05. Nov 2003 10:39, ergänzt 14. Nov 2003 17:46
Der Fall des CDU-Abgeordneten Hohmann, der wegen seiner antisemitischen Äußerungen in die Kritik geraten ist, hat in Deutschland eine breite Diskussion ausgelöst. Wir veröffentlichen einzelne Lesermeinungen.
Thomas Henschke, Berlin
Betr.: Fall Hohmann
14.11.2003, 17:32 Uhr
Nun hat sich die CDU doch endlich dazu durchgerungen, Martin Hohmann aus der Partei auszuschließen. Dennoch - ein fader Beigeschmack bleibt, denn das Abstimmungsergebnis war nicht eindeutig genug. Man kann davon ausgehen, dass die (zu) vielen Nein-Stimmen und Enthaltungen nur das Meinungssektrum in unserer Gesellschaft widerspiegeln. Das ist geradezu erschreckend, denn 58 Jahre nach Ende des Holocaust scheinen noch immer viele Deutsche in unserem Lande unbelehrbar zu sein! Umfragen zufolge sind noch immer fast 20 bis 25 Prozent antisemitisch oder hängen diesem Gedankengut an. Es ist wirklich manchmal nicht einfach, als einigermaßen interessierter Bürger für geschichtliche Zusammenhänge in diesem Lande zu leben, wenn - frei nach Curt Goetz - «die Mikrobe der Dummheit» soweit verbreitet ist!
Fritz Riege, Celle
Betr.: Fall Hohmann
14.11.2003, 11:01 Uhr
Die CDU befindet sich dank ihrer Blockadepolitik gegen Schröder auf einer Zustimmungswoge. Sie kann sich derzeit den Hohmann-Rauswurf leisten. In einer knappen Wahlsituation ist sie jedoch nach wie vor in der Lage, ein antisemitisches und fremdenfeindliches Potential für sich zu nutzen. Es sei an die Postkartenkampagne zur Kochwahl in Hessen gegen die doppelte Staatsbürgerschaft erinnert.
Gunnar Heinsohn
Betr.: Fall Hohmann
12.11.2003, 17:34 Uhr
Kollektivschuld und Rechtsradikalismus
Die “Kollektivschuld” ist eine juristische Konstruktion, um die Enteignung der Deutschen und Ungarn in den Gebieten Tschechiens und der Slowakei legal durchführen zu können (siehe den Auszug aus dem Benesdekret vom 25.10. 1945 unten). Es mußten alle – auch die Unmündigen - zu Hochverrätern erklärt werden, um die bei Hochverrat gegebene Möglichkeit der Enteignung gleich auf Millionen Menschen anwenden zu können. Für alle wurde entsprechend die Unschuldsvermutung außer Kraft gesetzt bzw. dem gesamten Kollektiv Schuld zugewiesen. Gleichzeitig wurden in der CSR aber auch Deutsche und Ungarn, die tatsächlich NS-Verbrechen begangen hatten, in Individualprozessen belangt und hingerichtet, so daß ein Unterschied zwischen jedem Deutschen als Hochverräter und bestimmten Deutschen als herkömmlichen Verbrechern durchaus gemacht wurde. Auch für alle weiteren Vertreibungsenteignungen von – insgesamt 15 Millionen – Deutschen sowie für deutsche Entschädigungszahlungen liegt im Hintergrund die Kollektivschuldannahme. Benes hatte sich ja bereits 1940 grünes Licht bei Stalin und Roosevelt geholt und damit sein Programm zum Ur-Muster auch der übrigen Maßnahmen gegen deutsche Zivilisten gemacht. Die Heranziehung nur etwa des Vermögens der NSDAP als Täterpartei – das war erwogen worden – hätte viel zu wenig Substanz für die anstehenden Zahlungen erbracht. Auch ins Auge gefaßte Massenerschießungen von Parteigenossen wurden verworfen, weil das die materielle Leistungsfähigkeit der Deutschen weiter eingeschränkt hätte. Die Konstruktion der “Kollektivschuld” geht nicht auf in einer rechtsradikalen Erfindung. Verstanden werden muß allerdings der eher schleichende Übergang von einer kollektiven deutschen Haftung bzw. Rechnungsbegleichung zu einer kollektiven moralischen Verwerflichkeit aller Deutschen der NS-Zeit und auch der später zahlenden Generationen. Weil ja überall in Europa reale deutsche NS-Verbrecher verurteilt und hingerichtet oder eingesperrt wurden, muß immer – auch wenn das mühsam ist – gesondert vermittelt werden, warum damit allein Schuld von Deutschen nicht gesühnt war. Das Vermögen dieser Verbrecher hat für die Summe der Entschädigungsforderungen niemals ausgereicht. An der Nahtstelle zwischen der Schuld der deutschen Verbrecher und der Begleichung ihrer Schulden vor allem durch unschuldige Deutsche liegt eine Potenz zum Groll, die man besser offensiv angeht, als sie zu tabuisieren.
