Leserbriefe zum Streit um die Rechtschreibreform
06. Aug 2004 15:02, ergänzt 16:54
Alle Zeitungen der Axel Springer AG und des Spiegel-Verlag kehren zur alten Rechtschreibung zurück - Print wie Online. Ihre Meinung zum Thema.
Peter Maser, 11.08.2004, 16:52 Uhr
Offensichtlich werden Leserbriefe gegen die Schlechtschreibreform hier systematisch unterdrückt. Aber trotzdem: Aber auch die NETZEITUNG wird es begreifen müssen: Die Diktate ideolgiebesessener Kultusbürokraten gehören in den Müll der Geschichte. Die Behauptung, bei der Schlechtschreibreform handele es sich um einen «demokratischen Prozeß», ist eine Frechheit. Auch die NETZEITUNG wird orthographisch umdenken müssen.
Hildegard Pöllmann, 10.08.2004, 20:41 Uhr
Dass «Bild»ein Thema für das Sommerloch benötigt, ist mir klar ,es werden sich viele aufregen, die evt.der «alten Rechtschreibung » nur eingeschränkt mächtig sind und denen vielleicht die «Neue Rechtschreibung » sehr behilflich wäre.Aber als Abonnent des Spiegels bin ich entsetzt. Flüssige Rechtschreibung benutzt jemand leicht, der permanent z.B. «Den Spiegel» liest, grins Die Spiegel Redakteure wollen in Zukunft also radfahren und wenn es schnell gehen soll, werden sie lieber Auto fahren, laut lach Meinen Enkelkindern kann ich in Zukunft «den Spiegel» nicht empfehlen wie ich es mit meinen Kinder tat. Sie könnten sich falsche Wortbilder einprägen, also Spiegelverbot ? Irre
Klaus Schübel, 10.08.2004, 15:32 Uhr
In der Bild-Zeitung lese ich etwas von einer Rückkehr zur klassischen Rechtschreibung. Was ist das? Die Rechtschreibung aus der Zeit Goethes und Schillers, die durch die Rechtschreibreform von 1880 ersetzt wurde? Marcel Reich-Ranicki fordert eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung und will gleichzeitig das „ß“ vollständig abschaffen. Wer folgt ihm? Die SZ wiederum will nur in großen Teilen zur alten Rechtschreibung zurückkehren. Welche Teile das sind, will sie erst im Oktober verkünden.Müssen wir jetzt bald erleben, dass jede Zeitung ihre höchst eigene Lieblingsrechtschreibung entwickelt? Ist das der Beitrag der Zeitungen, um ein angebliches Orthografiechaos zu beseitigen? Bei diesem Orthografiechaos kann es sich wohl nur um ein so genanntes „gefühltes Chaos“ gehandelt haben, denn ein tatsächliches Chaos habe ich nirgends erlebt. Aufgrund der Entscheidung der Verlage wird es jetzt aber mit Sicherheit eintreten.
Klaus Schübel, Weilheim
Jens Marquardt , 09.08.2004, 17:14 Uhr
Wie heißt es doch immer so schön: „Zwar haben wir mit der Vergangenheit abgeschlossen, aber die Vergangenheit noch lange nicht mit uns.“; und so passiert es denn auch urplötzlich eines wunderlichen Sommertages in good old Germany, an dem wir uns mit einer eigentlich zur alltäglich gewordenen Banalität herumplagen müssen, nämlich der ach so viel gerügten Rechtschreibreform, einer 1998 im Grunde per Urteil des Bundesverfassungsgerichts ad acta gelegte Thematik, welche uns nichtsdestotrotz noch geraume Zeit zu beschäftigen im Stande sein wird. So faselt ein Schüler daher, welcher sich nach gerade einmal zehn Tagen Urlaubsabstinenz zurück in heimischen Gefilden verwundert die Augen reibt, aufgrund einer nicht gerade von der Hand zuweisenden Impression, dass nämlich die früher so hoch geschätzten, ja geradezu verehrten und nun offensichtlich verrückt gewordenen SPIEGEL-Redakteure dies herrlich warme Sommerloch für ihr illustres Sommertheater, bzw. eine brillant inszenierte Medienente nutzen. Doch dem war und ist leider ganz und gar nicht so. Denn was derzeit in Deutschland geschieht, ist bitterböse Realität, ein heilloses Durcheinander, das reinste Chaos, eine einzige Katastrophe. Unvermeidbar drängt sich da die Frage auf, was, respektive wer um alles in der Welt diesen geschätzten Spiegel- und Springer-Kollegen dazu genötigt haben kann, eine in deutschen Schulen und Medien seit nun mehr als 6 Jahren gängige Praxis faktisch im Alleingang zu boykottieren, ohne dabei auf eine Art gesellschaftlichen Konsens hinzuarbeiten, welcher von eben diesen konspirativen Kräften zuvor immer wieder gefordert wurde, bevor man sich dann wohl in sein stilles Kämmerchen zurückzog, um in guter alter Koboldmanier an einen wahnwitzigen Geheimplan zu schmieden, welcher die gesamte Nation spalten, deren Bürger zur Verzweiflung treiben und die Politiker ins Wanken bringen sollte. Und tatsächlich, der Plan ging auf, die Katze, nein vielmehr ein bestialisches, vor Übereifer nur so strotzend Urgetier wurde mit einem verschmitzten Lächeln aus dem Sack gelassen, um letztendlich ganz Deutschland in eine wohl noch einige Zeit andauernde Phase akuten Schockzustandes zu versetzen. Ein Politikum erster Klasse, keine