02. Dez 2003 14:41, ergänzt 10. Dez 2003 11:53
Ihre Meinung.
Hans-Dieter Hey, Köln
Betr.: Agenda 2010
28.12.2003, 18:01 Uhr
Am Freitag den 19.12.2003 kam die Bescherung: Die Agenda 2010 ist durch den Bundesrat. Wenige haben bisher mitbekommen, wer mit was da eigentlich so kurz vor Weihnachten beschenkt wird – einschließlich der Parlamentarier. Augen zu und durch hieß die Parole, jetzt bloß nicht wackeln. Mit unglaublicher Geschwindigkeit und massivsten undemokratischen Pressionen gegen die eigenen Genossen brachte Gerhard Schröder seinen Kanzler-Wahlverein auf Linie, tausende Seiten Gesetzesänderungen, die kaum ein Parlamentarier richtig gelesen hat und deren Folgen sie wahrscheinlich nicht einmal einschätzen können.Von den Grünen ganz zu schweigen, die machen inzwischen fast alles mit. Zum Nachteil für Erwerbslose. Laut Bütikofer will man wegen eines Details nicht die ganze „Reform“ riskieren. Das Detail sind Millionen von Erwerbslose, die demnächst in die Armut katapultiert werden. Die Schwarzen und Gelben wollten den Kahlschlag sowieso - unisono mit den Unternehmerverbänden. Angebliche Unterschiede im Detail waren nur angeblich. Es galt, Deutschland zu retten. Doch die Wirklichkeit wird bald brutaler aussehen, weil die Reform keine ist.
Laut Kanzler Schröder kann seine Agenda nur der Anfang sein. Er liegt damit genau wie Merkel und Westerwelle auf der Linie der Unternehmerverbände wie z.B. der „Metall- und Elektroindustrie“, die eine Mobilisierung ohne Gleichen für einen weiteren sozialen Kahlschlag starten wollen. Mit reichlich 50 Mio. Euro für Öffentlichkeitsarbeit ausgestattet, wird zum Kampf für weiteren Sozialraub aufgerufen, nachdem „Gesamtmetall“ schon einmal den gleichen Betrag dafür locker gemacht hat, um damit die Parlamentarier, den deutschen Michel und fast die gesamte Presse auf Einheitskurs zu bringen. Der Slogan dieser Kampagne heißt „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“. Wobei der Sozialstaat inzwischen kaputtgeschlagen wird und der Markt nach und nach durch eine falsche Wirtschafts- und Finanzpolitik abhanden kommt. Slogan ist gälisch und bedeutet Kriegsgeschrei. Es besteht daher die Berechtigung, das ganze als Angriff auf unser derzeitiges Staatsgebilde zu verstehen – gesteuert von mächtiger Seite.
Und so ist es kein Wunder, das nach diesen gesetzlich verankerten Brutalitäten nun auch die Gegenseite zum Kampf geblasen hat. Der Volkszorn wächst. Die Studenten streiken langsam wieder wie in den 60ern. Immer mehr Bürger schließen sich z.B. in Sozialforen oder bei attac zusammen, bilden linke Wahlbündnisse oder Anti-Hartz-Bündnisse. In Sachsen hört man wieder den Ruf: „Wir sind das Volk“. Vereinbart wird strategische Zusammenarbeit. Für viele ist die Zeit längst reif, eine massive außerparlamentarische Opposition zu bilden, um sich gegen Kahlschlag und die Zerstörung der Demokratie zu wehren. Viele fühlen sich an den beginnenden Faschismus Ende der 20er Jahre erinnert. Die Gewerkschaften wollen am 03. oder 04. April 2004 zum Orkan aufrufen, nachdem ihr verhängnisvolles Klientel SPD genügend Sturm gesät hat. In Düsseldorf findet am 31.01.04 eine Großdemonstration statt. Ebenso in Berlin und anderswo. Vielleicht riecht es bereits nach einer kleinen Revolution.
