05. Mai 2003 10:58, ergänzt 26. Mai 2003 15:34
Lesermeinungen vom Mai 2003.
Bernhard Lücke
Betr.: Hannover Rück leidet unter starkem Euro
27.05.2003 14:38 Uhr
Ich bin regelmäßiger - zahlender - Leser der Netzeitung. Gelegentlich läßt meine allgemeine Zufriedenheit mit Ihren Texten allerdings sehr nach. An o.g. Artikel stört mich z.B. die Wortwahl in der Überschrift. Wenn der gerade erst stark gestiegene Gewinn einer Firma nur leicht zurück geht, - so finde ich - kann eine Firma nicht «leiden». Unter Leid verstehe ich anderes, beispielsweise wenn Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen werden müssen.Ich bedaure die Leichtfertigkeit, mit der auch Sie sich in Reißerischem verlieren. Es entsteht Stimmung, die sachliche Berichterstattung verliert sich.
Hans Müller
Betr.: Grand Prix 2003: Pop-Gala statt Schlager-Einerlei
26.05.2003 09:58 Uhr
Warum berichtet niemand darüber, wie sich die skandinavischen und die baltischen Länder Punkte zuschieben? Russland an Rumänien, Rumänien an Russland, Schweden an Island und Norwegen und Estland, Norwegen an Schweden und Island, Estland and Lettland und Bosnien an Kroatien und Slowenien, Slowenien and Kroatien und Bosnien etc. etc. Und dann wird noch behauptet, es sei «Televoting», wenn Griechenland und Türkei die höchste Punktezahl bekommen? Muss diese Schiebung unbedingt sein? Und warum berichtet niemand darüber? Letztes Jahr ist es mir verstärkt bei den skandinavischen Kandidaten aufgefallen, dieses Jahr bei den ehemaligen Ostblockländern! Das erklärt auch, warum diese gelangweilten Russinnen trotzdem noch den 3. Platz erreicht haben.
Sascha Preiss
Betr.: Rice: Keine Annäherung zwischen Bush und Schröder
24.05.2003 13:10 Uhr
Der Widerspruch zwischen den weltpolitischen Realitäten und dem mangelnden Demokratieverständnis des, per Gerichtsbeschluss bestimmten, Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika kennt offensichtlich keine Grenzen. George W. Bush sagt: «Fischers Lebenslauf passt nicht zur Vita eines Staatsmannes» ist ein deutliches Indiz für ein völlig verirrtes Rechtsempfinden.
Wolfgang Mayer
Betr.: NRW-SPD lehnt Ausbildungsplatzabgabe ab
22.05.2003 10:46 Uhr
Ich betreibe eine Apotheke. Durch Ulla Schmidt wurde mein Bruttoeinkommen um 35 Prozent geschmälert. Wenn es zu einer Zwangsabgabe kommen sollte, werde ich einen Ausbildungsplatz schaffen und dafür einem anderen Mitarbeiter kündigen. Nach der Ausbildung werde ich den Azubi kündigen, weil ich keinen Bedarf habe; zur Vermeidung einer Abgabe werde ich einen weiteren Azubi ausbilden und entlassen. Ist das die Lösung?
Michael Schütz, Ludwigshafen
Betr.: Armee wird nicht mehr Deutschland verteidigen
22.05.2003 06:26 Uhr
Schon wieder ein deutlicher Beweis für die Regierungsunfähigkeit der SPD!
Wenn Herr Struck die Bundeswehr vornehmlich nicht mehr zur Landesverteidigung einsetzen will muss er die Wehrpflicht abschaffen! Hierfür genügt ein Blick ins Grundgesetz.
Auslandseinsätze können nur von Berufs- und Zeitsoldaten ausgeführt werden - ein Wehrpflichtiger kann hierzu nicht gezwungen werden.
Johannes Hazelnuss
Betr.: Eschede-Prozess gegen Geldbuße eingestellt
18.05.2003 19:18 Uhr
Am Tag des Unglücks sah ich beim Sender CNN in Großaufnahme ein Laufrad mit gelöstem Radkranz, das obenauf auf einem Trümmerhaufen lag. Am Tag darauf kam beim Sender NTV eine Anwohnerin zu Worte, die nahe der Bahnstrecke wohnte und aus ihrem Garten das Unglück unmittelbar miterlebte. Diese Frau machte 3 Aussagen. 1. Ein sehr lautes Geräusch hatte als erstes ihre Aufmerksamkeit erregt. 2. Mehrere Männer liefen unter die Brücke. 3. Der Zug näherte sich viel zu schnell, auf Grund von Bauarbeiten war zeitlich das Tempo der passierenden Züge deutlich reduziert. Äusserung 1 wurde erst Wochen später offiziell bestätigt. Die Leichen der Bauarbeiter unter der Brücke wurden erst nach dem offiziellen Ende der Bergungsarbeiten gefunden. Zu der Geschwindigkeit des Zuges wurde niemals wieder etwas bemerkt.