Frage; und doch bleibt die sonst so wankelmütige politische Elite dieses Landes standfest, lassen sich doch tatsächlich nur wenige Politiker von den schwach glimmenden Irrlichtern von „SPIEGEL“ und dem Springerverlag zurück in eine düstere Vergangenheit verführen. Bleibt letztendlich eigentlich nur noch die Suche nach dem Kern dieser ganzen Chose, nach der Quintessenz eines journalistischen Aufstandes, dessen Initiatoren, gepackt von ihrem eigenen viel zu großem Ego, sowie voll gepumpt mit gnadenloser Arroganz und Engstirnigkeit, so unverkennbar uneinsichtig nach Veränderungen geradezu revolutionären Ausmaßes trachten. Unverschämt, widerlich, schlicht und einfach der Tiefpunkt einer ohnehin in Deutschland arg gebeutelten journalistischen Kultur. Doch zurück zum „Warum?“.Beginnen wir unsere Suche nach einer Antwort ganz einfach auf der klassischen, rein platonisch-rationalistischen Ebene, so müssen wir diese Untersuchung bereits nach kurzer Zeit ohne zufrieden stellendes Ergebnis wieder für gescheitert erklären. Denn: Nachdem eine internationale Kommission ein ganzen Jahrzehnt lang an der seit dem 1.8.1998 geltenden Rechtschreibreform bastelte und endlich mit längst überholten, völlig stupiden Regelungen aufräumte (An dieser Stelle sei nur an: „Trenne niemals s und t, denn es tut den beiden weh!“, erinnert.), konnte man schließlich ein, wenngleich lückenhaftes und sicherlich an der ein oder anderen Stelle noch etwas unklares (Joghurt oder Jogurt, beides ist möglich ) Gesamtkonzept präsentieren. Darüber hinaus muss es doch auch jedem Menschen einleuchten, dass die Sprache als Medium der Kommunikation als ein progressiv fließender, multivalenter und ständig den gesellschaftspolitischen soziokulturellen Veränderungen unterworfener Prozess angesehen werden muss, und nicht – wie es sich BILD und Co. scheinbar vorstellen – als ein vollkommen starres, alle äußeren Veränderungen überdauerndes, unveränderliches Konstrukt. Denn wäre dem tatsächlich so, lebten wir noch heute im teutschen Mittelalter. Des Weiteren beruft sich „Der Spiegel“ (in Persona seines Chefredakteurs) argumentativ außerdem auf die geradezu ritterlich-edle Intention des Ganzen; wolle man doch dem komplett chaotischen Wischiwaschi-Deutsch und der daraus resultierenden Verunsicherung vor allem der jüngeren Generation ein Ende bereiten. Danke dafür. Problematisch wird die ganze Sache nur, wenn die anfangs sicherlich auch recht skeptischen und nicht minder verunsicherten Schülerinnen und Schüler im Großen und Ganzen ganz prima mit den neuen Regeln zurechtkommen; ein Faktum, welches einigen hochnäsigen, rückwärtsgewandten Redakteuren jedoch eher weniger zu interessieren scheint. Eine regelrechte Farce, wenn Schulkinder etwas völlig anderes in Magazinen und Zeitungen lesen müssen, als man es ihnen in Schulen beizubringen versucht. Ein Hoch auf die Spiegel-Springer-Connection.
Diese Suche artet nun so langsam in einer frustrierenden Ermüdung aus, aber eine klitzekleine Legitimationschance bietet sich ja noch, nämlich auf der psychisch-emotionalen Ebene, welche zu inspizieren als durchaus lohnenswert erscheint. Also los: „Über 60 Prozent der deutschen Bevölkerung lehnen die Rechtschreibreform kategorisch ab!“ Heureka! Endlich am Kern des Ganzen angelangt, wird dem geneigten Leser nun so einiges klar. Denn: 60 Prozent sind nach Adam Riese bekanntlich weit mehr als die Hälfte, ergo repräsentieren diese 60 Prozent eine eindeutige Mehrheit der deutschen Bevölkerung und gleichzeitig eine riesige potentielle Leserschaft, ergo entschließen sich SPIEGEL und Springer dazu, mit der Masse zu gehen, durch ein verbessertes “Volksimage” dies neue Kundenpotential auszuschöpfen, um weiterhin auf einem gnadenlos umkämpften Medienmarkt bestehen zu können. „Das also war des Pudels Kern!“, echauffierte sich bereits Goethes Faust vor fast 180 Jahren; und die scheinheilige Argumentation der sich populistisch zu althergebrachten Rechtschreiregeln zurückkehrenden Verlagsgruppen erscheint heutzutage nicht minder ärgerlich.
Ernüchternd, ermüdend, erfolglos. Resümierend ist bleibt der Versuch einer wahren Legitimation der Rückkehr zur alten Rechtschreibung ein unmögliches Unterfangen. Große Teile der Bevölkerung sind sich dessen inzwischen bewusst, sogar Politik und Sprachforschung argumentieren unisono und auch das Bundesverfassungsgericht gelangte nicht zuletzt bereits vor einigen Jahren zu eben dieser Ansicht. Nur einige wenige, unbelehrbare journalistische Starrköpfe verschließen ganz fest die Augen, um sich in die dunkelste Ecke der Vergangenheit zu verkriechen, da sie das helle Licht der Gegenwart, so scheint es, nicht mehr ertragen. Schade eigentlich.