Eva-Maria von Nerling, Hamburg
Betr.: Kopftuchstreit
10.12.2003, 10:19 Uhr
Das Kopftuchverbot verlagert eine längst fällige Auseinandersetzung -- nämlich um die Teilnahme muslimischer Frauen am Leben außerhalb des Hauses -- in die europäische Öffentlichkeit, statt diese Auseinandersetzung dort zu lassen, wo sie hingehört: In den muslimischen Familien. Denn der Druck von außen erzeugt einen anachronistischen Schulterschluss, wo eigentlich ein Lernprozess stattfinden sollte, der besagt: «Wir leben hier, wir sind Muslime, und meine Frau ist auch am Arbeitsplatz eine ehrbare Muslima».
Solange dieser Entwicklungsdruck abgeleitet wird über «wir werden hier diskriminiert», solange kann die Demokratisierung und weitere Integration der Muslime in Europa nicht stattfinden. Das zeigt sich deutlich an den erzkonservativen Statements sehr junger Männer. Diese lauschen dann natürlich gern fundamentalistischen Aufrufen.
Peter Krieger, Weyhe
Betr.: Kopftuchstreit
09.12.2003, 17:35 Uhr
Der satirische Vergleich Kopftuch kontra Zipfelmütze ist ernüchternd köstlich nachdenkenswert. Noch eine Frage zu dieser Aussage ? Aber jetzt mal im Ernst. […] Da wird von Politikern gewissenlos über die Gefährdung des Abendlandes gefaselt. Manche sehen im Kopftuch die kulturelle Auflösung der christlichen Erziehung und Werte . Manche fühlen sich vom Kopftuch belästigt . […] Sehen wir bei diesen Frauen, die dieses Kopftuch tragen wollen oder auch sollen doch erst einmal den Menschen ! Obwohl ich keiner religiösen Gesellschaftsgruppe angehöre, respektiere ich deren Entscheidung soweit diese selbstständig getroffen wurde und bewundere diese Frauen dafür.
Es ist mir völlig egal ,ob es muslemische ,hinduistische, oder andere religiöse Glaubensgemeinschaften sind ,die das Tragen von Kopftüchern vorschreibt. Wenn wir unsere christlichen Gruppen betrachten, finden wir eine Kopfbedeckung bzw. Tuch doch auch wieder. Ordensfrauen der Katholischen Kirche bedecken ihr Haar und tragen sogar einen Ehering. Krankenschwestern von den Diakonissinnen , Rot Kreuz-Schwestern tragen einen Haube. Katholische oder evangelische Geistliche tragen zu bestimmten Anlässen eine Kopfbedeckung die in der Öffentlichkeit als solche erkennen lassen. Manche Menschen tragen als Bekenntnis zu ihrem Glauben sichtbar das Kreuz oder einen anderen Gegenstand ihrer jeweiligen religiösen Zugehörigkeit öffentlich. Sollte es mich stören ? Nein ! Es bedroht mich nicht, greift mich nicht an, verletzt mich nicht und gefährdet nicht meine persönliche Freiheit. […]
Gerhard Dörries, Berlin
Betr.: USA zweifeln Wahlen in Russland nicht an
08.12.2003, 12:35 Uhr
Wer im Glashaus sitzt ... scheint diesmal das Motto der USA zu sein, wenn Bush erklären läßt, das Wahlergebnis nicht in Frage stellen zu wollen, schließlich sind die Umstände seiner «Wahl» auch nie ganz geklärt worden ...
Hartmut Handt, Gerlingen
Betr.: Verdi protestiert gegen Weihnachtsmusik
08.12.2003, 12:35 Uhr
Eine Aktion gegen diese Lärmwasserfälle (von Berieselung kann man da ja nicht mehr sprechen) würde ich gern unterstützen. Auch als Kunde fühle ich mich auf das Höchste belästigt. Übrigens findet man dies nicht nur in Kaufhäusern im engeren Sinne: In der Bahnhofshalle Leipzig war am vorletzten Sonnabend das «O Tannenbaum-Gegröle» so laut, dass man nicht einmal mehr die Ansagen der Bahn verstehen konnte.