Dekret [Auszug] des Präsidenten der Republik vom 25. Oktober 1945 über die Konfiskation des feindlichen Vermögens und die Fonds der nationalen Erneuerung (Slg. Nr. 108). „Auf Vorschlag der Regierung und im Einvernehmen mit dem Slowakischen Nationalrat bestimme ich [Benes]: Teil I: Konfiskation des feindlichen Vermögens. § 1: Umfang des konfiszierten Vermögens. (1) Konfisziert wird ohne Entschädigung – soweit dies noch nicht geschehen ist – für die Tschechoslowakische Republik das unbewegliche und bewegliche Vermögen, namentlich auch die Vermögensrechte (wie Forderungen, Wertpapiere, Einlagen, immaterielle Rechte), das bis zum Tage der tatsächlichen Beendigung der deutschen und madjarischen Okkupation im Eigentum stand oder noch steht: 1. des Deutschen Reiches, des Königreichs Ungarn, von Körperschaften des öffentlichen Rechtes nach deutschem oder ungarischem Recht, der deutschen nazistischen Partei, der madjarischen politischen Parteien und anderer Personenvereinigungen, Fonds und Zweckvermögen dieser oder der mit deren Formationen, Organisationen, Unternehmungen, Einrichtungen, Personenvereinigungen, Fonds und Zweckvermögen dieser oder der mit ihnen zusammenhängenden Regime, wie auch anderer deutscher oder ungarischer juristischer Personen, oder 2. physischer Personen deutscher oder madjarischer Nationalität mit Ausnahme der Personen, die nachweisen [also für niemanden Unschuldsvermutung, G.H.], daß sie der Tschechoslowakischen Republik treu geblieben sind, sich niemals gegen das tschechische und slowakische Volk vergangen haben und sich entweder aktiv am Kampfe für deren Befreiung beteiligt oder unter dem nazistischen oder faschistischen Terror gelitten haben,.“
Die Gültigkeit des Dekrets wurde vom tschechischen Verfassungsgericht in einem Grundsatzurteil vom 8.3.1995 festgeschrieben. Das Gericht betrachtet darin die Aufhebung der Unschuldsvermutung gegenüber 4,1 Millionen Deutschen und Ungarn (Stand 1938) als rechtens und ihre entschädigungslose Enteignung als „notwendige Sanktion“. Anlaß dieses Urteils war der – dann abgelehnte - Antrag des im nordböhmischen Reichenberg lebenden tschechischen Bürgers deutscher Nationalität Rudolf Dreithaler auf (anteilige) Rückgabe seines Elternhauses.
Klaus Schaberg
Betr.: Fall Hohmann
12.11.2003, 16:58 Uhr
Ich habe die abgedruckte Rede von Herrn MdB Hohmann auch gelesen, denn Lesen bildet: In der «These» von Herrn Hohmann setzt dieser voraus, dass die Deutschen ein Volk von Tätern waren (oder sind), und zwar lässt er uns dabei präzise wissen, dass diese nur deshalb Täter waren, weil sie ihrem christlichen Glauben abgeschworen hatten.
Genauso – so weiter in der These – könnte (irgend je)man(d sich erdreisten zu) behaupten, Juden wären ein Tätervolk, weil es so um 1917 in Russland Juden gab, die ihrem jüdischen Glauben abgeschworen hatten und zu Tätern wurden. Das heißt also – wenn ich das richtig verstehe:
Es waren Deutsche, die ursprünglich Christen waren, ihrem Glauben aber abgeschworen hatten und dann zu Tätern wurde. Also sind doch Christen ein Tätervolk?!
Es waren Deutsche, die ursprünglich Katholiken waren, ihrem Glauben aber abgeschworen hatten und dann zu Tätern wurden. Also sind doch Katholiken ein Tätervolk?!
Es waren Deutsche, die ursprünglich Lutheraner waren, ihrem Glauben aber abgeschworen hatten und dann zu Tätern wurden. Also sind doch Lutheraner ein Tätervolk?!
Es waren Deutsche, die ursprünglich Vegetarier waren, ihrem Glauben aber abgeschworen hatten und dann zu Tätern wurden. Also sind doch Vegetarier ein Tätervolk?! Das habe ich jetzt schon einmal verstanden.
Was ich dabei nicht verstanden habe, wieso waren die Deutschen dann ein Tätervolk? Richtiger wäre demnach dann doch folgendes: Es waren Deutsche, die ihrem Glauben Deutscher zu sein abgeschworen hatten und dann zu Tätern wurden. Erst dann sind/waren/wären die Deutschen (nach Hohmann) doch ein Tätervolk. Aber das oben genannte hat Herr Hohmann nicht behauptet.
Denn: Weiter mit der «These» des Herrn Hohmann bezüglich der Russen, der Juden und so um 1917. Weil es so um 1917 Russen gegeben hat, die Juden waren, ihrem Glauben aber abgeschworen hatten und dann zu Tätern wurden, könnten diese Russenjuden oder Judenrussen oder Exjudenrussen oder Exrussenexjuden (oder einfacher Ex) von irgend jemandem (also von wem nur) als Tätervolk bezeichnet werden.
Das heißt aber auch, es hat 1917 Russen gegeben, die nicht Juden waren, aber auch ihrem Glauben abgeschworen hatten und dann zu Tätern wurden. Also wieder Christen (wohl der eine oder andere Orthodoxe, aber sicher auch wieder Katholiken, Protestanten), Vegetarier usw., die ihrem Glauben abgeschworen hatten und zu Tätern wurden. Das heißt also im Klartext (siehe oben): Also sind doch Christlich-Orthodoxe ein Tätervolk. Also sind wiederum doch Katholiken, Lutheraner, Vegetarier, (gegebenenfalls auch Gourmets, Gourmands, Links- wie Rechtsträger, Braunäugige, Blondhaarige, Schwarzgelockte, Zweihänder und Zweifüßer) usw, wenn sie denn ihrem jeweiligen Glauben abgeschworen hatten, je ein Tätervolk. Ich glaub', ich hab's kapiert: Nach dieser Definition sind Juden tatsächlich ein Tätervolk.
