Roche bei «Schmidt & Pocher»: «Ich bin dann mal feucht»23. Mai 2008 11:11  |  Charlotte Roche | Foto: dpa |
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Weitgehend trocken, allerdings ohne Humor, bloß am Ende ganz nett: Schmidt und Pocher begrüßten Besteller-Autorin Charlotte Roche.
Als Charlotte Roche in der 48. Minute der «Schmidt & Pocher»-Show, die insgesamt 58 Minuten dauerte, gestern auf die Bühne kam, wurde es nett. Die inzwischen als Bestsellerautorin bekannte Moderatorin trug ein recht züchtiges Kleidchen, anders als Lady Bitch Ray, deren Auftritt «Schmidt & Pocher» im April den letzten größeren, immer noch nachhallenden Aufreger beschert hatte. Anders als die «Vagina Style»-Propagandistin Ray tut Roche auch nicht, als sei sie eins mit der Kunstfigur, die sie verkauft.
Dass eine kritische Auseinandersetzung nicht zu erwarten sei, machte Schmidt deutlich, indem er die «liebe liebe Freundin» begrüßte (und tatsächlich gehörte Roche neben den Schmidt-Spezis Manuel Andrack, Nathalie Licard und Herbert Feuerstein ja auch zum Rateteam der Quizshow «Pssst», mit der Schmidt 2007 im ARD-Werberahmenprogramm gründlich floppte). Dann nahm Roche selbst allen, die ihr Böses wollen könnten, den Wind aus den Segeln. Sie sei ja für «zwölf Jahre die Quotenloserin schlechthin» gewesen und habe nie Massenerfolg gehabt. Jetzt hat sie ihn. Fast 600.000-mal verkauft sei das Buch bereits, darauf kam Harald Schmidt nicht nur einmal zu sprechen. Erfolg beeindruckt ihn, den hat er früher ja auch gehabt.
«Muschi und Hämorrhoiden» Roche brachte weder Vaginalsekret noch ein anderes Geschenk mit, bloß einige Gesprächsangebote hatte sie dabei. Zum Beispiel, dass das von ihr, einer Engländerin, verfasste Buch eine Art «Fortsetzung des Zweiten Weltkriegs» sei. Einen Diskurs darüber, vor feuchtem Sex als Hintergrund, hätte Schmidt in besseren Jahren gereizt. Gestern nahm er lieber Roches Reizwort-Kombination «Muschi und Hämorrhoiden» auf («So sollte die Show ursprünglich heißen. Doch Marianne und Michael haben den Titel nicht freigegeben»).
Härtere Worte fielen darüber hinaus nicht, halt doch: «Fellationieren» (als Verb). Literaturkritik gab es auch nicht. Roches ostentative Demut («Ich trau mich nicht zu sagen, ich bin Schriftstellerin») beeindruckte Schmidt insoweit, dass er auch nur noch einen Gag über eine «Feuchtgebiete»-Verfilmung riss («Wenn ich Eichinger wäre, ich hätte Veronica Ferres schon klar gemacht») und das Einspielfilmchen, das er in der Show mit Lady Bitch Ray zeigte, nicht nochmals strapazierte. Damals im April war bei «Schmidt & Pocher» eine Kinotrailer-Parodie über eine «Feuchtgebiete»-Verfilmung gezeigt, in der auch eine «FAZ» mit der Titelzeile «Frank Schirrmacher: Wer sich jetzt noch untenrum wäscht, ist ein wahrer Kunstbanause» zu sehen war.
Pocher als Kahn Auf eine komplexere Meta-Ebene begibt sich Schmidt nur noch im Binnenverhältnis zu seinem Juniorpartner. Erster Studiogast gestern war der frisch verabschiedete Bayern München-Torwart Oliver Kahn, der ja auch ein Buch geschrieben hat. Dass, als es soweit war, nicht Kahn auf die Bühne kam, sondern der per «T-Home»-T-Shirt verkleidete Pocher, war keine ganz große Überraschung.Schmidt also interviewte Pocher als Kahn und kam rasch auf Kahns angebliches Talent als Stimmenimitator zu sprechen. Er bat Pocher, als Kahn die Stimmen von Jogi Löw und Lukas Podolski nachzumachen. Der natürlich noch heilloser als üblich überforderte Pocher musste über diese Idee zumindest herzlich lachen. Als Zuschauer konnte man sich denken, dass Schmidt die Leidenschaft seines Kompagnons, mit verstellten Stimmen Fußballer zu persiflieren, auch nicht lustig findet. In diesem Sketch kam auch der dritte und letzte gute Gag der Show zustande. Pocher als Kahn räsonierte darüber, wie er sein, Kahns Bestsellerbuch («Ich. Erfolg kommt von innen») auch hätte nennen können. «Ich bin dann mal feucht», fasste Pocher die «aktuellen Erfolgsgaranten der Bestsellerlisten» zusammen. Das ist auch der Erfolgsgarant der «Schmidt & Pocher»-Show, die im Grunde nur noch als Talkshow der etwas frischeren Sorte funktioniert - ob Gäste kommen, die die Sendung provokant oder nett als Podium zum Karriere-Ankurbeln benutzen, oder ob Schmidt und Pocher Talkshows nachspielen.
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