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Leserbriefe im Mai 2005

25. Mai 2005 15:57, ergänzt 31. Mai 2005 16:29
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Stefan Herre
31. Mai 2005, 11:38
Betr. Nominierung von Merkel
Die Tatsache, dass Angela Merkel laut Umfragen Gerhard Schröder nun auch in den Persönlichkeitswerten überholt hat, zeugt davon, dass die Menschen die Art und Weise, wie Schröder sich und seine Politik jahrelang «verkaufte», satt haben. Die Bürger wollen keinen Bundeskanzler mehr, der durch PR-Gags und medial inszenierte Auftritte von den eigentlichen Problemen des Landes ablenkt. Sie wollen keinen Bundeskanzler, dem seine «nicht-gefärbten» Haare, sein Hund «Holly», seine zwei Ostcousinen wichtiger sind, als die Senkung der Massenarbeitslosigkeit und die Lockerung der verkrusteten Strukturen hierzulande in Angriff zu nehmen. Sie wollen keinen Bundeskanzler mehr, der beim Elbe-Hochwasser «moralisch tief bewegt» und stirnrunzelnd in Gummistiefeln über die Deiche wandert, aber der wirtschafts- und finanzpolitisch beim Aufbau der neuen Länder auf ganzer Linie versagt hat. Was nützt den Menschen der Schein, wenn der Inhalt nicht stimmt? Schröders Entkleidung ist Merkels Chance. Sie hat sich - im Gegensatz zu Schröder - nie populistisch bemüht, als Sympathieträgerin «gut rüberzukommen», sondern hat ihren Schwerpunkt auf die Vermittlung der programmatischen Visionen ihrer Politik ausgerichtet. Ihr kommt jetzt plötzlich zugute, was ihr jahrelang vorgeworfen wurde - man erinnere sich nur an das fortwährende Sich-lustig-machen der Presse über ihre «unmoderne» Frisur. Noch einmal: Was nützt den Menschen der Schein, wenn der Inhalt nicht stimmt? Das haben die Deutschen nach sieben langen Jahren der schröderschen Augenverdreherei endlich begriffen und genau deshalb wird Angela Merkel im Herbst Gerhard Schröder im Bundeskanzleramt ablösen.

Johann Schulenburg
30.Mai 2005, 15:55
Betr. Die Franzosen lassen Europa im Stich
Vorweg: Ich bedaure das französische «Non» zutiefst, denn es ist meiner Meinung nach ein herber Rückschlag für den europäischen Einigungsprozess. Jedoch ist die Entscheidung die eines souveränen Volkes und als solche zunächst einmal – vorausgesetzt man betrachtet sich als Demokraten – zu respektieren. Keinesfalls bietet sie zudem Anlass dazu, längst vergessen geglaubte antifranzösische Ressentiments aus der Schublade zu holen und außenpolitisches Porzellan zu zerschlagen. Aber nun zu Herrn Kerbers Beitrag: «Winston Churchill war außer sich, als dasselbe Frankreich, welches kurz zuvor geschworen hatte, mit ihm gegen Nazi-Deutschland zu kämpfen, 1940 nicht nur elegant kapitulierte, sondern sang- und klanglos mit den deutschen Okkupanten gemeinsame Sache machte. Fügt sich das jetzige Verhalten zu einem charakterlichen Gesamtbild der Großen Nation?» Es ist schon eine an Dreistigkeit kaum zu überbietende, populistische Unterstellung, am Tag nach einem demokratischen Referendum in einem Land, welches sich anders als der damalige Okkupant niemals auf totalitäre Abwege begeben hat, einen Bogen vom Vichy-Regime zur Gegenwart zu schlagen (dabei natürlich die französische Résistance elegant zu unterschlagen) und dann auch noch in bester xenophober Manier auf einen angeblichen Nationalcharakter abzuheben. Was ließe sich denn dann wohl über den deutschen Nationalcharakter alles sagen (speziell, wenn Rechtsextreme mal wieder drohen, in Berlin zu demonstrieren)? Und was ist mit den 45 Prozent der Franzosen, die «Oui» gesagt haben – alles keine echten Franzosen oder nur zu dumm auf ihren wahren Charakter zu hören? Aber es kommt ja noch viel besser: «Wann wird die deutsche Politik begreifen wollen, wie gefährlich die Liaison mit Frankreich ist und nach anderen Optionen suchen?» Was der angebliche Europaexperte Markus C. Kerber anscheinend vergessen hat, ist die ursprüngliche Idee, die der heutigen Europäischen Union und damit dem Frieden in Europa zugrunde liegt: die damals visionäre Einsicht (zweier Franzosen wohlgemerkt: Jean Monnet und Robert Schuman), dass nur eine deutsch-französische Liaison – angefangen bei den notwendigen Rohstoffen damaliger Kriegsindustrien – einen Ausweg aus dem Teufelskreis von Nationalismus, Völkerhass und Krieg darstellt. Alles andere als eine Liaison mit Frankreich war und ist gefährlich! Und paradoxerweise macht es gerade die Vergesslichkeit oder das Nichtwissen, welche(s) Herr Kerber an den Tag legt, so gefährlich.

