nicht mehr möglich war, wird per Staatsvertrag zur Vision des freudigen Medienpolitikers Beck: Journalismus unter amtlicher Aufsicht.

Die Fronten sind mithin ziemlich klar – wem dennoch der Überblick fehlt, dem sei das 'Who´s who' von Steffen Grimberg in der «taz» empfohlen.


Altpapierkorb

«Der Vorteil bei Revolutionen, wenn sie von oben durchgesetzt werden, ist ihr geordneter Verlauf»: Die «FAZ» porträtiert das neue «Wall Street Journal», nachdem sich Rupert Murdoch seiner angenommen hat. +++ Über Rupert Murdoch hat auch Premiere-Chef Michael Börnicke in dem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» (S. 15) etwas zu sagen (eine Zusammenfassung gibt´s bei 'dwdl' ). Und nicht nur darüber, sondern auch: «Die Quartalszahlen sind nicht gut, darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber man muss sie einordnen.» +++ Sarah Mühlberger weiß, was angesagt ist – «Retro-Rollschuhe, Ushers neues Album, das pulsmessende und kalorienzählende Handy und außerdem Sport am Abend. Das bringt den Kreislauf in Schwung und verdrängt Heißhunger auf Chips und Schoki, der unweigerlich kommt, wenn zum Beispiel gerade kein fester Freund zur Hand ist.» – für die 'Berliner Zeitung' hat sie sich den Markt der Mädchenzeitschriften angesehen. +++ Zeitschriftenschau auch bei der 'FR' – allerdings weit östlicher: Um die deutschsprachige St. Petersburgische Zeitung steht es nicht gut. +++ Anne Will hat falsche Zahlen richtig gestellt ( 'Welt' , 'Tagesspiegel' , 'stern.de' ) – und war trotzdem wieder nicht gut (laut 'Kölner Stadtanzeiger' ). +++ Unbedingt nachgetragen werden muss noch Michael Jürgs´ 'FAS'-Artikel über das Verhältnis von Schreibern und Managern bzw. das «Regime der Flanellmännchen». +++ Und natürlich: Am Samstag ging´s auch woanders lohos, nämlich in der Schweiz und in Österreich: Mit EM-Medienkolumnen warten «SZ» (S. 15), «FAZ» (S. 40), die 'Netzeitung' und der 'Tagesspiegel' auf, von den Quoten des Deutschlandspiels ist 'dwdl' beeindruckt.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Dienstag gegen 10.00 Uhr.

 
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