Wiederum: Erst wenn es Russen gab, die ihrem Glauben Russen zu sein abgeschworen hatte und dann zu Tätern wurden, sind (nach Hohmann) auch Russen ein Tätervolk.
Das ist doch wohl logisch und streng wissenschaftlich. Oder nicht? Selbst Henry Ford und andere große Wissenschaftler hätten daran ihre Freude. Oder hab ich etwas falsch verstanden Aber wiederum – nur als Beispiel - streng nach der Hohmann-These: Unter Stalin gab es viele Georgier, die zu Tätern wurden, weil sie ihrem Glauben abgeschworen hatten. Wenn diese auch ihrem Glauben Georgier zu sein abgeschworen haben, könnte man demnach Georgier als Tätervolk bezeichnen, so nach der Logik des Abgeordneten des Deutschen Bundestages Hohmann CDU
Wenn ich aber dann alles richtig verstanden habe ist es richtig dass: Alle Kreter lügen.
Thomas Walter, Fontainebleau, Frankreich
Betr.: Fall Hohmann
12.11.2003, 15:25 Uhr
Wie weit darf Meinungsfreiheit gehen? Die meiner Meinung nach richtige Reaktion auf die unerhörte Rede Martin Hohmanns und ihre Lobpreisungen wird in vielen privaten Stellungnahmen unter dem Deckmantel der Forderung nach Meinungsfreiheit in Frage gestellt.Dies ist meiner Meinung nach kein schlagkräftiges Argument. Denn dadurch, dass Herr Günzel seines Amtes enthoben wurde und Herr Hohmann seiner Stellung entbunden wurde, die ja immerhin mit der Entschädigung von Zwangsarbeitern zu tun hatte, wurde ihnen ja nicht die Meinung verboten. Indes ist nicht jede Meinung kompatibel mit jeder Stellung. Wenn ein General beispielsweise öffentlich verkündete, alle Soldaten seien Mörder, oder wenn ein Arbeitgeberpräsident Lenin für seine Wirtschaftspolitik lobte, so würde man sich wohl nicht wundern, wenn beide schnellstens abgesetzt würden. Genauso ist Antisemitismus eben nicht vereinbar mit einer verantwortungsvollen Stellung in der deutschen Armee oder in einer Partei, die sich selbst nicht als antisemitisch versteht. Und das ist auch gut so.
Dass also eine antisemitische Grundhaltung nicht vereinbar ist mit den Stellungen dieser beiden Personen, steht außer Frage. Jetzt muss man sich die Frage stellen, ob die Äußerungen Hohmanns nun antisemitisch waren oder nicht.
Meiner Meinung nach kann es da keinen Zweifel geben. Zerpflückt man die Rede Satz für Satz, ist der Antisemitismus nur schwer zu erkennen. Da kann man sagen, dass ja Wilson oder Churchill ähnliches behauptet hätten etc., aber das ist überhaupt nicht der Punkt. Martin Hohmann hat versucht, die Verbrechen des Nazi-Regimes dadurch zu relativieren, den Deutschen dadurch die Schuld abzusprechen, dass er die Schuld der Juden als Volk (nicht als Religionsgemeinschaft, aber das sei jetzt mal nur Nebensache) zu beweisen suchte. Dazu griff er jenes Klischee des jüdischen Bolschewismus auf, der mal wieder an allem Schuld gewesen sein soll. Dies geht selbstverständlich an den historischen Tatsachen und an der Vielschichtigkeit der jüdischen Populationen in aller Welt total vorbei. Die Juden stellen immerhin eine Gemeinschaft dar, die so vielschichtig ist, dass man ihnen zugleich Extremkapitalismus und Bolschewismus vorwirft. Das Problem ist also nicht, dass er sagt, dass soundsoviel Prozent der Revolutionäre Russlands Juden waren; das mag schon stimmen (ich nehme mal an, er hat das recherchiert). Das Problem ist vielmehr die dahinter stehende Intention, dem Weltjudentum die Revolutionsopfer Russlands anzulasten, denn sonst hätte diese ganze Argumentation ja gar keinen Sinn. Und dieses Anliegen ist, wenn mir die Beurteilung gestattet sein mag, antisemitisch.
Gunther Schirmer, Leipzig
Betr.: Fall Hohmann
12.11.2003, 13:38 Uhr
Diese Geschichte zeigt mir, wie schwach Frau Merkel eigentlich ist. Als Vorsitzende einer großen Partei hätte sie nicht so lange herumzicken dürfen, sondern dank ihrer Autorität ihren Willen durchsetzen müssen. Ohne Widerrede. Entweder sie hat keine Autorität oder keinen Willen. Das ist das Dilemma. Deshalb machen ja die Herren Merz und Freunde mit ihr was sie wollen. Ein wenig M. Thatcher würde ihr gut tun.
Michael Hack, Frankfurt am Main
Betr.: Fall Hohmann
11.11.2003, 12:48 Uhr
Die Berichterstattung der NZ zum Thema Hohmann war sehr angenehm. Auch wenn der Artikel zu den «Juden im Kommunismus» zwar wohl gemeint, aber in der Tat ein wenig am Thema vorbei geht.