Was bleibt, ist ein stoisches, nicht weichen wollendes „WARUM?“, dessen rationale Beantwortung bereits aufgrund einer irrationalen Handlung, sprich der Wiedereinführung längst überwundener Rechtschreibregeln, einiger dickköpfiger Verlagschefs und Chefredakteure schlicht und ergreifend zum Scheitern verurteilt ist. Andererseits bleibt natürlich zu hoffen, dass die nun losgetretene Debatte zu einer konstruktiven Vereinheitlichung und Weiterentwicklung der deutschen Sprache führt, steht es doch außer Frage, dass zahlreiche sinnlose Doppeldeutigkeiten, Ausnahmen usw. in der aktuellen Rechtschreibung noch immer existieren, welche eine konstruktive Kritik durchaus legitimieren.
Bleibt zum Abschluss eigentlich nur noch der leise Appell an die Vernunft und den Willen, einen alle Seiten zufrieden stellenden Kompromiss zu finden; denn wie sprach bereits vor mehr als 200 Jahren der deutschen Vordenker und hochgeschätzte Philosoph Immanuel Kant: „Es ist niemals zu spät, vernünftig und weise zu werden.“
Jens Marquardt, Berlin
Petra Buchwaldt, 09.08.2004, 13:33 Uhr
Zu allererst möchte ich mich sehr herzlich für ihr informatives Nachrichtenangebot bedanken. Ihre Netzeitung gehört zu meiner täglichen Onlinelektüre.Zum Thema Rechtschreibung. Ich bin auch ein Gegner dieser neuen Rechtschreibregeln und das von Anfang an. Leider wurde das Volk schon damals nicht gefragt. Heute braucht es nicht mehr gefragt zu werden, weil die ganze Sache schon verfahren ist. Warum ist man damals 1998 nicht auf die Barrikaden gegangen und hat dagegen demonstriert. Einige haben es getan, warum nicht die großen Zeitungsverlage etc. Es sitzen dort Profis an der Textbasis. Wo blieb der Schriftstellerverband? Die Leid tragenden sind die Kinder. Wie soll da ein richtiges Diktat zustande kommen, wo die Deutschlehrer so strenge Bewertungen haben. Unsere deutsche Sprache im Wort hatte immer eine Ästhetik. Mit den neuen Schreibweisen sehen die Wörter einfach schlampig aus. So würde ich es nennen. Die Anreden werden klein geschrieben, dabei ist das Großschreiben ein direkte Anrede und wirkt einfach ästhetisch. Unsere Generationen werden die alte Schreibweisen beibehalten und daran kann keiner etwas ändern. Zurückgenommen werden die Regeln mit Sicherheit schon wegen der Kosten nicht. Man sollte über Alternativen nachdenken.
Petra Buchwaldt
Oliver Mieden, 09.08.2004, 11:08 Uhr
Es wäre angebracht, wenn sich die Kultusministerkonferenz einmal mit ihren tatsächlichen Aufgaben befassen würde. Diese Damen und Herren haben über Jahre - wahrscheinlich Jahrzehnte - hinweg parteiübergreifend unser Schulsystem verfallen und finanziell ausbluten lassen. Die Pisa-Ergebnisse lassen grüßen. Zurückgetreten ist aber keiner der Verantwortlichen. Stattdessen beschäftigt man sich mit Larifari und hört auf die Einflüsterungen von ein paar akademischen Sprachverwirrern. Diese überflüssige Reform und sprachliche Fremdbestimmung der Bevölkerung ist eine Unverschämtheit. Wir brauchen keinen großen Wurf, sondern eine behutsame Weiterentwicklung der deutschen Sprache. In diesem Sinne ist der «zivile Ungehorsam» der Medien zu begrüßen.Dr. Oliver Mieden, Baldham
Hans Eberding, 08.08.2004, 18:39 Uhr
Meine Meinung dazu habe ich in meiner Abo-Kündigung der SZ notiert, ich stelle Ihnen gern eine Kopie zu Verfügung.An Süddeutscher Verlag, Sendlinger Str. 8, 80331 München
Betreff: Abo-Kündigung
Hiermit kündige ich mein Abonnement der Süddeutschen Zeitung zum Ende des laufenden Quartals.
Nach meinem Eindruck hat die Qualität Ihrer Zeitung im letzten Jahr deutlich nachgelassen zu Gunsten von mehr Effekthascherei, wie knallige Überschriften zu schwachen Artikeln – eine Annäherung an den Bildzeitungs-Stil? In letzter Zeit schien sich eine Besserung anzubahnen.
Nun aber haben sie sich mit der Rückkehr zur 'klassischen' Rechtschreibung auf die Seite der Gegen-Reformation gestellt.
Wenn ich mir versuche das tatsächliche Motiv einer so demonstrativen Aktion mehrerer Großverlage vorzustellen dann sehe ich nur eines: Mehr Macht den Print-Medien. Sie können sicher sein, dass das scheitert (wie in dem nun schon wirklich 'klassischen' Film Citizen Kane).
Sie erlauben mir daher als kleine Gegen-Gegen-Demonstration die Kündigung des Abonnements. Und ich werde weiterhin 'dass' statt 'daß' schreiben, was auch immer Axel Springers sel. Witwe tut und andere ihr nachbeten.