Karl-Hartmut Blesik, Berggießhübel
Betr.: Experten bezweifeln Börsentauglichkeit der Bahn
18.05.2003 11:42 Uhr
Es gibt noch viel mehr Gründe, als die von Herrn Ilgmann zitierten, die gegen einen Börsengang der DB AG sprechen.
Die Börsengänge von Post und vor allem der Telekom haben gezeigt, dass privatisierte Staatsunternehmen nicht unbedingt eine zuverlässige Geldanlage sind. Der Versuch, möglichst viele Bürger am Staat zu beteiligen (und das zu kaufen, was ihnen sowieso schon gehört) endete mit einem Desaster. Sollte gerichtlich festgestellt werden, dass die Telekom beim letzten Börsengang tatsächlich mit geschönten Zahlen gearbeitet hat, dürfte auch das Vertrauen der Großanleger in Aktien der Bundesrepublik Deutschland endgültig schwinden.
Letztendlich stellt sich die Frage ob es denn überhaupt wirtschaftspolitisch sinnvoll ist, den Moloch DB AG als Konzern aufrecht zu erhalten. Wie bei der Telekom zu sehen, hat das weiterhin bestehende Ungleichgewicht die erhoffte Bildung eines großen Marktes mit vielen Anbietern bislang stark behindert. Bleibt die DB AG bestehen, wird es auch auf der Schiene zu keinem echten Wettbewerb kommen. Die kreativen Kräfte der freien Marktwirtschaft, die für eine Belebung des Verkehrsträgers sorgen sollten, erhalten keine Chance.
So muss nicht nur Herr Ilgmann heute feststellen, dass die Bahnreform gescheitert ist. Die Schuld dafür darf man aber nicht nur bei Herrn Mehdorn suchen. Vielmehr sind die Schuldigen in der Bundesregierung zu finden. Denn dort hat man tatenlos zugesehen, wie die Regelungen des Bahnreformgesetzes vom Unternehmen DB AG nach dessen Gusto ausgelegt, interpretiert und ignoriert wurden. Ganz im Gegenteil hat die Regierung selber manches Mal fünfe gerade sein lassen. So hat der Bundesrechnungshof in seinen Bemerkungen zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes Jahre 2000 festgestellt, dass bei der Mittelbewirtschaftung zur Finanzierung des Schienenwegeausbaus gegen Haushaltsrecht verstoßen wurde. Die Bundesregierung hat auch entgegen dem Rat der Expertenmehrheit den großen Geburtsfehler der Bahnreform, die nicht erfolgte Trennung von Netz und Betrieb manifestiert. Man erinnere sich, dass Herr Mehdorn sich seinerzeit selbst in das Expertengremium berief! Dass die DB AG diese Situation skrupellos und nicht immer gesetzestreu nutzt ist zwar bekannt, wird aber im völlig überflüssigen und inhaltlich absolut indiskutablen Wettbewerbsbericht ebenso wenig erwähnt wie in der Bundesregierung diskutiert.
Zu allem Überfluß ist festzustellen, dass die DB AG als Unternehmen gravierende Mängel in technischen und unternehmerischen Basisfunktionen aufweist. Wieso kauft die DB AG unausgereifte Fahrzeuge, die im Betrieb ein einziges Ärgernis sind? Wieso ist die DB AG nicht in der Lage beim Bau neuer Eisenbahnstrecken die Kosten auch nur halbwegs richtig zu schätzen? Kein Investmentbanker dieser Welt wird in ein Unternehmen investieren, dessen Planungen regelmäßig im Bereich des Vielfachen überschritten werden. Die Unfähigkeit, attraktive und kundenorientierte Leistungs- und Preisangebote zu finden ist sowieso der unternehmerische Offenbarungseid.
Die Geschichte der Bahnreform und DB AG ist die eines sozialistischen VEB. Wen wundert es, dass sie eine traurige ist? Wer wird also in ein Unternehmen investieren das so viele Altlasten mit sich herumschleppt, das eine einzige große Blase heißer Luft ist?
Das Auswechseln des Bahnvorstandes ist längst überfällig. Allerdings macht es keinen Sinn, so lange die Bundesregierung den Auftrag an die DB AG unverändert lässt. Das Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, kann nur mit geänderten Randbedingungen erreicht werden. Dazu gehören die Trennung von Netz und Betrieb und die Privatisierung der DB AG in Strukturen, die den deutschen Verkehrsunternehmen eine Chance geben, auch den mittelständischen.