Der Fall Hohmann stellt eine Zäsur in der politischen Kultur der Bundesrepublik dar, denn zum ersten Mal hält mit Martin Hohmann ein Vertreter einer demokratischen Partei eine offen antisemitische Rede. In vielerlei Hinsicht drücken sich in dessen Worten vom 3. Oktober 2003 diejenigen Vorurteile, Propagandamotive und Denkstrukturen aus, die am 9. November vor 65 Jahren zur so genannten Reichspogromnacht und darauf folgend zum millionenfachen Mord des Holocaust geführt haben.
Hohmann beschwört das Bild des bolschewistischen Juden, das auch Goebbels im Munde führte. Vor allem aber führt er an, man könne das ganze Judentum für die verbrecherischen Taten einiger jüdischstämmiger Kommunisten, die wohlgemerkt als Kommunisten Atheisten und damit keine Juden waren, verantwortlich machen. Er meint, dies könne man behaupten, wenn man gleichzeitig die Deutschen als Tätervolk bezeichne. Und auch wenn die Pauschalbehauptung, alle Deutschen seien Täter gewesen in der Tat nicht begründet ist, so muss man doch festhalten, dass die deutsche Bevölkerung das verbrecherische, faschistische Regime unterstützt und geduldet hat.
Die Deutschen jüdischen Glaubens aber, die nach 1933 millionenfach umgebracht, vertrieben, misshandelt wurden, auch nur andeutungsweise für die Handlungen jüdischstämmiger Russen haftbar zu machen, ist der klare und deutliche Ausdruck einer rassistischen und antisemitischen Einstellung. Martin Hohmann hat schon in der Vergangenheit oft mit dem rechtsnationalen Feuer gespielt – seine Bewährungsfrist ist spätestens mit der Rede vom 3. Oktober 2003 abgelaufen.
Arnulf Oppermann
Betr.: Fall Hohmann
11.11.2003, 12:26 Uhr
Sehr geehrter Dr. Maier, mit viel Interesse habe ich ihren Artikel gelesen. Ich bin mit dem, was sie sagen, auch zum großen Teil einverstanden. Aber geht es denn nicht auch um die Frage, was die Juden und Israel heute tut?
Israel führt Krieg - aus welchem Grund auch immer - und kommt zu keinerlei
Einigung. Dass die Juden vor 50 bis 60 Jahren unter unserer, also deutscher Herrschaft gelitten haben, ist Tatsache. Aber heute?
Ich kann und will diese Frage nach Tätervolk nicht beantworten, dafür fehlt
mir das konkrete Wissen, und doch bleiben heute Zweifel - nicht wegen der
Vergangenheit, sondern aufgrund der Gegenwart.
Uwe Stephan, Tübingen
Betr.: Fall Hohmann
10.11.2003, 18:58 Uhr
Was einige Leserbriefschreiber nicht begreifen mögen: Herr Hohmann ist es nicht verboten, seine Meinung zu verbreiten, es wird ihm aber (hoffentlich) verboten, antisemitische Äußerungen als Vertreter einer sich als demokratisch verstehenden Partei zu tun.
Im Übrigen bewegt sich Hohmann seit Jahr und Tag am rechten Rand fundamental-christlichen Gruppierungen und findet dort Gleichgesinnte für seinen christlich-braunen Dreck. Einige Leserbriefschreiber beschweren sich darüber, dass man als Antisemit tituliert werde, wenn man Juden kritisiert. Hohmann hat aber nicht einzelne Juden kritisiert, sondern alle Juden gemeinsam: Antisemitisch ist es gerade, wenn man Menschen kritisiert, gerade weil sie jüdischer Herkunft sind, also das «Jüdische» der Kern der Kritik ist.
Leserbriefschreiber Büssers schreibt, Juden seien auch an der Münchner Räterepublik beteiligt gewesen - richtig - und was schließt er daraus, dass Juden also ein «Tätervolk» waren? Weil Juden sich an einem Freiheitskampf beteiligt haben wie auch andere Deutsche? Hier liegt der des Pudels Kern: Bestimmte Zeitgenossen möchten einen Schlussstrich ziehen, indem sie den Holocaust relativieren, ihn als ein schlimmes Ereignis unter anderen darstellen. Sie stellen die Oktoberrevolution (und hier sogar nach die Münchner Räterepublik) mit dem Hitlerfaschismus gleich. Der Hohmannsche Beitrag zur Schlussstrichdebatte ist antisemitisch und reaktionär und es ist interessant wie viele Menschen ihn in diesem Denken unterstützen.
Im Übrigen war der von Leserbriefschreiber Büsser als integerer Zeitzeuge aufgeführte Henry Ford ein - das ist historisch längst belegt - ein ausgemachter Antisemit.
Erik Geibel
Betr.: Fall Hohmann
06.11.2003, 12:25 Uhr
Keine Frage, Herr Hohmann ist nichts weiter als ein religiöser Rechter. Sein Elaborat reiht sich ein in eine lange Liste von Reden und Artikeln, in denen er die von der Katholischen Kirche beargwöhnten Minderheiten Deutschlands wie Muslime, Homosexuelle und eben auch Juden verunglimpft. […]Dennoch halte ich den Vorwurf des Antisemitismus für überzogen. In seiner Rede stellt er lediglich historische Daten in tendenziöser Weise dar – unwürdig eines MdBs – aber durchaus noch im Rahmen der Meinungsfreiheit!
