Multikulti weg-gespart:
Ein Armutszeugnis
23.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Sparen, das war ein anderes Wort für Vorfreude. Heile Kinderwelt.
Hier kommt ein Appell an alle, die meinen, sie könnten nicht anders: meistens können sie doch.
Sie wollen ein Beispiel? Gern. In einer Metropole, die wie kaum eine andere in Deutschland für ein Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft steht, wird ausgerechnet die Radiowelle abgeschaltet, die dieser bunten Vielfalt gerecht wird. Deutschlands Hauptstadt Berlin verliert sein «Radio Multikulti».
Da hilft es, mit Verlaub, auch nicht, wenn künftig der WDR sein sehr ähnliches «Funkhaus Europa» auf «Multikulti»-Frequenz sendet. Das ist in etwa so, als würde man «Antenne Brandenburg» mit Inhalten aus Thüringen beliefern.
Der RBB mag in Finanznöten sein, doch warum reflexartig das schwächste Glied der Kette opfern? Alternativen:
-- Der ARD deutlich machen, dass Gemeinschaft bedeutet, dass man die Kleinen unterstützt. Sonst hängt die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags von der Arbeitslosen- respektive Gutverdiener-Dichte in einem Bundesland ab. Das darf nicht sein.
-- Den riesigen Verwaltungsapparat RBB, die Radiowellen vorwiegend deutscher Kultur und das Fernsehprogramm mehr als geplant umsortieren. Selbst der WDR für das bevölkerungsreichste Bundesland NRW leistet sich «nur» fünf Landeswellen.
Allerdings: So ein richtiges, tiefes Bedauern über das Ende wertvoller Programme (auch das TV-Magazin Polylux wird ja geopfert) hat noch keiner der Verantwortlichen erkennen lassen. Da beschleicht einen der Verdacht, dass Alternativen gar nicht gewünscht sind - und dass der von außen auferlegte Zwang zum Kürzen letztlich nur das beschleunigt, was in so manchem Kopf ohnehin schon möglich schien.
Darum hier noch ein Schluss-Appell: Spart Euch dann aber bitte das halbherzige Zerknirschtsein. Sagt die Wahrheit. Und redet nicht vom Sparen, denn das ist doch eigentlich, ursprünglich etwas ganz und gar Positives.
P.S.: «taz»-Medienredakteur Grimberg schreibt: «Vielleicht sähe es anders aus, wenn viele, die jetzt Multikulti beklatschen und beklagen, auch im täglichen Leben mal eingeschaltet hätten.» Hab ich, Herr Grimberg. Immer wieder und mit wachsender Begeisterung. Und wenn die Media-Analyse endlich ausländische Berliner und Brandenburger mit befragen würde, kämen auch offiziell ganz andere Zuhörerzahlen heraus.

