Unsere Medienkolumne: Altpapier vom Donnerstag05. Jun 2008 10:13, ergänzt 11:10  |  An seiner Devotheit muss er wohl noch arbeiten, wenn er Kerner auf Dauer vertreten will | Foto: ZDF/ Ulrich Perrey |
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Wie war Lanz? Der Kerner-Vertreter, der mit Verona Pooth talkte, während Sandra Maischberger mit Pocher talkte, im Spiegel der Kritik.
Ohne Johannes B. Kerner zu nahe zu treten: Im Vergleich zur Militärdiktatur von Burma/ Birma/ Myanmar stellt der ZDF-Talker zweifellos das erheblich geringfügigere Übel dar.
Andererseits, im Rahmen seiner Möglichkeiten und vor allem dem des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, tut Kerner, was er kann. Und auch jetzt macht er ja weniger Urlaub als sich aufs Durchmoderieren des Rahmenprogramms sportlicher Großereignisse vorzubereiten (und en passant
'Wie schlau ist Deutschland?'
zu moderieren). Kann er derweil in seinen Routineprogrammen angemessen vertreten werden? Diese Frage stellte das ZDF, als es
Markus Lanz
ins Programm hob. Und fast alle Medien sprangen drauf an.
Der Gebührensender hat Lanz bekanntlich
vom Privatsender RTL
weggekauft. «Plötzlich war nichts mehr übrig von der seifigen Attitüde des Privat-Moderators, plötzlich ging er mit Verona Pooth hart ins Gericht», schrieb Ruth Schneeberger gestern auf
'sueddeutsche.de'.
«Kerniger als Kerner und bissiger als Beckmann» sei Lanz in seinem ZDF-Debüt gewesen, «weiter so».Das kann doch nicht so stehenbleiben, mag man denken. Doch, es kann. Auch wenn heute Senta Krasser in der Papier-«SZ» (S. 15) nachlegt: «Der smarte Lanz ... bemühte sich, knallhärter nachzufragen, als es Kerner vielleicht tun würde, ein bisschen etwas von Plasberg sollte das wohl haben».
Zum Urteil «Der Moderator hatte gefragt und im Gegensatz zu Kerner nachgefragt und noch mal nachgefragt» gelangte, nachdem «eine TV-Stunde wie im Fluge vergangen» war, auch Uwe Felgenhauer
('Welt Online'
gestern). Selbst die
'taz'
ist heute in Gestalt David Denks nicht unangenehm berührt. Talkstargast Verona Pooth «trug ein ziemlich enges knallrotes Kleid - eine eigene Kreation? Natürlich hat Lanz danach nicht gefragt. Das wäre eine typische Kerner-Frage gewesen - zu seicht, zu anbiedernd». Das Blatt fühlt sich bloß etwas gestört durch des Moderators «überambitioniertes Investigativgetue. Leider hat Lanz vergessen, dass harte Fragen allein noch keinen guten Journalisten ausmachen».
Was meint die «FAZ»? «Warum in aller Welt lädt das ZDF diese Frau ein, um über dieses Thema zu reden?», fragte Peer Schader in der
Online-Kritik
gestern. Heute in der Papier-Ausgabe (S. 44) klingt das zurückhaltender («Wieso holt das ZDF diese Frau überhaupt ins Fernsehen, um sie die Probleme ihres Mannes besprechen zu lassen? Vielleicht wegen der Quoten. Denn die haben gestimmt. 1,96 Millionen Zuschauer sahen die erste Sendung, etwas mehr als 'Menschen bei Maischberger' im Ersten, wo Oliver Pocher über Fußball plaudern durfte») und ist um nett aufmunternde Kritik ergänzt.«Wir haben gelernt» (Lanz): Öffentlich-rechtliches Fernsehen 2008 ist, wenn in der ARD Pocher und im ZDF Pooth talken, und GEZ-Gebühren dafür ausgegeben werden, dass das Institut Forsa im Auftrag des ZDF ermittelt, dass 71 Prozent der Deutschen Pooth seit der Insolvenz ihres Gatten mit seinem Unternehmen Maxfield nicht unsympathischer finden. Ja, mag sich denn niemand darüber ärgern?
Doch, das auch. Danke, Matthias Kalle
('Tagesspiegel').
Meinungsvielfalt herrscht zumindest: «Dieses 'Gespräch' war ein Debakel, als Zuschauer konnte man sich nicht entscheiden, ob man es nun für eine Belanglosigkeit, eine Frechheit oder eine Imagerettungskampagne halten sollte» Kalles Schlussfolgerung allerdings muss man nicht teilen: «Kerner, come back!», lautet sie.