Leider werden Antisemitismusdebatten in Deutschland meist von Kleingeistern angestoßen. Die politischen Reaktionen darauf sind affektiv und heuchlerisch. Mit Rügen und schnellen personellen Konsequenzen soll eine unerwünschte öffentliche Diskussion im Keim erstickt werden – das Thema ist unendlich komplex und Wahlen lassen sich damit nicht gewinnen.
Und auch die Vertreter der jüdischen Organisationen müssen sich fragen lassen, ob ihre öffentlichen Äußerungen der eigenen Gemeinde nicht einen Bärendienst erweisen. […]Es ist Zeit, dass diese Mehrheitsmeinung nicht länger von der politisch-intellektuellen Elite unseres Landes verdrängt wird.
Im Übrigen danke ich Ihnen für die ebenso professionelle wie mutige Berichterstattung zur «Hohmann-Affäre». Als eine der wenigen Online- Medien leisten sie nicht nur den Versuch, einen historischen Gegenentwurf zu den populistischen Thesen des Abgeordneten zu erarbeiten. Sie veröffentlichen auch Lesermeinungen - wohl wissend, dass mancher Stammtischbruder hier all jenen Beweismaterial liefern wird, die den (nichtjüdischen) Deutschen einen pathologischen Hang zum Antisemitismus unterstellen.
B. Schröter, Stein
Betr.: Fall Hohmann
06.11.2003, 08:50 Uhr
Ich bin entsetzt über die ausgebrochene Hetzkampagne gegen Hohmann und Günzel. Abzusehen war solches Verhalten allerdings bereits bei den Aufmärschen gegen Rechts. In unserem Lande soll nur eine Meinung gelten, und zwar die linke Ideologie. Von Gerechtigkeit gegenüber Deutschland keine Spur. Man könnte meinen, Juden sind keine Menschen, sondern Wesen vom anderen Stern, die in keinster Weise angetastet werden dürfen. Warum liest denn keiner Solschenizyn und Rogalla von Bieberstein? Sie belegen hieb- und stichfest durch Dokumente die tatsächlichen Verwicklungen des jüdischen Bolschewismus.
A. Büssers
Betr.: Juden im Kommunismus: Wie es wirklich war
06.11.2003, 00:13 Uhr
Ihr Artikel ging wohl ein bisschen am Thema vorbei. Thema der Hohmann-Rede war nicht die Zeit nach 1945, sondern die Entstehungszeit der Sowjetunion. Warum sind Sie nicht darauf eingegangen, dass um 1917 viele Juden in entscheidenden Positionen der der Bolschewistischen Partei saßen? Oder denken Sie mal an die Münchner (Räte-)Republik nach 1918: Da saßen zum großen Teil jüdische Mitbürger an den Schalthebeln - oder gaben wichtige Impulse (Eisner, Landauer, Mühsam, Toller, Stückgold etc.).
Niemand bestreitet, dass Stalin insbesondere nach 1945 eine judenfeindliche Linie fuhr. Aber das war ein Vierteljahrhundert später! Und die DDR gab es erst ab 1949!
Übrigens ist die überproportional hohe Präsenz von Juden in sozialistischen und kommunistischen Bewegungen nach dem Ersten Weltkrieg auch integren Männern wie Churchill und Henry Ford aufgefallen. Waren die zwei etwa Volksverhetzer?
Karsten Hinrich Festge, Walpersbach, Österreich
Betr.: General wegen Unterstützungsbrief für Abgeordneten Hohmann entlassen
05.11.2003, 02:17 Uhr
Ich habe das beklemmende Gefühl, in der «Metternich-Ära» zu leben. Da führte schon die Verwendung des Worts «Meinungsfreiheit» zur Relegation von allen Hochschulen des Deutschen Bundes.
In die Gegenwart: Hohmanns Äußerungen sind sicher töricht. Sie sind auch sicher unhistorisch, man kann auch sagen: ALBERN. Ebenso albern ist freilich Ihre Kommentierung des ganzen Vorgangs. Vielleicht können jüngere Menschen-Hohmann eingeschlossen - nicht begreifen, daß zumindest über ganz Europa im Gefolge des Zusammenbruchs der «Alten Welt» nach Weltkrieg 1 eine Art Blutrausch kam. Der Zerfall aller bisher geglaubter Werte. Alles schien plötzlich möglich, bis hin zur BARBAREI, wie sie dann tatsächlich stattfand im GULAG, auf den SCHINDANGERN der Nazis (so nannte Ernst Jünger die KZ), und eben auch bis hin zur systematischen Vernichtung deutscher Zivilbevölkerung in einem erbamungslosen Bombenkrieg.
Ich - jetzt 67 - war ein potentielles Opfer dieser «Maßnahmen». Es ist m.E. nach allem gänzlich abwegig, zu räsonieren über die Frage, ob die Juden Opfer oder Täter waren, immerhin eine verschwindene Minderheit in Europa. Aber sagen und schreiben sollte man doch dürfen solchen ahistorischen Unsinn, wie Hohmann das tat. Vertäufelt man den, wie geschehen, tut man den Juden durchaus keinen Gefallen. Vielmehr züchtet man in einem großen Volk ohne Not wiederum Aversionen gegen das Judentum. Und der wiederauferstandene Michel Friedmann, ein Mensch wirklich zum «Abgewöhnen», tut dann ein Übriges.
