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Leserbriefe im Juni 2005

30. Jun 2005 13:29
Ihre Meinung zu aktuellen Themen

Rainer Gravert
30. Juni 2005, 12:02
Betr. Schriftsteller gegen Linksbündnis
Dass Künstler politisch Stellung beziehen, ist ja eine eher ehrenwerte Tat, die in der heutigen, zynischen Spasskultur etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint. Aber die ewige Kadavertreue der genannten Künstler zur SPD ist doch eher traurig anzusehen. Es zeigt aber auch, wie biegsam die politischen Positionen, auch auf dieser Seite der Gesellschaft, sind. Vollends ärgerlich wird es dann, wenn die Herren die vielfach auch durch die Springer-Presse bis zum Erbrechen kolportierten Diffamierungen der PDS und Oskar Lafontaines einfach nur ein weiteres Mal stumpf nachblöken. Haben Herr Gras und Co. in ihrer gut gesicherten Existenz etwa aus den Augen verloren, dass die SPD auch nur einer Umverteilung von unten nach oben den Anschein einer Rechtmässigkeit gegeben hat? «Dazu gibt es keine Alternative» wird mantramässig immer wieder wiederholt. Dazu wird, zumindest in Ansätzen, bei der neuen Linkspartei nach neuen Lösungsansätzen geforscht. Dafür gibt es große Zustimmung in der Bevölkerung. Bei aller Sympathie für die «neue» Partei: Diese betrachtet die Organisation der Gesellschaft wieder nur aus ökonomischer Sichtweise und kümmert sich um die Entwicklung neuer Perspektiven, geschweige denn Visionen, herzlich wenig - was mich am Ende dann doch wieder bedenklich stimmt.

Stefan Herre
28. Juni 2005, 10:16
Betr. Washington-Besuch von Schröder
Man muss schon ein sehr großer Optimist oder einfach blauäugig sein, um die Bemerkung von US-Präsident George W. Bush, er lehne grundsätzlich keinen Bewerber um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat ab, so zu interpretieren, als ob die harte amerikanische Haltung gegen einen deutschen Sitz «aufgeweicht» sei. Auch die Scherzchen und Witzchen während der Pressekonferenz sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die USA, sollte es zu einer Reformation der Vereinten Nationen kommen, nach wie vor einzig und allein Japan beim Bestreben um einen Sitz im Weltsicherheitsrat unterstützen würden. Die fehlende Ernsthaftigkeit der Gespräche machte vielmehr deutlich, dass die Amerikaner Schröder zu Recht nicht mal mehr als «lame duck» betrachten. Kann es für einen deutschen Bundeskanzler eine größere außenpolitische Abfuhr geben?

David Trilling
27. Juni 2005, 19:59
Betr. Fragen an den Autopapst
Ich wollte nur einmal mein Lob aussprechen, dass man in der heutigen Zeit noch nützliche Informationen auch kostenlos bekommmen kann. Und dies auch noch von offensichtlichen Fachleuten. Danke dafür! Alleine das Lesen der Beiträge hat mir geholfen.

Olaf Mittelstädt
24. Juni 2005, 09:55
Betr. Zahl der Arbeitslosen sinkt leicht
Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man sich den Bauch halten. Für wie doof wird der Durchschnittsdeutsche eigentlich gehalten? So eine Aussage kann nur verbreitet werden, weil der Großteil der Bevölkerung nicht mehr ausreichend informiert wird und die Mehrheit der Journalisten anscheinend ihren Job nicht mehr tut. Anfang Juni ist ein Brief von Clement an die ARGEn gegangen, in dem zur Gründung von Aktionsgruppen innerhalb der Agentur für Arbeit aufgerufen wurde. Weiter wurde mehr unverblümt dazu aufgefordert, diese Aktionsgruppen sollten den Stellenlosen ihren Verbleib in der AfA so ungemütlich wie möglich machen. Zudem wurden große Pakete zur Schikane von stellenlosen Akademikern bereit gestellt, die in Maßnahmen zur Selbstwertsenkung verpflichtet wurden. Inhalt: 4 Monat Theorie, 3 Monate Praxis. In dieser Zeit solle man lernen, sich in Zukunft flexibel am Arbeitsmarkt zu bewegen und auch Tätigkeiten unter dem eigenen Niveau anzunehmen. Nur seltsam, dass die Vermittlungsquote unter Akademikern von jeher eine der höchsten ist. Diese Aktionen liefen in der zweiten Juni Woche an. Zusätzlich wurde in dem Brief mitgeteilt, gerade die Bezieher von kleinen Beträgen zum Unterhalt sollten mittels einzustellendem Personal ausspioniert werden, um deren Verbleib im Leistungsbezug möglichst zu beenden.

Hans-Joachim Hesse
13. Juni 200, 14:19
Betr. Fragen an den Autopapst
Lieber Herr Keßler, vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich werde - zur Sicherheit - den Thermo-Schalter des Kühlerventilators wechseln lassen. Noch ein Lob: Ihr Stil und die mitunter ungewöhnlichen Lösungs-Ansätze für die geschilderten Probleme gefallen mir.

Hannelore Stolberg
9. Juni 2005, 16:10
Betr. Rechtschreibreform
So macht man das also (in der Politik)! Man veruntreut Steuergelder für eine überflüssige sogenannte Reform, setzt zwar eine Übergangsfrist an, hat aber keinerlei Absicht, berechtigte Kritik am Reformwerk je zu berücksichtigen. Wenn es so schlimm kommt wie jetzt, dass man an einer Überarbeitung nicht mehr vorbeikommt, dann bestimmt man ganz schnell, welcher Teil «unstrittig» genannt werden soll - als ob es den gäbe - argumentiert mit der Dauer des (falschen) Unterrichtes an den Schulen und vergeigt auch noch die Chance, die «Verbindlichkeit» auszusetzen. Eine Handvoll unfähiger Sprachwissenschaftler darf doch nicht durch Unterstützung von unfähigen Politikern in der Lage sein, etwas so gut Fundiertes wie die Schriftsprache per Dekret zu verschlimmbessern?

Stephanie Sellier
7. Juni 2005, 12:09
Betr. Papst nennt Homo-Ehe anarchistisch
Köstlich. Nur ein Eheloser wie Joseph Ratzinger kann Lebenspartnerschaften für einen möglichen Ausdruck «anarchischer Freiheit» halten. Wer größtmögliche persönliche Freiheit will, bleibt Single und amüsiert sich. Ehen - auch homosexuelle Lebenspartnerschaften - beinhalten in erster Linie Verpflichtungen. Im Falle der eingetragenen Lebenspartnerschaften in Deutschland ist es sogar so, dass die gegenseitigen Pflichten der Partner ihre Rechte deutlich übersteigen. Wieso greift die Presse in ihren Überschriften eigentlich immer ausgerechnet das Homo-Bashing des Papstes auf und nicht sein Wettern gegen Verhütung, Abtreibung, Ehen auf Probe etc.? Weil sie immer noch auf insgeheime homophobe Reflexe in einer liberalisierten Bevölkerung setzen kann, die sich ihrerseits nicht gerne vom Papst hineinreden lässt.

 
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