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Auszeichnung für den Literaturpapst: 

Bundeskanzlerin Merkel würdigt Reich-Ranicki

10. Mai 2008 12:13
Kanzlerin Merkel ehrt Marcel Reich-Ranicki
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Das Verlagshaus Gruner + Jahr hat zahlreiche Journalisten ausgezeichnet, darunter auch die «Ikone des Feuilltons». Der Literaturkritiker erhielt einen Sonderpreis.

Das geschriebene Wort wird geehrt, das gesprochene verrät eine launige Anekdote über den «Literaturpapst» und die Bundeskanzlerin: Bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises in Hamburg hat der für sein Lebenswerk ausgezeichnete Schriftsteller und Kritiker Marcel Reich-Ranicki amüsant geschildert, wie ihn Angela Merkel (CDU) als junge Politikerin einen Abend lang rein gar nicht zu Wort kommen ließ.

«Und das muss man können!», sagte der redefreudige Autor vor 1200 Gästen im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Bei der Gala am Freitagabend würdigten das Verlagshaus Gruner + Jahr und sein Magazin «Stern» herausragende Arbeiten im Printjournalismus.

Reich-Ranicki leitete 15 Jahre lange «FAZ»-Literaturressort

Laudatorin Merkel hätte auch diesmal gern länger das Wort gehabt, da die ihr zur Verfügung stehenden sechs Minuten längst nicht für die Würdigung eines solchen Werkes ausreichten. Sie lobte Reich-Ranicki, der von 1973 bis 1988 das Literaturressort der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» leitete und später in der ZDF-Reihe «Das literarische Quartett» für Aufsehen sorgte, als «Mann des Urteils».

Aber das Lebenswerk des 87-Jährigen sei nicht allein die «Summe aus wortgewaltigen Lobreden und Verrissen», sondern Reich- Ranicki «lebt Kultur» und wolle andere Menschen daran teilhaben lassen. Die Zeit sei reif, diese «Ikone des Feuilletons» zu ehren.

Reich-Ranicki als Höhepunkt der Gala

Reich-Ranicki bekannte, dass er schon viele Reden über sich gehört habe, «aber keine hat das Wesen meiner Arbeit so in Worte gefasst wie diese heute». «Ja, meine Frau und ich haben dank der Literatur, dank der Poesie, dank der Musik überlebt», sagte der in Polen geborene Mann jüdischer Abstammung, der das Warschauer Ghetto überlebte. Der Auftritt Reich-Ranickis war der Höhepunkt der von «Tagesthemen»- Moderatorin Caren Miosga präsentierten Gala, durch die sich das Requisit Zeitung als roter Faden zog - vom Zeitungskiosk bis hin zur Zeitung, mit der sich Schauspieler Mario Adorf als Clochard zudeckte.

In der Königsdisziplin «Beste Reportage (Egon Erwin Kisch-Preis)» siegte Sabine Rückert mit einem Beitrag für das «Zeit Magazin Leben». Unter dem Titel «Wie das Böse nach Tessin kam» hatte sie über den Doppelmord eines 17-jährigen Gymnasiasten, der im mecklenburgischen Dorf Tessin ein Ehepaar aus der Nachbarschaft niederstach, geschrieben. Die Autorin sei «wie beim Zwiebelschälen» von der «äußeren Idylle gleichsam der inneren Wahrheit» nahegekommen. Die Gerichts- und Kriminalreporterin selbst berichtete: «Es war die erste Reportage in meinem Leben, die mich nicht hat schlafen lassen.»

Preis auch für «Spiegel»-Journalisten

Der Preis für die «Beste investigative Leistung» ging an ein Team von «Spiegel»-Journalisten»: Die Journalisten wiesen nach, dass auch im Radrenn-Team der deutschen Telekom verbotene Doping-Mittel verwendet wurden. Die Jury würdigte die Leistung der Journalisten Udo Ludwig, Matthias Geyer, Lothar Gorris und Detlef Hacke, trotz drohender Anzeigen-Stornierung und dem damit verbundenen massiven wirtschaftlichen Druck die Recherchen fortzusetzen.

Die irakische Journalistin Zainab Ahmed wurde für ihre Verdienste um die Pressefreiheit ausgezeichnet. Der Fotograf Lu Guang erhielt die Ehrung für seine in der Zeitschrift «Geo» erschienene Reportage «Der schwarze Riese» über die boomende Kohleregion Wuhai in China. Ebenfalls in «Geo» erschien der preisgekrönte Beitrag «Kampf bis zum letzten Fisch» von Lars Abromeit, Katja Trippel und Torsten Hampel («Dokumentation»). In der Kategorie «Herausragende humorvolle Berichterstattung» gewann Harald Martenstein mit seiner wöchentlichen Kolumne im «Zeit Magazin Leben».

Für den zum vierten Mal verliehenen Preis, der an «Stern»-Gründer Henri Nannen erinnern soll und mit insgesamt 30.000 Euro dotiert ist, wurden 830 Arbeiten eingereicht. G+J-Vorstandsvorsitzender Bernd Kundrun: «Die große Zahl an Einsendungen ist ein Indiz dafür, dass auch in einer Zeit des dramatischen Wandels der Medienlandschaft, des Häppchen-Journalismus und der elektronischen Stakkato-Meldung hohe journalistische Qualität nicht verkümmert, ja vielleicht sogar als Reaktion von den Besten mehr gepflegt wird denn je.» (Von Dorit Koch, dpa)

 
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