Roland Sälhoff, Rostock
Betr.: General wegen Unterstützungsbrief für Abgeordneten Hohmann entlassen
05.11.2003, 21:17 Uhr
Ich verstehe nicht diese Verwunderung oder sind alle so blind. Jeder, der in diesem Land die Augen und Ohren etwas offen hat, weiß doch ganz genau, daß in der Bundeswehr sehr viel Personal mit rechtem Gedankengut umherläuft. Hört doch auf, Euch so zu belügen oder uns für dumm zu verkaufen. Sehr geehrter Herr Struck! Niemals nehme ich Ihnen Ihre Meinung von wegen «Einzelfall» ab. Das wissen sie ganz genau.
Robert Lutz
Betr.: General wegen Unterstützungsbrief für Abgeordneten Hohmann entlassen
05.11.2003, 13:50 Uhr
Warum denn muss Hohmann in die Vergangenheitskiste greifen? Die Gegenwart ist schlimm genug:
In Palästina werden täglich Bauern enteignet, Menschen ohne Anklage ins Gefängnis gesteckt, Menschen gefoltert, die Wasserrechte der Urbevölkerung missachtet etc. Und das von einem Volk, das einmal zweifellos zu den Opfern zählte, jetzt aber zum Tätervolk geworden ist. Und unsere Parteien , die sonst immer bei entsprechenden historischen Terminen mit der Betroffenheitsmiene herumlaufen ,schweigen dazu.
Dr. Jochen Beckord
Betr.: General wegen Unterstützungsbrief für Abgeordneten Hohmann entlassen
04.11.2003, 15:57 Uhr
Herzlichen Glückwunsch, Herr Struck, für diese schnelle und konsequente Entscheidung. Es wäre schön, wenn viel mehr Dinge in diesem Land entschieden, statt zerredet zu werden.
Ich haben den Brief von Herrn Günzel erst zweimal lesen müssen, um zu begreifen, mit welcher Unverfrorenheit sich ein hohen Repräsentant unseres Staates zu seiner braunen, undemokratischen und antisemitischen Gesinnung bekennt.
Dass viele Menschen unter der Hand und in Ihren Zirkeln offen so denken und reden, habe ich schon seit langem vermutet. Aber dass ein Brigadegeneral unserer heutigen Bundeswehr einen solchen Brief verfasst und öffentlich macht, scheint mir darauf hinzudeuten, dass er sich seiner Position recht sicher fühlt und auf viel Beifall aus dem rechten Lager hofft.
Knicken Sie nicht ein, Herr Struck, und schicken Sie Herrn Günzel auf einen Intensivkurs zum Thema «Innere Führung» und «Staatsbürger in Uniform». Möglicherweise hatte er während seiner militärischen Karriere keine Gelegenheit dazu, mal «reinzuhören».
Marcus Brym, South Glamorgan
Betr.: General wegen Unterstützungsbrief für Abgeordneten Hohmann entlassen
05.11.2003, 06:50 Uhr
Ich finde es eine empörende Handlung, dass der Herr General Günzel wegen seines Briefes rausgeschmissen wurde. Meiner Meinung nach hat er nur sein Recht auf freie Meinungsäußerung ausgeübt. Mir scheint, dieses Grundrecht wird einem Deutschen heute nicht mehr zugestanden. Eigentlich sehr schade. Sobald eine geäußerte Meinung nicht der eingebläuten Ideologie entspricht wird geklagt und gekündigt, und sollte die Meinung in irgendeiner Weise negativ über jüdische Mitbürger lauten, so wird es gleich zur Volksverhetzung. In welchen Land leben wir denn ? Ich denke so knappe 60 Jahre nach dem Krieg sollten kritische Bemerkungen durchaus erlaubt sein. Noch immer werden Millionen an Steuergeldern zur «Wiedergutmachung» gezahlt, auch von meinen, obwohl ich erst 30 Jahre nach dem Krieg geboren wurde. Und sobald sich jemand darüber empört ist er gleich ein Nazi. Angesichts der schlechten Wirtschaftslage sollte man die Politik doch mal überdenken. Deutschland scheint immer dann gefragt zu sein wenn es ums Bezahlen geht, aber wenn es ums Entscheiden geht, sollen wir schön brav ruhig in der Ecke stehen und Ja und Amen sagen.
Olaf Meyer, Dresden
Betr.: General wegen Unterstützungsbrief für Abgeordneten Hohmann entlassen
04.11.2003, 17:41 Uhr
Der (ehemalige) Kommandeur des KSK, Brigadegeneral Reinhard Günzel, ist kein Unbekannter. Bereits vor einiger Zeit gab er ein Interview über die militärische Risikobereitschaft von Politikern und Auslandseinsätze des KSK und deren Erfolgsaussichten, das vom Verteidigungsministerium umgehend dementiert wurde.
Zudem plädierte er für ein sehr hartes Vorgehen gegen Demonstranten, die gegen eine Bundeswehrübung in einem Nationalpark demonstriert hatten. Brigadechef G. gab damals zu, um professionelle Gelassenheit gerungen zu haben. 'Wir hätten das Problem schnell gelöst, wenn wir nicht sehr, sehr an uns gehalten hätten.' Mit der 'Faust in der Tasche' habe er sich einen entsprechenden Befehl an seine Soldaten verkniffen, sagte Oberst G. vor Journalisten
Laut Mitschnitt der Pressekonferenz am 16. Oktober 1996 zog Oberst G. sogar den Einsatz von Fallschirmjägern gegen die Demonstranten in Betracht.