Dieter Huck, München
Betr.: Viele wollen Johannes Rau behalten
17.05.2003, 15:03 Uhr
Haben denn die Deutschen allen Verstand verloren - Johannes Rau wieder haben zu wollen. Brauchen wir wirklich abgehalfterte Politiker. Normale Arbeitnehmer schickt man mit 50 in den Vorruhestand oder auf das Abstellgleis. Aber die Politiker? Deutsche Politik? Nein Danke.
Thomas Cleve
Betr.: Bush trifft Hessens Ministerpräsidenten Koch
17.05.2003, 07:04 Uhr
Toll! «Gott sprach mit Koch»... Müsste es eigentlich heißen. Wann wird endlich aufgehört, dieser Marionettenfigur, die auftragsgemäß die Welt mehrfach belogen hat, den Hof zu machen. Oder reicht der lange Arm der amerikanischen Pressegleichschaltung bis nach Deutschland?
Frank Dohrmann, Borkwalde
Betr.: Eschede-Prozess gegen Geldbuße eingestellt und vorhergehender Leserbrief
10.05.2003 14:38 Uhr
Inwiefern ein Aufatmen durch die Republik gehen soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Dass es drei einzelne Ingenieure erwischen sollte, war schlimm und ist nunmehr irgendwie durch ein juristisches Vehikel korrigiert worden.
Zumindest hat, wie in vielen anderen Fällen, die Bahn wieder einmal gesiegt und es wurde wiederholt, wie in vielen anderen Verfahren vorher, den Hinterbliebenen der Opfer mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Weil das in Deutschland gerade für die Bahn Tradition hat, mag Sie das persönlich befriedigen. Mich wohl eher nicht. Auch die Bahn ist zumindest bisher theoretisch in einer Verantwortung gegenüber den ihr zum Transport in Obhut gegebenen Personen gewesen, so wie Airlines und Reedereien oder Busreiseunternehmen auch. Diesen Fakt mag das jüngste bahnumsichtige Urteil nun etwas verbiegen.
Auf Dauer kann dieses eigenartige Demokratie-/Rechtsverständnis aber kräftig nach hinten los gehen, Sicherlich - und das meinten Sie, so denke ich - hat der «Staat im Staate» Bahn ungeheure Sonderrechte. Aber: Jedes der Opfer ist in meinen Augen eines zuviel. Technischer Fortschritt kann, auch wenn Sie das so sehen mögen, keine Rechtfertigung für Verletzungen oder gar fahrlässige Tötungen sein. Die Schuld dafür hat zumindest nun moralisch die Bahn in Gänze zu tragen, vor finanziellen Forderungen wird sie sich ausgiebig zu schützen wissen. Das Hauptproblem war erkennbar für die Bahn nicht der bedauerliche Unfall an sich sondern vielmehr die damit verbundene Unterrichtung der Öffentlichkeit.
Wahrscheinlich ist es auch das, was Sie hier stört. Sollten Sie zur Zunft der Ingenieure - so wie ich auch - gehören, sollten Sie sich vielleicht einmal an die mit der Tätigkeit nötige Verantwortung besinnen. Mir wurde diese zumindest schon in frühen Semestern anhand sehr einprägsamer ungewollter aber dennoch nicht minder schrecklicher Beispiele anheimgestellt. Wir sind auch alle nicht immer fehlerfrei.
Das Urteil war in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: 1. hat eigentlich keiner mit einer gerechten Bestrafung gerechnet, weil sie an den statuierten Exempeln so nicht praktizierbar gewesen wäre und 2. hat die Bahn wieder erfahrungsgemäß Rückenwind für die seit Jahren gefahrene Taktik der Verschleierung von Verantwortlichkeit erfahren.
Auch mit dieser Rechtssicherheit im Nacken tun Sie dennoch nicht gut daran, so etwas gut zu heißen und in das verrottete Horn eines maroden Staatsunternehmens ohne Verantwortungsbewusstsein zu tuten. Sei es auch, weil sie vielleicht selbst ihren Broterwerb auf DB-Fundamente gründen. Rechtfertigung gegenüber über hundert Toten bleibt das nicht. Ich darf nur hoffen, dass das von Ihnen geäußerte auch von Opfern gelesen wird.
Walmor Fernando Lessmann, Brasilien
Betr.: Eichel gibt wichtige Sparziele auf
10.05.2003 14:10 Uhr
Ich meine, dass Herr Eichel nicht bis 2004 warten sollte. Und auch nicht vergessen, seinen Chef mitzunehmen. Es zeigt sich heute wie falsch die SPD-Wiederwahl war. Auch wenn von der Konkurrenz kein Wunder zu erwarten war, immerhin hätte eine Wende neue Hoffnungen erweckt.