Hans Eberding, München
Peter Maser, 08.08.2004, 10:26 Uhr
Zunächst ist jetzt begriffliche Klarheit herzustellen: Was ideologiebesessene Schreibtischtäter und wildgewordene Kultusbürokraten da in Sachen Rechtschreibung in den letzten Jahren angerichtet haben, sollte konsequent und überall und nur noch als das bezeichnet werden, was es ist: SCHLECHTSCHREIBREFORM! Die Behauptung, bei der Schlechtschreibreform handele es sich um das Ergebnis eines «demokratischen Prozesses», ist eine Frechheit. Das Gegenteil ist wahr! Die Schlechtschreibreform ist das Ergebnis einer Kultusministerkonferenz, die sich mit dem Thema niemals ernsthaft beschäftigt hast und sich blindlings auf das Urteil einer dubiosen «Expertentruppe» verließ. Wer politisch handlungsfähig bleiben will, muß auch mal eingestehen können: Da haben wir Mist gebaut. Im Fall der Schlechtschreibreform ist es höchste Zeit für dieses Eingeständnis! FAZ, Spiegel, Bild und anderen ist zu danken dafür, daß sie jetzt Nägel mit Köpfen machen.Peter Maser
Florian Agreiter, 07.08.2004, 14:18 Uhr
Ich rate Ihnen nachdrücklich, nicht zur alten Rechtschreibung zurückzukehren.Sollten Sie nicht der Meinung sein, dass die alte Rechtschreibung inkonsequent(er) und kompliziert(er) war, so werfen Sie bitte einen Blick auf meine Seite www.agreiter.com, die momentan ausschließlich aus einer Gegenüberstellung alter und neuer Schreibweisen besteht.
Das Schlimmste [alt: schlimmste] ist, dass die meisten, die sich nun lautstark gegen die Reform äußern, gar nicht wissen, was sich durch diese Reform geändert hat. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir doch feststellen, dass der durchschnittliche (!) Deutsche weder nach den Regeln der alten noch nach den Regeln der neuen Rechtschreibung wirklich «rechtschreiben» kann.
Neulich sagt eine Frau im Interview, sie werde Sauerstoffflasche weiterhin mit nur zwei f schreiben. - Dann verstößt die gute Frau eben auch gegen die Regeln der alten Rechtschreibung, nach der ein Konsonant nur dann wegfallen durfte, wenn der nächste Buchstabe ein Vokal war! (Ausnahme: Ballettheater, da hier ein stummes h folgt.)
Da die neue Rechtschreibung jedoch einfacher und konsequenter ist, nehmen die Fehler ab, wie exempli causa eine österreichische Studie zeigt.
Nun auf der Welle des Populismus und der Arroganz mitzureiten, hielte ich für unklug. An dieser Stelle will ich Ihnen vorhersagen, dass zumindest der Großteil der Verlage, die nun die zur «alte Rechtschreibung» zurückkehren, in spätesten fünf Jahren die neue Rechtschreibung wieder (d. h. nochmals) einführen werden. - Apropos: Schreibt der Spiegel nun auch wieder über «Telephone»?
Ein Blick auf die Seite http://rechtschreibung.ids-mannheim.de/ diskussionsbeitraege.html kann auch sehr interessant sein - denn dort kann man sehen, mit welchen Methoden die neue Rechtschreibung diffamiert und denunziert wurde (und leider noch immer wird).
Es wurden beispielshalber groteske Schreibweisen wie «Blut leer» als neue Rechtschreibung ausgegeben. Insbesondere die FAZ und die Welt machten mit Hilfe [schrieb man früher auch schon so] inkorrekter Beispiele geradezu mobil gegen die neue Rechtschreibung, die im Großen und Ganzen eine, wie ich finde, wirklich gelungene Reform ist. Außerdem sind nun - das müsste die Gegner der Reform doch eigentlich besänftigen! - auch wieder Schreibweisen, wie z. B. ratsuchend (neben Rat suchend) und alleinstehend (neben allein stehend), zugelassen.
Aber bitte: «Blut leer» entspricht nicht den neuen Regeln. Es muss nämlich zusammengeschrieben werden, wenn ein so genanntes [auch wieder möglich: sogenanntes] einsparendes Gefüge vorliegt, d. h., wenn eine Präposition oder ein Artikel (oder ggf. beides) eingespart wird.
Es heißt also: blutleer [da: «von Blut leer»], mondbeschienen [«vom Mond beschienen»], herzerquickend [«das Herz erquickend»] usw.
Und wenn die «Bild»-Zeitung in ihrem «Rechtschreibtest» sogar behauptet, nach der neuen Rechtschreibung würde «rechtens» im Satz «Ihre Anklage war rechtens.» großgeschrieben, dann zeugt dies von doppelter Unkenntnis - denn in alter Rechtschreibung schrieb man in diesem Fall «Rechtens» (groß), während man «rechtens» in neuer Rechtschreibung immer kleinschreibt. Naja, besonders gut war die «Bild» in Sachen Orthographie sowieso noch nie.