Das Übel ist struktureller Natur, arbeitet ausgerechnet
'Spiegel Online'
heraus. Peter Luley hält Lanz zwar auch für ein im Vergleich zu Kerner kleineres Übel («Vielleicht wirkt Lanz sogar ein bisschen unverbrauchter, flotter, weniger devot, wenn er die gleichen Fragen stellt»), stieß aber in der ZDF-Mediathek auf
die Kerner-Show vom Februar,
in der dieselbe Prominente zum selben Thema bei... nicht demselben Moderator, aber dem gleichen, Kerner, zu Gast war.«Ja, hat sich denn seither so viel verändert, ... dass schon eine Pooth-Neuauflage bei Kerners Sommerpausenvertretung Markus Lanz vonnöten ist? Inhaltlich nicht. Jedenfalls vermochte es die Sendung des 39-jährigen Ersatzmanns Lanz nicht zu vermitteln. Bis auf die bereits im Vorfeld lancierte Information, dass Verona Pooth wegen eines nicht bezahlten Foto-Shootings selbst Gläubigerin der Maxfield GmbH sei, aber nicht auf Ausgleich ihrer Forderungen dränge ('Ich bin in der Situation, dass es nicht mein Anstreben ist, jeden Tag um dieses Geld anzufragen'), gab es kaum neue Erkenntnisse». Vielmehr äußerte sich Pooth bei Lanz «teilweise im Wortlaut mit dem Kerner-Interview identisch».
Und das steht wie gesagt bei «Spiegel Online«, also einem Internetportal des Konzerns, dessen Zweig
'Spiegel TV infotainment'
durch all die Kernershows Geld verdient.
MEHR IM INTERNET: die artikel des tages |
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Altpapierkorb Keine harten News heute? So halb: Bei der «CDU-Media-Night» schnappte die
'taz'
nicht nur die Klage eines Privatsenderlobbyisten auf, man hätte dem Stargast Angela Merkel «wohl mal wieder nicht aufgeschrieben, zu wem und wo sie spricht», sondern auch interessante Präzisierungen Günther Oettingers zu dem, was öffentlich-rechtliche Sender im Internet dürfen sollen und was nicht: «Wenn beispielsweise zum in Überlingen spielenden Bodensee-'Tatort' auf ARD-Websites im Internet über den Weinbau in der Region informiert werde, gehe das schon in Ordnung. Auch Informationen zu Überlingen als Reiseziel, 'welches Hotel zu empfehlen ist und wie viel der Rostbraten da kostet', sind laut Oettinger drin. 'Werden dann aber Bodensee-Weine mit solchen aus Südafrika verglichen und man ist plötzlich in Cape Town, geht das zu weit'». +++ «So verzagt waren westliche Intellektuelle selten» (Jörg Lau in der «Zeit», S. 12, über Alice Schwarzers Verteidigung der birmesischen Militärjunta, siehe
Altpapier gestern).
+++ Die jüngste Ausgabe der Anne Will-Talkshow «wird ein Nachspiel in den ARD-Gremien haben!»
('Bild'-Zeitung).
Es liegt inzwischen auch eine Aussage des Generalsekretärs der Berliner CDU, Frank Henkel, vor
('Berliner').
+++ Kölns
'Stadtanzeiger'
ist auf Maybrit Illners heutige Talkshow bzw. aufs Geschmäckle
gespannt.
+++ Beim «Hamburger Mediendialog» wurde allerlei übers Medienbusiness geredet. René Martens war für die
'Rundschau'
dabei und staunte: Die Rede des Bertelsmann-Chefs Hartmut Ostrowski klang «so, als hätten die Medien darauf, was die Menschen wollen, keinen Einfluss». +++ «Zack, die Kohle»
('Tsp.'):
Heute endet die dritte Staffel von «GNTM» («Germany’s Next Topmodel»). Anlass auch für einen langen Regine Sylvester-Artikel in der
'Berliner'.
Der
'Tsp.'
hat überdies Experten wie Udo Walz und Stefanie Wurst um Stellungnahmen gebeten. +++ Die «FTD» bietet ein
Dossier
zur Konzern-Goldgrube «GZSZ». +++ Die
'FR'
empfiehlt Internetseiten zur Fußball-EM; zur Liste mit den «Top-10 der Überwachten und der Überwacher»
verlinkt
Klaus Kreimeier. +++ Am Ende des «Global Media Forum» der Deutschen Welle in Bonn fragte sich Peter Sturm («FAZ», S. 44), «warum man eigentlich stundenlang über Rolle und Selbstverständnis gerade internationaler Medien spricht, wenn deren Nutzen am Ende doch darin bestehen soll, die Kritik an Verhältnissen anderswo idealerweise mit Selbstkritik an den Verhältnissen 'zu Hause' zu relativieren». +++ Dass RBB-Intendantin Dagmar Reim «sich taktisch über ihren Rundfunkrat an die Politik wendet, um ihre Ziele zu erreichen», hat einige Hierarchen in der ARD «empört». «So etwas wie den Finanzausgleich können wir selbst lösen», zitiert die «SZ» einen ungenannten ARD-Manager. Hintergrund:
diese
«öffentliche Erklärung der Intendanten von WDR, SWR, NDR und BR», also der reichen ARD-Anstalten. +++ Die «FAZ» freut sich über einen «ordentlichen Dämpfer für die Sendergruppe» ProSiebenSat1:
diesen,
zu dem sie selber beigetragen hat (siehe
'medienpiraten.tv').
+++ «Das sind kranke Leute, die sich so etwas ausdenken. Ich distanziere mich ausdrücklich davon. So etwas ist Scheiße!»: Da bezieht sich Leo Beenhakker, der holländische Trainer der polnischen Fußballnationalmannschaft, nicht ausschließlich auf die internationale Springer-Presse
('FAZ',
'welt.de',
'Bild'-Zeitung.
+++Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Freitag gegen 10.00 Uhr.
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