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Überprüfung auf Stasi-Einfluss: 

«Berliner Kurier» arbeitet Vergangenheit auf

09. Mai 18:46
Wer etwas über die Stasi wissen will, muss viele Akten lesen
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Nun also auch der «Berliner Kurier». Auf den Ex-Personalchef des Berliner Verlags kommt einiges an Arbeit zu. Er und sein Forscherteam überprüfen das Boulevardblatt auf Stasi-Einfluss. Dies tun sie bereits bei der «Berliner Zeitung».

Nach der «Berliner Zeitung» lässt sich nun auch der «Berliner Kurier» auf mögliche personelle Verbindungen zum Staatsicherheitsdienst der DDR (Stasi) überprüfen. Die Boulevardzeitung entstand 1990 aus dem ehemaligen SED-Blatt «BZ am Abend». Nur sehr wenige Redakteure blieben auch über die Wende hinaus dabei.

Für Chefredakteur Hans-Peter Buschheuer ist die geplante Überprüfung ein «längst überfälliger Beitrag zur Aufklärung der Verbindungen zwischen der Stasi und der damaligen Redaktion.»

Genau wie schon im Fall der «Berliner Zeitung», die wie der «Kurier» zum Berliner Verlag gehört, soll der frühere Verlags-Personalchef Johannes Weberling die Forschungsgruppe leiten. Zu seinem Team gehören Giselher Spitzer und Wolfgang Stock, sie sind Mitglieder der Arbeitsgruppe «Aufarbeitung und Recht» der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder.

Bis zum Spätsommer wollen die Forscher Ergebnisse ihrer Untersuchung vorlegen. Buschheuer betont: «Wir stellen damit die Integrität der heutigen Redaktion unter Beweis und werden - falls nötig - Konsequenzen aus personellen Kontinuitäten ziehen.»

Bei der «Berliner Zeitung» hatten jüngst zwei Redakteure in leitenden Funktionen zugegeben, jeweils mehrere Jahre für die Stasi als Spitzel im Einsatz gewesen zu sein.

Freiwilligkeit nötig

Die Forschungsgruppe ist bei beiden Zeitungen darauf angewiesen, dass die Mitarbeiter sich freiwillig an der Aufarbeitung der Vergangenheit beteiligen. Entsprechend dem Stasi-Unterlagen-Gesetz können die Redakteure sowohl der «Berliner Zeitung» als auch des «Kurier» nicht dazu gezwungen werden, Akten offen zu legen. Weberling und sein Team können den Einfluss der Stasi bis zur Wende wissenschaftlich untersuchen und dafür Akten damaliger Mitarbeiter anfordern – für die Zeit danach gilt dieser spezielle Forschungsauftrag nicht mehr, denn mit dem Ende der DDR kam auch das Ende der Staatssicherheit.

Die große Mehrheit der «Berliner Zeitung»-Mitarbeiter hat angekündigt, die eigenen Akten bei der Birthler-Behörde anfordern zu wollen. Er sei zuversichtlich, dass ähnliches auch beim «Berliner Kurier» klappen werde, sagte Chefredakteur Buschheuer.

Johannes Weberling lobte den Willen des «Kurier» zur Aufarbeitung als «vorbildlich» und «beispielhaft für hoffentlich zahlreiche weitere ostdeutsche Tageszeitungen».(nz)

 
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