Florian Agreiter, Schwäbisch Hall
Jürgen Baumann, 07.08.2004, 10:56 Uhr
Also eines muss man unseren nördlichen Nachbarn ja lassen: Sie sind innovativ in der Erfindung unnötiger Diskussion und der Erzeugung zusätzlicher Kosten. Als europäische Hochpreisinsel können wir Einwohner in der Schweiz diese Diskussion nur begrüssen. Warum sich produktiv mit Innovationen betätigen, wenn man als selbsternannter Rechtschreibexperte eine prima Streit vom Zaun brechen kann, der schon lange entschieden war ? Keine Angst - wir erledigen dass für Euch ! Vielleicht bleibt Baden-Württemberg ja bei der zwischen der Schweiz, Österreich, Liechtenstein und Deutchland vereinbarten Regelung. In diesem Fall könnte wir mit Baden-Württemberg ja Beitrittsverhandlungen als 27. Kanton der Schweiz aufnehmen....Dr. Jürgen Baumann, 8304 Wallisellen
G. M. Leimer, 06.08.2004, 19:20 Uhr
Es war für mich eine der grauenvollsten Vorstellungen, Goethe und Schiller in der verordneten Rechtschreibung lesen zu müssen. Sprache ist ein lebendes Kulturgut, daß keineswegs zum Spielball politischer Entscheidung werden darf, da vor allem an der Zuständigkeit von sogenannten Kultusministern gezweifelt werden darf, wenn ein erklecklicher Teil der die Sprache Vertretenden die «Verordnung» ablehnt. Es war bisher die Aufgabe des bibliographischen Instituts, die Entwicklung unserer Sprache zu dokumentieren und im Duden den Niederschlag finden zu lassen, und dies geschah in verantwortungsvoller und kompetenter Weise. Dafür sei Dank und Anerkennung ausgesprochen und so sollte es auch bleiben, denn wenn man Regeln durch Willkür ersetzt kann nur von Kulturverfall gesprochen werden. Es bleibt nun zu hoffen. daß es gelingt, unserer Kultur die Sprache ihrer Dichter und Denker zu erhalten. G. M. Leimer, Österreich
Hendrik van Hees, 06.08.2004, 19:50 Uhr
Mit großer Genugtuung habe ich u.a. auch in Ihrer Netzeitung gelesen, daß der Axel-Springer-Verlag, der Spiegel und die Süddeutsche zur «alten» Rechtschreibung zurückkehren.Ich habe der alten Rechtschreibung nie den Rücken gekehrt, sondern mich stets bemüht, derselben so gut wie möglich zu folgen, weil ich die neue Rechtschreibung nicht als einfacher empfinde als die ursprüngliche, die ich in der Schule mehr oder weniger sicher erlernt habe.
Insbesondere in der Fachliteratur, wo man oft Worte wie «Potenzial» zu schreiben gezwungen werden sollte, ist die neue Rechtschreibung einfach nur als grausam zu bezeichnen.
Nun bleibt nur die Frage, ob auch die Netzeitung dem guten Beispiel folgen wird.
Dr. Hendrik van Hees, Texas, USA
Antje Radcke, 06.08.2004, 19:00 Uhr
Stellen wir doch mal eines klar: Diejenigen, die die Debatte um das Zurückdrehen der Rechtschreibreform entzündet haben (Spitzenpolitiker/innen), schreiben kaum noch selbst – sie lassen schreiben. Dass sie deshalb wegen mangelnder Übung und fehlender Zeit offensichtlich nicht in der Lage sind, die neuen Regeln zu lernen, mag man nachvollziehen. Aber die persönliche Befindlichkeit dieser beklagenswerten Menschen ist deren Privatsache – aus dieser persönlichen Erfahrung heraus ein Politikum zu entwickeln, ist unverschämt.Nicht alles an den neuen Rechtschreibregeln erschließt sich sofort und wir, die wir schon länger gewohnt sind zu schreiben, machen vielleicht heute andere Fehler als vor der Reform. Vieles aber ist deutlich logischer geworden und ich wage mal die Prophezeiung, dass die heutige Schülergeneration weniger Probleme mit der Rechtschreibung haben wird als die Elterngeneration – sie können die teilweise einfacheren Regeln von Grund auf lernen und müssen nicht umlernen (was eben schwieriger ist).
Die FAZ war von Beginn an konsequent und hat sich den neuen Regeln komplett verweigert – dass sie dadurch nicht unbedingt zur empfehlenswerten Lektüre für den Politikunterricht in der Schule geworden sind, ist deren Problem. Warum aber Spiegel und Springer auf den zum Entgleisen verurteilten Zug aufspringen, ist mir ein Rätsel. Ich jedenfalls kann es mir nicht wirklich vorstellen, dass das Eingeständnis der älteren Generationen, zu unbeweglich zum Umlernen zu sein, zu einem Rückfall in die Vergangenheit führen wird. Wenn doch, dann können wir uns die gesamte Debatte um das „Lebenslange Lernen“ schenken!
Bleibt noch die Frage, wie die heutige Generation der Älteren in ihren jungen Jahren eigentlich die Abschaffung der Sütterlinschrift verkraftet hat!?
Antje Radcke, Hamburg
PS: Einen schönen Rechtschreibtest aus Anlass der aktuellen Debatte bietet wissen.de zur Zeit an.