Patricia Ködel,
Betr.: General wegen Unterstützungsbrief für Abgeordneten Hohmann entlassen
04.11.2003, 22:31 Uhr
Die Ereignisse des heutigen Tages zwingen mich zum Aufschrei. Fakten der Geschichte sind nicht diskutierbar. Geschichte ist geschehen, unabänderlich. Herr Hohmann hat Fakten zitiert, die vor ihm der US-Amerikaner Ford in einer Rede ins öffentliche Gedächtnis zurückrief. Der Amerikaner steht jedoch keineswegs im Visier seiner jüdischen Mitbürger. Seltsam, nicht wahr?
Der Deutsche dagegen wird gemaßregelt. Und ein zweiter Deutscher, der die Rede lobt, wird sogar mit Berufsverbot gestraft. Sind wir schon wieder so weit, dass man in Deutschland Zitate und Meinungen nicht äußern darf? Wo bleiben die verfassungsrechtlich verbrieften Rechte, nämlich das Recht auf Meinungsfreiheit?
Diese antideutsche Einstellung, die hier sogar von den eigenen Regierungsvertretern zur Schau getragen wird, ist genau die Saat, die als Fremden- und auch Juden-Hass neu aufgehen wird. Genau so ist der Satz zu verstehen, dass der Zentralrat der Juden der größte Förderer des Judenhasses in Deutschland selbst sei. Rechtsradikale, zu denen ich mich in keiner Weise rechne, freuen sich über jede derartige Entgleisung, weil sie wieder neue Sympathisanten bringt.
Der Zentralrat der Juden, aber keiner unserer europäischen Nachbarn erwartet von uns Deutschen, dass wir uns auf eine Minderheit (die Waffen-SS) in einem Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts (1933 bis 1945) reduzieren lassen und demütig das Haupt senken bis ans Ende der Tage.
Es erschreckt mich, die Verschüchterung unserer Politiker zu sehen. Wir haben geschafft, was uns so schnell keiner nachmacht. Wir dürfen stolz sein. Auch Politiker dürfen einem Herrn Spiegel gerade ins Gesicht schauen und die Worte ihres Landsmannes als das nehmen, was sie sind: ein Zitat im Konjunktiv. Nur Mut zu den Fakten!
Dr. Rafael Korenzecher, Berlin
Betr.: Offener Brief an Martin Hohmann
03.11.2003, 02:29 Uhr
verzeih mir, dass ich mich auf diesem Wege zu so früher Stunde und dann auch in derart vertraulicher Form an Dich wende. Aber die Brücke, die Du in so treffgenauer Weise zwischen uns geschlagen hast gibt mir den Mut dazu. Nein, da musst Du gar nicht zu bescheiden sein und deine schöne Rede wegen des unsinnigen Heuchelgeschreis der - ich darf Dich doch zitieren ? - «der allgegenwärtigen Mutzerstörung im nationalen Bewusstsein» bereits zum Opfer gefallenen Kleingeister wieder herunterspielen. Was kannst Du von denen schon erwarten, da haben dich ja gottlob Deine mit dir auf Deiner formidablen Homepage so wunderbar verlinkten Freunde vom Arbeitskreis Konservativer Christen (www.a-k-c.de) in ihren Traktaten zur «Deutschen Vergangenheit» schon richtig vorgewarnt.
Nein, enttäusche mich nicht und knick nicht aus Gründen der Parteiraison gegen Deine eigene Überzeugung ein. Bleib Dir und Deiner jahrelang gelebten Linie treu. Sei ganz Du, so wie auf den schönen Vortragsabenden vor den deutschen Burschenschaften und Vertriebenenverbänden, die Du immer so geliebt hast und die Du so schön auf Deiner Website illustrierst.
Du bist ein guter Vertreter Deines Volkes und hast wirklich keinen Grund Dich zu entschuldigen, wie es Deine Chefs von der CDU jetzt halbherzig von Dir verlangen müssen. Schon gar keinen Grund hast Du verlegen zu sein wegen des Lobs, das Du hier von einem Juden bekommst.
Im Gegenteil, du hast allen Grund stolz zu sein, stolz wie ich es jetzt auf Dich bin, Du mein Vertreter. Ich mag jetzt gar nicht mehr daran denken, dass diese Vertretung bisher von beiden Seiten eher mehr widerwillig geschah, aber das ist ja nun endgültig Vergangenheit.
Du hast Nähe geschaffen. Nähe zwischen Dir und mir. Was die vielen, dem deutschen Volk - an Deinem entschiedenen Widerstand vorbei - ausgesaugten Milliarden erzwungener Entschädigungsleistungen nicht annähernd erreicht haben und auch niemals erreicht hätten, hast Du mit einer einzigen Rede erledigt.
Wir sind jetzt Brüder. Brüder im Geiste und Brüder in der Tat, so als Angehöriger eines Tätervolkes zum Angehörigen eines anderen Tätervolkes. Wie gut das tut und wie das befreit - Du und ich - Komplizen für die Ewigkeit. Nie hätte ich es zu glauben gewagt. Und da faseln die «national Mutzerstörten» ( ich liebe Deine Wortwahl) auf Deiner und die ewigen Nörgler auf meiner Seite von Belastung und geschichtlicher Hypothek, von besonderem Verhältnis und Befangenheit zwischen Deutschen und Juden.
