07. Jun 2008 11:26
Die Polit-Talkerin sah Rot-Rot durch die rosarote Brille. Das war dem CDU-Mann Pflüger zu viel. Mit seiner Forderung nach einem Rücktritt der Moderatorin biss er beim NDR jedoch auf Granit. Am Sonntag will Will in ihrer Sendung eine Erklärung abgeben.
NDR-Programmdirektor Volker Herres teilte mit, der Chefredakteur habe «mit der Redaktion intensiv über die Sache gesprochen». Alle stimmen selbstverständlich überein, dass eine gründliche Recherche und präzise Umsetzung Grundpfeiler der Glaubwürdigkeit der Gesprächssendung seien. Zahlen, Fakten und Formulierungen würden mit großer Sorgfalt geprüft. «Pannen sind immer ärgerlich, aber wo Menschen arbeiten und unter den Bedingungen einer Live-Sendung kann auch mal etwas schiefgehen», so Herres. Pflügers Forderung, die Sendung müsse abgesetzt werden, wies er dagegen entschieden zurück.Will hatte in der Ausgabe vom vergangenen Sonntag gesagt: «Dass man mit der Linkspartei erfolgreich Politik machen kann, das weiß der Chef der einzigen rot-roten Koalition in Deutschland, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit.» In dem darauf folgenden Einspiel-Film hieß es, die rot-rote Koalition in Berlin habe 2001 von der Großen Koalition in Berlin 60 Milliarden Euro Schulden «geerbt» und Berlin «auf die Erfolgsspur» geführt. Pflüger hatte daraufhin Wills Rücktritt gefordert: «Die Fakten widerlegen Frau Will. Die Verschuldung Berlins ist von 38,5 Milliarden Euro im Jahr 2001 auf 61 Milliarden Euro zum heutigen Zeitpunkt angestiegen.»
Herres unterstrich, dass «Anne Will» die erfolgreichste politische Gesprächssendung im deutschen Fernsehen sei. Eine Sendung, die es Woche für Woche schaffe, mehr als vier Millionen Menschen für Politik zu interessieren, gehöre nicht abgeschafft, sondern im Gegenteil gestärkt. «Daran ändert auch ein solcher Patzer nichts», so Herres. (nz/dpa)