Markus Reiter, 06.08.2004, 18:01 Uhr
Super! Endlich kehren wir zur alten, bewährten, überzeugenden, logischen Rechtschreibung zurück. Denn wo heute Chaos herrscht, gab es damals glasklare Eindeutigkeit und Logik. Jetzt schreiben Spiegel, Bild und Welt wieder Resümee, aber Exposé; Nummer-numerieren, aber Summe-summieren; Ballettänzer hat wieder zwei «t», Balletttruppe aber drei; es heißt wieder geradebiegen, aber krumm biegen; kurz schneiden, aber: kleinschneiden; rein halten, aber sauberhalten; ernstnehmen, aber übel nehmen; Ski fahren lernen, aber radfahren lernen; im Großen wie im Kleinen treu sein, aber im großen und kleinen betreiben; in bezug auf, aber mit Bezug auf. Kurzum, alles wird einfacher, logischer, verständlicher und lässt sich den Schülern leichter beibringen. Dank der großen Klarheit der alten Rechtschreibung macht es auch gar nichts, dass die viele Texte in gräulichem Nominalstil verfasst sind und Bandwurmsätze sich über einen Absatz ziehen - besonders von die Texte professoraler Gegner der neuen Rechtschreibung.Dipl. Pol. Markus Reiter, Stuttgart
Norbert Pomplun, 06.08.2004, 17:46 Uhr
Ich will hier sicher keinen Leserbriefstreit entfachen, aber wenn falsche Argumente gegen die Reform angeführt werden, möchte ich das nicht einfach stehen lassen. Sehr gern wird von den angeblich viel größeren Differenzierungsmöglichkeiten der alten Rechtschreibung gesprochen – so auch in einem der hier veröffentlichten Leserbriefe. Das dort angeführte Beispiel ist aber keins, denn „zusammenziehen“ und „zusammen ziehen“ werden auch nach den neuen Regeln unterschieden! Ein korrektes Beispiel wäre „sitzen bleiben“. Aber um was für eine Differenzierung geht es hier? Diese Wörter wurden bisher nur zusammengeschrieben, wenn es sich erstens um eine übertragene Bedeutung handelte und zweitens das Verb im Infinitiv, Partizip oder im Nebensatz in Endstellung befand – und das ist nicht so häufig! Man konnte also unterscheiden zwischen „Er ist sitzen geblieben“ und „Er ist sitzengeblieben“, anders aber in dem Satz „Er blieb sitzen“ – denn da konnte man bisher und jetzt immer noch nicht an der Schreibung erkennen, was gemeint war. Nun ist aber gerade in der Schriftsprache das Imperfekt (2. Satz ohne Differenzierungsmöglichkeit) häufiger als das Perfekt (1. Satz mit Differenzierungsmöglichkeit)! Und noch eins: Ob jemand in der Schule sitzen blieb oder ob jemand auf seinen Waren sitzen blieb, konnte man früher in der Schreibung nicht unterscheiden, denn beides wurde in den oben beschriebenen Fällen zusammengeschrieben. Und die gesprochene Sprache differenziert hier sowieso nicht, denn gesprochen hört sich beides gleich an, auch wenn immer wieder anderes behauptet wird. Während man bei Geschriebenem ja durchaus noch mal lesen kann, muss man beim Hören häufig sofort erfassen, was gemeint ist. Die gehäufte Großschreibung von Substantiven ist in der Tat gewöhnungsbedürftig, aber logisch und konsequent. Wer sich daran stört, bemerkt eigentlich nur, dass Substantive besser überhaupt kleingeschrieben werden müssten, denn nicht Substantive sind die entscheidenden Wörter im Satz, sondern das Verb. Das ist es übrigens, was ich in meinem ersten Brief weiter unten mit unsachlicher Diskussion meinte.
Alexander Dreyer, 06.08.2004, 17:32 Uhr
Hier haben die deutschen Zeitungsverleger erneut die Chance verpasst sich für eine vernüftige Reform der deutschen Rechtschreibung einzusetzen. Es ist nie alles Alte besser als das Neue, so auch hier. Wären Springer und Spiegel mit einer moderaten Version der reformierten Rechtschreibung - die sicher in viele Fällen sogar mit den derzeit erlaubten amtlichen Varianten vereinbar gewesen wären - herausgekommen, hätten sie ein Zeichen setzen können. Hausorthografien sind notwending, da es schon immer Worte mit mehreren erlaubten Schreibweisen gab, die natürlich in Veröffentlichungen aus demselben Hause einheitlich sein sollten. Das bedeutet aber nicht, dass man es sich einfach machen darf und zur alten Rechtschreibung zurückkehren sollte, einfach nur weil sie ja weniger Varianten zulässt. Warum legen Aust und Co. keine Diskussionspapier vor, welche Regeln der Rechtschreibung ihnen denn widerstreben? So hätte man uneindeutige und nicht-akzeptable Paragraphen dingfest machen können, sich aber von verstaubten Schreibweisen trennen können.Stattdessen wurde die Chance verpasst, federführend bei der Konstruktion einer vernünftigen Rechtschreibung mit nachvollziehbaren Regeln zu sein. Letztendlich hatte die alte Rechtschreibung nur eine eindeutige Regel: Der Duden ist maßgebend in allen Zweifelsfällen. Kompromissloses Festhalten an der alten Rechtschreibung bedeutet dementsprechend die Wiedereinführung des Dudenmonopols. Es ist vollkommen unverständlich, warum ausgerecht Verlage, die für Unabhängkeit und Überparteilichkeit stehen wollen, an diesem konservativen Relikt aus der Kaiserzeit festhalten wollen, statt ein frei zugängliches Regelwerk zu schaffen.
Es bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens die verbliebenen Zeitungen sich mehr ihrer Verantwortung bewusst sind und konstruktiv statt destruktiv wirken.
Alexander Dreyer, Kaiserslautern
Peter Potthoff, 06.08.2004, 17:25 Uhr
Man glaubt es ja nicht, haben die Sorgen.
Das sind die deutschen Eliten!
In der Presse wie in Politik und Wirtschaft.
Haben die in den 68ern zuviel gekifft, sind die Klimaanlagen in den Verlagshäusern ausgefallen oder sind die alten Männer nur gelangweilt?
Manch krauser Gedanke wird ja aus purer Langeweile geboren.
Vorschlag: Lasst Springer, Spiegel, Süddeutsche und den niedersächsischen Ministerpräsidenten in Person die Kosten der Rückabwicklung tragen und schwupps ist Ruhe.