Welche Belastung, welche Befangenheit - die deutsche Geradlinigkeit und die klare Sprache von Menschen wie Du beweisen: das ist alles längst überwunden, da gibt es keine Schuld und schon gar keine Befangenheit. Mut hast Du mir gemacht durch Deine großartige ' WirTäterUnterUns-Rede', die Du - ganz Vertreter Deines Volkes - Deinem politischen Gewicht entsprechend auf so bedeutender Bühne wie Neuhof, oder war es vielleicht sogar Neudorf, dem - seinen Atem anhaltenden Weltpublikum - geschenkt hast.
Dabei hast Du mit dem Dir eigenen politischen Instinkt Deine Verantwortung um die gebeutelte Wirtschaft unseres Landes im allgemeinen und die angespannte Absatzlage der Autoindustrie im besonderen nicht einen Moment aus den Augen verloren. Mit der Würdigung der großen Verdienste Henry Fords um die längst überfällige Gleichstellung der Juden mit den ihm befreundeten deutschen Nazitätern, hast Du neben einer Harmonisierung des deutsch-jüdischen Verhältnisses einen bedeutsamen Beitrag zur Verbesserung der Absatzlage der gleichnamigen Autofirma und zur Sicherung deutscher Arbeitsplätze am Standort Deutschland geleistet.
Beschämt hast Du mich aber vor allem mit den wundervollen versöhnlichen Worten über das gegenseitige Leid und Unrecht, die Du im Nachgang zur Vervollkommnung und Abrundung Deines beeindruckenden Ford-Marketing-Auftritts für die stets unverbesserlichen Gegner unserer Verbrüderung gefunden hast.
Da Du mit Deinem Beitrag, mir und meinen jüdischen Mittätern bereits ein über jede Dir zuzumutende Belastbarkeit hinausgehendes Maß an Gerechtigkeit und Verständnis entgegengebracht hast, kann ich als Dein neuer Freund und Angehöriger des von Dir neu entdeckten Tätervolkes nicht derart beschämt zurückstehen und möchte daher die sich mir hier bietende Gelegenheit nutzen, um folgerichtig Abbitte zu tun:
1. Für alle Deutschen, die jemals als Bürger eines jüdischen Staates von einem Tag auf den anderen ihrer Bürgerrechte beraubt worden sind und mit Berufsverboten für ihre Ausbildungsberufe belegt wurden.
2. Für alle Deutschen, die jemals von Juden sichtbar zum Zwecke der Diffamierung und Entrechtung markiert worden sind und denen unter drakonischen Strafen verwehrt wurde Theater, Kinos, Kultur- und Sportstätten zu besuchen und Mitglieder in Vereinen und Berufsverbänden zu sein.
3. Für alle Deutschen, die jemals von Juden zwangsenteignet worden sind und gezwungen wurden machtlos zuzusehen, wie ihre Kirchen und Gemeindezentren und Geschäfte und Wohnungen von Juden aufgebrochen, verwüstet und angezündet worden sind.
4. Für alle Deutschen, deren Familien jemals von Juden auseinandergerissen worden sind, deren Väter, Mütter, Kinder und Geschwister willkürlich auf der Straße, in ihren Arbeitsstellen und in ihren Wohnungen zu beliebigerTages und Nachtzeit von jüdischen Polizisten oder SS-Leuten festgenommen, verschleppt und deportiert worden sind.
5. Für alle Deutschen Männer ,Frauen Kinder und Säuglinge, die ´von Juden in besonderen Stadtbezirken unter nahezu völligem Abschneiden von jeder Versorgung mit Nahrung und ärztlichen Notwendigkeiten eingepfercht und ghettoisiert worden sind.
6. Für alle Deutschen, die von Juden in ganz Europa systematisch gejagt, verfolgt und in sogenannten Konzentrationslagern interniert worden sind.
7. Für alle deutschen Frauen, Männer, Kinder und Säuglinge, die jemals von Juden in zahlreichen KZ's hinter Stacheldraht und unter permanenter Bewachung in menschenunwürdigen Baracken gehalten, der täglichen Willkür jüdischer Schergen augeliefert, gequält, zu Zwangsarbeit gezwungen, sexuell und zu medizinischen Versuchen missbraucht, gefoltert, verstümmelt, erschlagen, erschossen und letztendlich systematisch massenvergast worden sind.
Da mein Erinnerungsvermögen, wie das aller Täter etwas zu wünschen übrig lässt, kann ich Dir nicht wirklich zusichern, dass ich damit schon alle Greueltaten aufgezählt habe, was aber meine Abbitte nicht schmälern soll.
Nun mein Bruder von der parallelen Tätergruppe, etwas neugierig macht es mich schon, ob Du, wenn all dies unsererseits wirklich so geschehen wäre, wie es umgekehrt von Deinem Tätervolk an uns vollzogen worden ist, immer noch so unbefangen im trauten Kreis Deiner Wähler von der Gleichgewichtung des Leidens und der gegenseitigen Schuldzuweisung schwadronieren würdest.
Mir bleibt nur, Dir im Interesse aller Menschen zu wünschen, dass Dir die Überprüfung dieser Frage für immer erspart bleibe.
Aufrichtig, Dein Bruder vom anderen Tätervolk
Dr. Rafael Korenzecher
(Herausgeber Jewish Berlin Online)