Fernsehsendungen im Internet:
Nach dem ZDF hat auch die ARD eine Mediathek
13. Mai 2008 10:47
 |  ARD-Mediathek | Foto: Screenshot |
|
Die Debatte um die Online-Angebote der Öffentlich-rechtlichen ist voll entbrannt - ein Streitpunkt sind die Abrufportale. Eines scheint klar: Dort erreichen die Sender vor allem junges Publikum.
Die ARD hat am Wochenende im Internet ihre eigene Mediathek gestartet. Auf dieser Internetseite können Nutzer kostenfrei Video- und Radiobeiträge des öffentlich-rechtlichen Senderverbundes abrufen.
Die Einführung dieser Plattform ist allerdings stark umstritten. Die Medienpolitik will erst in den nächsten Wochen darüber entscheiden, welche Grenzen sie ARD und ZDF im Internet setzen will, um eine mögliche Verzerrung des Wettbewerbs zu verhindern. Das ZDF hatte seine Mediathek im Sommer 2007 bereitgestellt, die ARD zog nun – und damit später als geplant – nach.
ARD: Bündelung vorhandener Angebote
Die ARD, die sich nach dem Start noch nicht zu dem neuen Angebot geäußert hat, argumentierte zuletzt, ihre nun freigeschaltete Mediathek bündle lediglich Angebote, die bereits auf den einzelnen Seiten der Landesrundfunkanstalten wie NDR und WDR veröffentlicht werden. Die Privatsender und einige Medienpolitiker sehen jedoch gerade in dieser Bündelung bestehender Inhalte ein zu konzentriertes Angebot. Sie befürchten, dass die private Konkurrenz dagegen möglicherweise nicht ankommt.
Information und Unterhaltung
Die ARD-Mediathek bietet in ihrer nun gestarteten Version sowohl Informations- als auch Unterhaltungsbeiträge. So stellt die beim SWR in Mainz angesiedelte ARD-Online-Redaktion Beiträge diverser Fernseh- und Radiosender der Sendergemeinschaft zu Themendossiers zusammen, darunter auch einem «Thema des Tages». In einer ausgelagerten Version der Mediathek auf der Internetseite des Ersten stehen auch Serien wie «Sturm der Liebe» und «Marienhof» sowie Ratgeber- und Talksendungen wie «Menschen bei Maischberger» in voller Länge zum Abruf bereit. Auch «Tagesschau» und «Tagesthemen» sind Teil des neuen Angebots.
Diskussion um Beschränkung der Online-Aktivitäten
In diesen Tagen arbeitet die Rundfunkkommission der Ländern den 12. Rundfunkänderungs-Staatsvertrag aus. Mit der Novelle dieses Gesetzes, das den gebührenfinanzierten Sendern in Deutschland vorschreibt, was sie unter welchen Bedingungen sowohl im Fernsehen und Radio als auch im Internet anbieten dürfen, kommen auf ARD und ZDF möglicherweise neue Beschränkungen für ihre Online-Aktivitäten zu. Der neue Rundfunkstaatsvertrag soll auch einen so genannten Drei-Stufen-Test vorschreiben. Mit diesem Verfahren sollen neue Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender künftig unter anderem darauf geprüft werden, ob sie eine zu starke Konkurrenz für private Angebote darstellen würden.
Drei-Stufen-Test der öffentlich-rechtlichen Sender
Der für die Internet-Aktivitäten der ARD zuständige Südwestrundfunk (SWR) hatte dieses Verfahren für die ARD-Mediathek bereits Ende September 2007 freiwillig angewandt, wurde dafür aber sowohl von Privatsendern als auch der Medienpolitik heftig kritisiert. Umstritten war unter anderem, dass der Rundfunkrat als öffentliches Kontrollgremium des Senders sich bei der Bewertung der wettbewerblichen Situation nur auf ein Dossier aus Presseberichten stützte statt Konkurrenten und Marktexperten anzuhören. Die ARD-Mediathek war bereits im August 2007 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vorgestellt worden. Ursprünglich war mit einem Start im Herbst gerechnet worden.
ZDF: Hälfte der Nutzer unter 30 Jahren
Das ZDF bilanziert, dass mehr als die Hälfte der Nutzer, die sich Fernsehbeiträge im Internet ansehen, jünger als 30 Jahre ist. Damit sind die Mediathek-Nutzer nicht einmal halb so alt wie der Durchschnittszuschauer der öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme sind. Vertreter der gebührenfinanzierten Sender argumentieren daher, sie dürften im Internet nicht eingeschränkt werden, um noch junges Publikum erreichen zu können. (epd)