Ulrich Hottelet, 06.08.2004, 16:55 Uhr
na bravo! Jetzt schließen sich auch Spiegel und Springer den Rechtschreibreform-Verweigerern an. Ob sie mit dem Salto mortale rückwärts aber für mehr Klarheit in der Bevölkerung und vor allem bei Kindern und Jugendlichen sorgen, darf man bezweifeln. Bei so manchem vehementen Verteidiger der alten Rechtschreibung würde ich mir übrigens wünschen, dass er/sie diese zumindest einigermaßen beherrscht. Jedenfalls passt die Nachricht ins Sommerloch im (rechtschreib-)reformunfähigen Deutschland. Die Medien wären gut beraten, sich mit den wirklichen Problemen (Stichwort Reformstau) im Land zu beschäftigen.Ulrich Hottelet
10435 Berlin
Uta Bock, 06.08.2004, 16:38 Uhr
Eine gute Nachricht von Springer und Spiegel! Was für eine schöne Möglichkeit der Bedeutungsunterscheidung hat uns die deutsche Sprachentwicklung geschenkt, indem sie uns auf den ersten Blick (ohne erst den Kontext befragen zu müssen) genau erfassen läßt, ob wir (z.B.) zusammenziehen oder zusammen ziehen wollen - Fälle, wie sie dem Aufmerksamen täglich 100x begegnen. Und wie mag wohl ein philologisch sachkundiges Gremium auf die hirnrissige Idee gekommen sein, aus Worten, die ihre substantivischen Eigenschaften längst-längst verloren haben, willkürlich wieder Substantive hervorzaubern zu wollen. Es gibt sicher ein paar Eigenheiten der «Reform», die man annehmen kann. Entscheidend aber ist: Wo ich verstanden werden will, muß ich die Unterscheidungsmerkmale handhaben, die mir meine Sprache bietet, und für diesen Fall benötige ich (z.B. auch in der Kommafrage) die alten Regeln.Uta Bock, Leipzig.
Sébastien Bouleque, 06.08.2004, 16:28 Uhr
Ich finde die Entscheidung falsch. Dass es nach einer Reform in der breiten Öffentlichkeit erst einmal zu Schwierigkeiten kommen kann, ist doch ein natürlicher Prozess. Trotzdem ist die Aktion der beiden Verlage ein Schritt in die falsche Richtung, denn immerhin lernen die Schülergenerationen seit Jahren nur noch die neue Rechtschreibung und alle Schulbücher und auch ein Großteil anderer Literatur wurde in neuen Ausgaben in neuer Rechtschreibung herausgebracht. Sollen die Schüler jetzt wieder umlernen und die Verlage die Bücher wieder in die Ursprungsform zurücksetzen? Das hätte zur Folge, dass nur noch mehr Kosten entstehen und nun die junge Generation verwirrt wird. Immerhin hätte man dann bei allen Generationen einmal eine Sprachverwirrung ausgelöst. Ist das der Zweck? Die Willkür, die sich entwickelt hat, wird von Spiegel und Springer kritisiert, selbst aber tragen sie zu einer viel größeren Willkür bei, indem sie nun ihrer Alternativität und Rückbesinnung auf das Alte fröhnen. Ich werde den Onlinedienst des Spiegels künftig nicht mehr nutzen, um solch kindische Aktionen nicht zu unterstützen.
Ursula Emmerich, 06.08.2004, 16:23 Uhr
Die heutige Meldung «Springer-Verlag und »Spiegel«kehren wie die FAZ zur vorreformierten Schreibweise der deutschen Sprache zurück, sollte auch die Frankfurter Rundschau veranlassen, nachzuziehen und damit ihren Lesern die Kenntnis der »deutschen Rechtschreibung« zu erhalten. Viele Wörter wurden durch die Rechtschreibreform buchstäblich »verhun(d)st, verhohnepipelt, verkorkst « und mit der »Veramerikanisierung« der Umgangssprache werden immer mehr deutsche Begriffe verlorengehen und wir langsam einen »Slang« in die Sprache bekommen. Übrigens war vor kurzem in einem Kommentar der FR auf Seite 3 von einem wirtschaftlichen »kondratieff« zu lesen. Können sie mir vielleicht einmal erläutern, um welchen Fachbegriff es sich dabei handelt ? Außerdem wäre es schön, wenn die kostbare Zeit es den Journalisten und Berichterstattern erlauben würde, so manchen schnell in den PC eingetip(p)ten Bericht noch einmal auf Rechtschreibfehler zu überlesen !Ursula Emmerich
64546 Mörfelden-Walldorf
Norbert Pomplun, 06.08.2004 , 16:00 Uhr
Ich bin froh, hier in der Netzeitung endlich auch einmal positive Beiträge zur Rechtschreibreform zu finden. Man kann ja sonst den Eindruck gewinnen, dass wir durch die reformierte Rechtschreibung kurz vor der Abschaffung der deutschen Sprache oder dem Untergang des Abendlands stehen. Dass unsere Kultur gefährdet ist, kann ich bestätigen – allerdings nicht durch die Rechtschreibreform, sondern durch den giftigen und verletzenden Ton mancher Äußerung. Sachliche Diskussion ist kaum anzutreffen, stattdessen Diffamierungen, unbewiesene Behauptungen und zweifelhafte Beispiele haufenweise. Ich schreibe schon seit Einführung der Reform nach den neuen Regeln, kann bisher keine Probleme feststellen, empfinde die klareren Regeln viel hilfreicher als die zig Ausnahmen vorher und kann nicht entdecken, dass Texte in alter Rechtschreibung