ZDF-Show in Österreich beanstandet:
Nah am Werbespot: «Wetten, dass...?» gerügt
06.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Thomas Gottschalk
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Thomas Gottschalks Begeisterung für «diesen wunderschönen, neuen A4 3.2 Quattro» war der österreichischen Medienaufsicht zuviel. Dafür muss der ORF nun öffentlich Abbitte leisten.
Die ZDF-Show «Wetten, dass..?» mit Thomas Gottschalk ist in Österreich wegen verbotener Werbung im Programm gerügt worden. Wie der Österreichische Rundfunk (ORF) dem Nachrichtendienst epd am Donnerstag in Wien bestätigte, wird er einen entsprechenden Bescheid des Bundeskommunikationssenats beim Verwaltungsgerichtshof des Landes anfechten. Der ORF ist Koproduzent der Show und überträgt sie regelmäßig live in Österreich. Das ZDF sieht sich von der Beanstandung im Nachbarland «nicht unmittelbar betroffen».
«Und hier ist er...»Am 19. Mai hatte der Bundeskommunikationssenat entschieden, dass die am 10. November vergangenen Jahres ausgestrahlte Folge von «Wetten, dass..?» gegen das im ORF-Gesetz enthaltene Gebot der Trennung von Werbung und sonstigem Programm verstoßen habe. Die Medienaufseher der Republik Österreich rügten insbesondere die «bildliche und textliche Darstellung» eines Audi-Fahrzeugs, das in der Show als Preis eines Gewinnspiels zugunsten der Deutschen Sporthilfe ausgelobt worden war.
Anstoß nahmen die Aufseher auch an anpreisenden Äußerungen von Moderator Thomas Gottschalk über das telegen ausgestellte Automobil: «Machen Sie mit und gewinnen Sie! Vielleicht ja diesen wunderschönen, neuen A4 3.2 Quattro, die sportliche Limousine in der Mittelklasse - frisch mit dem 'Goldenen Lenkrad' ausgezeichnet - und hier ist er!»
Wie aus dem epd vorliegenden Senats-Bescheid weiter hervorgeht, hatte Gottschalk dann im Gespräch mit dem Rennfahrer Mattias Ekström gefragt, inwiefern sich ein solches Serienauto («toll sieht der aus») von den üblichen Rennversionen unterscheide. Ekström antwortete: «Mein Rennauto ist auch ein Audi A4», in dem Rennwagen stecke auch Serientechnik. Nach weiteren Kameraschwenks über das ins Studio gefahrene Auto und der Ausrufung des Gewinnspiels habe Gottschalk nach Angaben des Bundeskommunikationssenats zum Schluss gesagt: «Mit dem Auto macht's immer Spaß.»
Gestaltet «wie ein klassischer Werbespot»Der Senat urteilte, die Szene sei «wie ein klassischer Werbespot» gestaltet gewesen und hätte deshalb vom sonstigen Programm getrennt werden müssen. Schleichwerbung liege in diesem Fall aber nicht vor, weil der Tatbestand «wegen der Offensichtlichkeit der werblichen Darstellung mangels Irreführungsabsicht» ausscheide. Dem ORF wurde aufgetragen, die Beanstandung im eigenen Programm zur Hauptsendezeit publik zu machen.
Das ZDF räumte auf Anfrage ein, es sei in der Live-Sendung zu einer «unüblichen und grenzwertigen Preispräsentation» gekommen. Darauf habe die sendereigene Clearingstelle für Kooperationen mit Dritten sofort nach der Sendung hingewiesen. Der Dialog zwischen Gottschalk und Ekström sei aber so nicht geplant gewesen. Deshalb könne man dem ZDF als dem Hauptproduzenten der Show auch nicht eine Werbeabsicht unterstellen, sagte ZDF-Unternehmenssprecher Alexander Stock. Programmdirektor Thomas Bellut habe nach dem Vorfall angeordnet, Redaktion, Regie und Moderator sollten in Zukunft durch ein «enges Zusammenspiel» sicherstellen, dass Gewinnspielpreise «in schwer vorhersehbaren Situationen» nicht werblich herausgestellt werden. Der Autohersteller Audi unterstützte die Produktion von «Wetten, dass..?». Darauf wurde im Abspann der Sendung hingewiesen. (epd)