Christian Storch
30. Mai 2005, 14:59
Betr. Europa ist nicht am Ende...
Es ist schön zu lesen, dass die Welt nicht zusammenbricht. Dass die Katastrophe, auf die wir schon so lange hinleben, einfach nicht eintreffen will - weil es immer weiter geht. Und weil Dissonanzen und Konflikte zu einer lebhaften Demokratie dazugehören, ohne dass diese gleich in Gefahr gerät.
Frankreich hat Nein gesagt - vermutlich war diese Wahl eher ein Denkzettel für Chirac (so wie einige NPD-Wähler in Sachsen Denkzettel verteilt haben). Dass der französische Präsident nicht zurücktritt, ist in der Tat ein Fauxpas. Diese Haltung halte ich für wesentlich gefährlicher als die demokratische Äußerung des Volkswillens.

Tim Gerdes
30. Mai 2005, 14:09
Betr. Die Franzosen lassen Europa im Stich
Endlich! Das musste ja mal gesagt werden! Die Franzosen stimmen gegen die EU Verfassung, und messerscharf schließt Herr Kerber auf die Gründe. Inhaltliche Ressentiments gegen die Verfassung? Überdruss der Regelitis aus Brüssel, eingeschlossen Hygieneverordnungen, die eigentlich jeden vernünftigen Menschen aus der EU treiben müssten? Ein Denkzettel für die ewigen Demokratiedefizite, derer sich Brüssel zu bedienen scheint, um jeglichen Einfluss von Bürgern auf den Einigungsprozess von vornherein zu unterbinden? Oder die Doppelzüngigkeit nationaler Politiker und insbesondere der Staatschefs wie Herr Schröder, die in Europa die europäische Karte zu spielen scheinen, aber daheim beim Umsetzen der Verordnungen von plötzlicher Amnesie befallen zu sein scheinen. Mitnichten! Herr Kerber kennt den Grund: Die Franzosen sind ein unzuverlässiges Pack, nicht nur der Erzfeind der Deutschen, nein: der Erzfeind Europas! Das können schon die Briten aus Erfahrungen im 2. Weltkrieg bezeugen! Mannoman, was können die Briten, Franzosen, Jugoslaven Tschechen und insbesondere Polen über Deutschland aus dem 2. Weltkrieg bezeugen. Die dürften gar nicht mehr mit uns reden und müssten sich anstatt dessen vor uns Verstecken aus Angst, wir würden sie umbringen oder wenigstens versklaven. Das ist ja auch eine Unverschämtheit, ein wirklich nicht unumstrittenes Regelwerk zurückzuweisen. Was schreibt Herr Kerber eigentlich, wenn die Niederländer auch dagegen stimmen? Dass der Holländer an sich nicht europafähig ist? Im übrigen glaube ich nicht, dass gerade die Franzosen aus Deutschland Demokratienachhilfe brauchen. Deren Tradition - und im Gegensatz zu den Vorurteilstiraden des Herrn Autor ist das eine, die man im Sinne historischer Kontinuität als Argument verwenden kann - ist etwas länger als die unsere.