unleserlich würden – oder umgekehrt! Es mag sicher auch einiges verbesserungswürdig sein, aber dass die alte Rechtschreibung so wundervoll und fehlerlos war, halte ich für ein Gerücht. Ich bin ja mal gespannt, wie viele Fehler nach den alten Regeln sich künftig im „Spiegel“ u. Ä. stehen werden. Und wohin soll es gehen? Ob es wirklich komplett die alten Regeln sein werden, also Regelung von 1901 plus alle Einzelentscheidungen des Dudens bis 1998, ist ja für viele Gegner gar nicht ausgemacht. Und das soll eine einheitliche Rechtschreibung sichern und das Chaos beenden? Hat denn nicht gerade die Presse wesentlich auch schon vorher zum Chaos beigetragen, als sie ihre „Hausorthografien“, also willkürliche Einschränkungen und Veränderungen des Regelwerks, einführten? Und dass gerade Schriftsteller, die sich schon vorher nicht an die Regeln gehalten haben, jetzt so laut schreien, zeigt, wie irrational die ganze Diskussion ist. Man hat offenbar viel Angst vor Reformen überhaupt, fühlt sich vielleicht auch ohnmächtig, so muss die Rechtschreibreform herhalten, die dann symbolisch zu Fall gebracht wird. Ich hoffe sehr, dass dennoch Vernunft über Angst siegt!Norbert Pomplun
Berlin
Jörg Meyerhoff, 06.08.2004, 15:50 Uhr
Die Rückkehr zu «daß» und dem anderen Schmu der alten Rechtschreibung ist grotesk. In 98 Prozent der Fälle hat sich zwischen alter und neuer Schreibung nichts geändert. Für lächerliche 2 Prozent Neuerung sind sich frühvergreiste Autoren und Redakteure, die auf ihr vermeintliches Herrschaftswissen nicht verzichten wollen zu schade. Wie armseelig ist das denn? Ich finde die neuen Regeln logisch, einfach und sinnvoll. Sie machen Menschen Mut, sich wieder schriftlich zu äußern, weil man weniger Blamagen riskiert. Für alle, denen die Schreibweise Gräuel (neu) aus wortgeschichtlichen Gründen ein Greuel (alt) ist, gibt es ethymologische Lexika.
Gunther Schirmer, 06.08.2004, 15:43 Uhr
Das finde ich prima, dass Springer und Spiegel zur ursprünglichen Rechtschreibung zurückkehren. Das war längst überfällig. Dass die FAZ schon immer diese Art verwendet hat, íst mir gar nicht aufgefallen. Ich bin schon immer ein geradezu fanatischer Anhänger einer einwandfreien Rechtschreibung gewesen und habe mich nur dann zur neuen Art verleiten lassen, wenn die Rechtschreibautomatik von Word eingegriffen hat. Dass dieser Blödsinn so schnell wie möglich vergessen wird, wäre ein Segen.
Willi Mayer, 06.08.2004, 15:23 Uhr
Gewiss, die Rechtschreibereform hat auch nicht unbedingt alles vereinheitlicht, und sie bedarf wohl einer weiteren Reform. Aber wieder zur alten Rechtschreibung zurück? Sie wurde 1901 eingeführt und im Laufe der Zeit angepasst, zum Beispiel wurde aus Bureau Büro, aber viel hat sich nicht geändert. Und sie hatte auch etliche Ungereimtheiten. So schrieb man Gruß und Kuß beides mit ß, obwohl der u-Laut doch sehr unterschiedlich war. Die neue Regelung finde ich hier wesentlich logischer. Überhaupt sollte man mal überlegen, ob man auf das ß nicht ganz verzichten könnte. Die Schweizer schaffen es schon seit den dreißiger Jahren, ohne diesen Buchstaben auszukommen. Auch die Trennungsregelung mit st, bzw. Nichttrennungsregelung, war nicht nachvollziehbar. Insider wussten, dass im Druckergewerbe das lange s und das t auf einer Type waren. Es war für den Setzer ein Buchstabe, und der konnte halt nicht getrennt werden. Außerdem galt dies nur für die Frakturschrift, die heute kaum noch jemand lesen kann. Eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung halte ich nicht für zweckmäßig, eher kontraproduktiv. Und ob dann Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Italien, Belgien, Luxemburg und all die anderen Staaten zustimmen, in denen Deutsch als Minderheitssprache gesprochen wird, wage ich zu bezweifeln. Außerdem sollte es doch jedem Menschen egal sein, nach welcher Regel er jetzt seine Fehler macht.
Heinrich Junghanns, 06.08.2004, 14:50 Uhr
Hurra früher war alles besser. Blödsinn! Logisch war unsere Sprache nie und keiner hat sich daran gestört. Der Duden hat zu Beginn unseres Jahrhunderts willkürlich eine Deutsche Rechtschreibung zusammengestellt. Und so war sie dann unsere Sprache: Lichtjahre weit entfernt von unserer Umgangssprache.Als Journalist und Kommunikationsberater habe ich die Reform begrüßt. Allein deshalb, weil sich im Vergleich zu unseren internationalen Nachbarn endlich etwas bewegte in unserem Land. Und nun...? Liebe Kollegen aus den Häusern Spiegel und Springer, was Sie demonstrieren, ist dogmatisch wie borniert und steht in perfektem Einklang mit der Unfähigkeit zur Reform. Es soll eben alles bleiben wie es war. Liebe Netzeitung, bleib auf dem Weg in die Zukunft.