Thomas Fuegner, München
Betr.: Effenberg zeigt's sich selbst
9.05.2003 17:40 Uhr
Nach den Peinlichkeiten um die Bohlen- Biografie, Daniel Küblböck, Effes Buch, ist es Zeit sich an die beste Waffe der Journalisten zu erinnern. (Warum vergeßt Ihr sie so oft?) Zu Tode IGNORIEREN! (Tucholsky)
Arge Lleinen
Betr.: Eschede-Prozess gegen Geldbuße eingestellt
08.05.2003 22:54 Uhr
Ein Aufatmen geht durch die Republik. Der letzte Sündenbock-Prozess ist endlich beendet worden, wenn auch mit 10.000 Euro Geldbuße für..., tja, eben: für was eigentlich? Zwei beliebige Mitarbeiter des Eisenbahnzentralamtes in Minden und ein Ingenieur des Radreifenherstellers Thyssen, die weder beim Unglück zugegen waren, noch es durch persönlichen Einsatz hätten verhindern können, die weder alleinverantwortlich sind für die Konstruktion der Radreifen oder die Grenzwerte, bis zu denen sie abgefahren werden durften, noch irgendwelche negativen Erfahrungswerte hatten, um diese Grenzwerte von sich aus und alleinverantwortlich signifikant heraufzusetzen, sollten mal eben für den Tod von 101 Menschen in Eschede verantwortlich gemacht werden!!
Dies ist den weltfremden Anwälten der Hinterbliebenen glücklicherweise nicht gelungen, die zu glauben scheinen, dass man ein Menschenleben in Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen 100-prozentig absichern und im Schadensfall, hier im Falle eines unvorhersehbaren Unglücks, durch finanzielle Wiedergutmachung ersetzen könne. Oder nach dem Motto Auge für Auge gar. Vielleicht kann man die Bahn oder den Hersteller als Unternehmen insgesamt wegen verfehlter technischer Einschätzung des zentralen Verschleißteils eines Waggons haftbar machen, dazu kenne ich aber die Hintergründe der Gutachterberichte nicht genug. Dass der unendliche Stress der ewigen Vorermittlungen und der acht Monate währenden Verhandlung, die persönliche Belastung der drei Ingenieure nun aber vorbei ist, denen man diese unerhörte Schuld aufbürden wollte, stimmt mich -- angesichts der Ferne des Geschehens -- eigentlich völlig unerwartet glücklich. Hoffentlich knallen jetzt noch die Hinterbliebenen-Anwälte gegen den Prellbock der Einsicht!
Anne Jung, Berlin
Betr.: Ausschreitungen bei Mai-Demo in Kreuzberg
01.05.2003 19:36 Uhr
Mich erstaunt doch jedes Jahr aufs Neue, dass die Medien noch immer von «linksautonomen» jugendlichen Randalierern berichten. Wer in den letzten Jahren in Kreuzberg oder Prenzlauer Berg das Geschehen aus nächster Nähe beobachtet hat, konnte feststellen, dass es vor allem Gruppen von teuer gekleideten, mit Mobiltelefonen ausgerüsteten und gut vorbereiteten 13-16-jährigen waren, die bei den Krawallen den Anfang machten und extrem gewaltbereit auf der Straße gegen die Beamten vorgingen.
In den Sog von hin- und herwogenden «Straßenkämpfen» mit Steinwürfen und Wasserwerfereinsätzen geraten dann alle, auch die bis dahin friedlichen Demonstrationsteilnehmer oder gar ganz unbeteiligte Passanten. Selbst die Polizeiführung muß inzwischen erkannt haben, dass die überwiegende Zahl der jugendlichen Krawallmacher schon lange nicht mehr aus politischen Gründen Pflastersteine wirft und Autos anzündet, sondern den Polizeiaufmarsch zum 1. Mai quasi als Gelegenheit wahrnimmt, ihrer Zerstörungswut und Gewaltbereitschaft freien Lauf zu lassen.
So entsteht paradoxerweise gerade durch die Präsenz der «Ordnungsmacht» ein rechtsfreier Raum. Sonst ganz bürgerliche Schülerinnen und Schüler kommen in Gruppen und mit viel Alkohol im Gepäck an diesem Tag nur für einen einzigen Zweck nach Kreuzberg. Offenbar hat auch die Polizei erkannt, wer denn da inzwischen der Gegner ist, zumal in diesem Jahr verstärkt auf Präventionsgespräche resp. -Auftritte an Berliner Schulen gesetzt wurde. So sollten also auch die Medienschaffenden mit Wendungen wie «linksautonome Randalierer» und «Chaoten aus der Hausbesetzerszene» im Zusammenhang mit den Maikrawallen in Berlin etwas kritischer umgehen.