Frank Dohrmann
24. Mai 2005, 12:02
Betr. Neuwahlen
Nun bekommen wir Neuwahlen - mal etwas anderes. Die große Frage liegt im Folgenden: Wen kann man überhaupt noch guten Gewissens wählen? Stoiber, Westerwelle, Merkel, Schröder, Fischer? Die erzählen uns doch seit Jahren den gleichen Stuss, einer ist mal schwul und mal nicht, der andere ist mal Revoluzzer und mal nicht - es interessiert eh' keinen mehr. Pleiten, Pech und Pannen machen unser Leben seit eh' und je nicht ganz so trist. Alle versprechen oder besser lügen wider besseren Wissens schamlos das Blaue vom Himmel herunter, es ändert sich nichts außer der permanent wachsenden Neuverschuldung, außer ständigen Steuer- und Abgabenerhöhungen für den Bürger, es gibt neue haste-vorher-nich-gesehene Steuern auf Steuern (bspw. Öko-Steuer) und es gibt mühsam durchgefochtenen aber zumindest todsicheren Abbau von Sozialleistungen. Manchmal wünscht man sich, daß der altgewachsene Klüngelpütz einfach hinweggerafft wird, damit neue bessere Ideen und Personen endlich mal eine Chance bekommen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen und nicht immer wieder die Chance haben, mit immer neuen und dennoch abgedroschenen Phrasen nur darüber hochtrabend zu philosophieren.

H. Sassen
23. Mai 2005, 11:38
Betr. Koch: Entscheidung für Merkel ist gefallen
Ist Koch Präsidiumsmitglied? Gratulation zum Sieg in NRW. Ich halte Merkel für das Amt des Kanzlers nicht für eine gute Personalie. Die Dame hat ihre Verdienste. Aber eine Repräsentationsfigur für diesen Staat ist es nicht. Die CDU möge sich das gründlichst überlegen. Wir brauchen Führungspersönlichkeiten, Überzeugungstäter und Repräsentationsfiguren mit Geist und Wissen. Und keine Quotenlösung.

Jaromil Meyer
23. Mai 2005, 02:02
Betr. Wolffsohn: «Die 68er beim Marsch aus den Institutionen»
Ich bin erstaunt, dass Sie einen Kommentar wie den von Michael Wolffsohn abdrucken. Über Politik lässt sich trefflich streiten und über die von Rot-Grün allemal. Aber Kommentare dieses Niveaus hätte ich nicht von einem Professor erwartet - und wenn ein vor allem (ja beinahe ausschließlich) auf seine Medienwirkung bedachter Gelehrter sich auf ein so niedriges Niveau begibt, dann hätte ich nicht erwartet, dass Ihre Internet-Publikation solches abdruckt, sondern bestenfalls die Bildzeitung. Aber offenbar leben wir in einer Zeit, in der jeder und alles gedruckt wird. Hauptsache, es ist plakativ genug - und verhindert möglichst jedes Selbstdenken.

D. Brodbeck
22. Mai 2005, 19:55
Betr. Logo der BA
Die neuerliche Fassadenrenovierung der BA kann man nur mit Kopfschütteln betrachten. Vor allem die Diskussion zu den tatsächlichen Kosten zeigen, wie wirklichkeitsfern diese Beamten sind. Mal abgesehen davon, dass es einfach ein Witz ist, 100.000 Euro für die Entwicklung eines Logos zu bezahlen, ist es für jeden Arbeitssuchenden ein Affront. Ich möchte nicht wissen, wem hier mal wieder auf dem kleinen Dienstweg ein «Gefälligkeitsauftrag» zukam. Ich möchte das Unternehmen sehen, welches in der jetzigen Wettbewerbssituation 100.000 Euro für ein Logo investiert. Manchmal glaube ich, dass die Beamten einfach vergessen haben, dass sie fremdes Geld verwalten. Die BA sollte sich lieber ein Beispiel an England nehmen und das Geld in die Ausbildung und vorallem Optimierung der eigenen Mitarbeiter investieren.

Lutz Krahnefeld
22. Mai 2005, 13:53
Betr. Eurovision Grand Prix
Ich kannte den deutschen Beitrag vorher nicht. Aber was ich gestern von Gracia gesehen habe, war einfach nur peinlich. Dafür sind selbst 4 Punkte noch zu viel Im übrigen war das Niveau der Beiträge insgesamt keinesfalls hoch, sondern nur im grauen Mittelfeld recht ausgeglichen, gerade mit den beiden Vorjahren überhaupt nicht zu vergleichen. Nur ein einziger Titel erfüllte einigermaßen die Anforderungen an einen Grand-Prix-Sieger, und der hat Gott sei Dank auch gewonnen. Klar ist aber, daß er in den beiden Jahren davor nur etwa Fünfter geworden wäre.

Peter Helbing
20. Mai 2005, 20:01
Betr. Mainhardt Graf von Nayhauß über Herrn Thierse
Erinnert mich irgendwie an einen Herrn Lübke, einfach schmunzeln. Beste deutsche BRD-Tradition.

 
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