[…] Die Forderung muss heißen: Runter mit der Lautstärke und öfter mal eine Pause von diesem überflüssigen Gedudel.
Peter Lux, Berlin
Betr.: Kopftuchstreit
08.12.2003, 13:48 Uhr
Das Gebot der Toleranz gebietet, dass wir zur Verteidigung unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung den Trägern und Trägerinnen von Kopftüchern mit Null-Toleranz begegnen. Schließlich stellt das Tragen eines Kopftuchs eine Umhüllung des Haupthaars dar und berechtigt damit in gleicher Weise wie das Tragen von Pudel-, Zipfel- und Schlafmützen, von Zylinder- und Sombrerohüten sowie von Stahl- und Blauhelmen zu dem Verdacht, der Träger wolle dem Auge der wachsamen Öffentlichkeit einen aufschlussreichen Teil seines Erscheinungsbildes verbergen und auf trickreiche Weise das Vermummungsverbot umgehen.
Überdies stellen die Kopftuchträger und -trägerinnen - anders als etwa Schlafmützenträger und -trägerinnen - ein sehr ernstes Problem dar, da sie - ähnlich den hierzulande während der Weihnachtszeit scharenweise auftretenden Zipfelmützenträgern und -trägerinnen - mit dem Tragen ihrer Kopfbedeckung das Ziel verbinden, ihr religiös-kulturelles Selbstverständnis ostentativ zur Schau zu stellen, um auf diese Weise die arglosen Anhänger der Zipfelmützenreligion massiv zu indoktrinieren, - dies umso mehr als die Verführungskraft der Zipfelmütze mit der eines seidenen Kopftuchs kaum konkurrieren kann.
[…] Kurz: Die Einsicht in die Defizite der missionarischen Durchschlagskraft unserer Zipfelmützen und in den unwiderstehlichen Charme der Kopftücher gehört zum strategischen Grundwissen der politischen Klassen aller Länder. […]
Stefan Treutler
Betr.: Unkenntnis über Weihnachten
04.12.2003, 20:22 Uhr
Wie ist die Bildunterschrift «Der Weihnachtsmann, das unbekannte Wesen» zu verstehen? «Christus, das unbekannte Wesen» - das wäre wohl passender! Eigentlich paradox, dass es ´Christen´ gibt, die Christus Jesus und dessen Bedeutung nicht kennen. Was wird heutzutage im Religionsunterricht gelehrt? Und was bringen die Erwachsenen ihren Kindern bei? Haben Eltern bei der Taufe ihrer Kinder nicht zugesagt, ihre Nachkömmlinge gemäß des christlichen Glaubens zu erziehen?
Schade, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der das, was Kaiser Konstantin einst verstaatlichte, immer bedeutungsloser zu werden scheint: Der Glaube an einen Retter, in dessen Namen wir Gottes Hilfe zugesichert bekommen. Gott selbst kam in Menschengestalt auf die Erde, um sich mit den Menschen zu versöhnen und ihnen ihre Sünden zu vergeben, damit sie das ewige Leben haben werden. Schade, dass sich in der heutigen Zeit viele Menschen dieses Angebotes Gottes gar nicht mehr bewusst sind. Größer, als die Liebe Gottes zu den Menschen, kann kein Weihnachtsgeschenk sein.
Gunther Schirmer, Leipzig
Betr.: Toll Collect «weit hinter Zeitplan»
03.12.2003, 13:46 Uhr
Also lieber Herr Mangold. Entweder Sie sind wirklich so abgebrüht, wie Sie sich geben. Oder Sie leiden an Wahnvorstellungen. Zuerst verkünden Sie - zum wievielten Male eigentlich? - eine weitere Verzögerung des Beginns der «Goldesel-Aktion» unserer glorreichen Regierung, mit der sie meint, das Land aus dem finanziellen Desaster ziehen zu können. Dabei schnoddern Sie lässig, was so eine Verzögerung schon bedeutet bei dem Riesenerfolg, der zu erwarten ist. Und dann setzen Sie noch eins drauf und verkünden, dass die Firmen, die diesen Mist zu verantworten haben, mit Anschlussaufträgen rechnen.
