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«Starker Tobak»: 

«Tatort»-Folge mit seziertem Baby kritisiert

13. Mai 2008 12:51
Plötzlicher Kindstot oder Mord?
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Die Zuschauer hat es nicht gestört, aber die «Bild-Zeitung». Ein totes Baby auf dem Seziertisch war dem Blatt zu drastisch. Der Fernsehdirektor des Hessischen Rundfunks verteidigt die Szene als Mittel, um die Realität abzubilden.

Die ARD hat mit einer «Tatort»-Szene Kritik auf sich gezogen. In der am Montagabend gesendeten Folge «Der frühe Abschied» wird ein totes Baby kurz vor der Obduktion in der Gerichtsmedizin gezeigt. Diese Szene kritisierte der Medien-Experte Jo Groebel in der «Bild»-Zeitung: «Es scheint, als habe man den Film so aufpeppen wollen.»

Der Fernsehdirektor des Hessischen Rundfunks, Manfred Krupp, der zugleich Jugendschutzbeauftragter des Frankfurter Senders ist, sagte am Dienstag, über die Szene sei bei der Abnahme des Films «durchaus länger diskutiert worden, weil sie an die Nieren geht». Groebel bezweifelte, dass es dramaturgisch notwendig war, diese Szene zu zeigen.

«Für Kinder sind solche Szenen starker Tobak, bleiben stark in Erinnerungen.» Beim HR beschwerten sich nach Angaben der Pressestelle keine Zuschauer über den «Tatort». Bei der ARD in München hieß es, nur vier Zuschauer hätten auf die umstrittene Szene reagiert, aber nicht unbedingt nur negativ. In einer E-Mail werde die ARD für den «mutigen Tatort» gelobt. Am Sonntag zuvor habe es weit mehr Aufregung um den Wiener «Tatort» gegeben, weil der Dialekt teilweise nicht verstanden worden sei.

Bei öffentlichen Vorführungen keine Kritik

Krupp sagte, nach zwei öffentlichen Vorführungen des Films vor der Ausstrahlung - beim Krimifestival in Wiesbaden und bei einem Preview mit fast 1000 Zuschauern - habe niemand geäußert, dass die Szene nicht zumutbar sei. Er wolle aber überhaupt nicht bestreiten, dass es eine schwierige Szene sei, betonte Krupp. Zu seinen Gründen, als Jugendschutzbeauftragter keine Einwände zu erheben, sagte er, man müsse die umstrittene Szene im Gesamtzusammenhang des Films sehen.

Die Frage sei: «Wie weit will man gesellschaftliche Realität darstellen?», sagte Krupp. Angesichts realer Fälle von Kindesmisshandlung und toten Babys in Tiefkühltruhen meine er: «Ja, erst recht». Man müsse die Härte der Realität darstellen. Der «Tatort» zeige aber auch, dass man sich vor einer vorschnellen Verurteilung hüten müsse und hoffnungslos überforderte Eltern nicht unter einen Generalverdacht stellen könne.

Drastische Szenen gewohnt

Im Fernsehen gebe es immer mehr Stoffe, die in der Gerichtsmedizin spielen. «Die Zuschauer sind drastischere Szenen gewohnt», sagte der Fernsehdirektor. Er betonte, der Schnitt der Gerichtsmedizinerin werde nicht gezeigt. Außerdem könne man erkennen, dass das tote Kind eine Puppe sei. «Das ist in dieser Szene keine Schwäche, sondern mindert den Effekt», meinte Krupp. Der «Tatort» hatte am Montagabend mit 6,11 Millionen und einem Marktanteil von 21,5 Prozent die meisten Zuschauer.

«Der frühe Abschied» (Regie: Lars Kraume) handelt von einem drei Monate alten Baby, das plötzlich tot im Bett liegt. Die Mutter wird von ihrem Ehemann verdächtigt, dem Kind etwas angetan zu haben. Das Paar hat schon sein erstes Kind durch ungeklärte Umstände verloren. Am Ende der Ermittlungen der Kommissare Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) gibt es keine Anzeichen für einen gewaltsamen Tod des Kindes. (AP)


 
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