Wer glaubt eigentlich noch daran, dass die prächtigen Geräte an diesen Gerippen, die neuerdings unsere Autobahnen überspannen und vor denen manch unbedarfter Autofahrer eine Vollbremsung hinlegt, weil er glaubt, das sind Blitzer, die da so streng auf ihn herabblicken, jemals ihren Dienst verrichten werden?
Und wie das so gelaufen ist bisher, werden sich die Ausfälle häufen. Mehr trauen wir diesen Firmen nicht mehr zu. Aber vielleicht haben Sie doch recht. Und zwar dann, wenn allen Gebeten zum Trotz, diese Regierung mit dem König von Brandenburg als Minister, die waterloomäßige Wahlniederlage in NRW als Regierung in Berlin überleben sollte. Da sei Gott vor! Aber Sie, lieber Herr Mangold machen sich ja jetzt aus dem Staub. Schlaues Kerlchen.
Marlies Sillinger-Rindsfüsser
Betr.: Prominente starten Aufruf gegen Kopftuch-Verbot
01.12.2003, 21:31 Uhr
Unlängst veröffentlichten französische Medien Fälle von Grausamkeit muslimischer Männer gegen Frauen, die sich dem Kopftuchgebot widersetzten. Sie argumentierten, dass diese Frauen die Ehre der Familie verletzten und gegen sie mit aller zur Verfügung stehenden Härte vorgegangen werden müsse. Bei allem Verständnis für die Nöte muslimischer Frauen, denen Familie, Brüder und Ehemänner das Tragen des Kopftuches Aufzwingen, kann ich es nicht für gut heißen, wenn prominente Frauen in Deutschland im Besitz aller freiheitlichen Rechte in einer Demokratie eben das Tragen dieses Kopftuchs, das Zeichen der Unterdrückung der islamischen Frau ist, in deutschen Schulen für gut halten und eine Initiative starten, um dieses zu Erlauben.
Zu glauben, man könne das Vermitteln islamischer Grundwerte, die teilweise im Gegensatz zu christlichen Grundwerten stehen, an öffentlichen Schulen kontrollieren oder sogar vermeiden, ist schlicht eine Illusion. Hier geht es um unsere Kinder und die Wertvorstellungen, die zukünftig über das Wohl unseres Landes bestimmen. Damit muss mit aller Sensibilität umgegangen werden.
Gegen das Tragen des Kopftuches muslimischer Frauen in der Öffentlichkeit als Bekenntnis ihrer Zugehörigkeit zu einem Glauben und einer Kultur ist nichts einzuwenden. Ich begrüße diese Zivilcourage in einer Zeit, in der Glauben eine untergeordnete Rolle spielt in der Gesellschaft. Jedoch in einem Land, in dem Kirche und Staat Trennung vereinbart haben und es in vielen Bundesländern keinen Religionsunterricht an Schulen als Regelunterricht gibt, kann es nicht zugelassen werden, dass über das Kopftuch Glaubensvermittlung als gelebte Überzeugung Einzug hält. In dem fall sollte man darüber nachdenken, wie man es denn generell mit dem Vermitteln von religiösen Werten an deutschen Schulen in Zukunft halten will.
Gerhard Dörries, Berlin
Betr.: Rumsfeld lehnt EU-Militärpolitik ab
01.12.2003, 18:48 Uhr
Wenn Europa mündig werden will, ist es auch an der Zeit, die europäische Verteidigung aufzubauen. Dass das einem Herrn Rumsfeld und der übrigen Bush-Administration nicht passt, ist klar - bei einer US-dominierten Nato, ein Relikt aus Zeiten des Kalten Krieges. Europa wächst zusammen - was also liegt da näher, als eine emanzipierte Verteidigung zu schaffen? Wie Europäer behandelt werden, die nicht nach der Pfeife von Bush & Co tanzen, haben wir mit dem (völkerrechtswidrigen) Irak-Krieg erlebt.