07. Mai 2002 09:53, ergänzt 29. Mai 2002 15:37
Die Leserbriefe im Mai 2002.
Arge Lleinen
Betr.: Streit zwischen Möllemann und Friedman
28.05.2002, 19:31 Uhr
Jürgen Möllemann hat sich - in gewohnter Tapsigkeit - schützend vor den polemisch argumentierenden, politisch ungeschickt, um nicht zu sagen taktlos agierenden und in seiner Parteienwechselfreudigkeit unglaubwürdigen Jamal Karsli gestellt. Das war mit Sicherheit ein Faux Pas! Jamal Karsli sollte so wenig in die politische Diskussion mit einbezogen werden wie Jörg Haider, der politische Rattenfänger.Den israelischen Premierminister Ariel Scharon als kriegstreiberischen Regierungschef zu bezeichnen, mag auch nicht ganz unbrisant sein. Nichtsdestotrotz ist seine Aussage in den Augen der Mehrheit in Deutschland und in der Welt (!) eine zutreffende Charakterisierung und damit ist es auch eine zum Frieden in Israel mahnende Geste, diese Aussage zu treffen. Mithin wird damit also auch kein deutsches Problem aufgegriffen, wie Michel Friedman meint, sondern ein Aspekt des Weltfriedens!
Michel Friedman liegt mit der Ansicht, Möllemann sei ein Antisemit und seine Anschuldigung gegenüber Scharons anti-palästinensischer Politik eine antisemitische Äußerung, jedenfalls verkehrt. Angesichts seiner Ignoranz gegenüber den politischen Verhältnissen in Israel und den Zusammenhängen mit Aussagen deutscher Politiker über die dortigen politischen Verhältnisse und gegenüber der Brisanz von Antisemitismus- Vorwürfen kann man ihn durchaus als Antikosmopoliten bezeichnen.
Überhaupt sind Michel Friedmans Antisemitismusvorwürfe gegen Jürgen Möllemann haltlos und absurd. Mit solchen verschafft man nur jemandem Sympathien der rechten Szene, der darauf gut verzichten kann. Und Sympathien der rechten Szene sind immer auch Sympathien FÜR die rechte Szene! Damit hat Jürgen Möllemann auch mit seiner zweiten Aussage Recht, dass Antisemitismus schüre, wer ungerechtfertigte Antisemitismus-Vorwürfe äußert.
Karl-Hartmut Blesik, Berggießhübel
Betr.: Wirtschaftsminister will «Sonderrecht Ost»
28.05.2002, 13:55 Uhr
Da kann man nur noch staunen mit welcher Dreistheit Wirtschaftsminister Müller Ideen klaut und als die seinen in den Wahlkampf wirft. Ausgerechnet in Dresden spricht er vom «Sonderrecht Ost», in der Stadt von CDU-Ministerpräsident Milbradt, der schon lange vor dem Bundesminister diese Idee hatte und als Forderung immer wieder ergebnislos Richtung Berlin sandte.
Unabhängig davon kommt die Erkenntnis des Ministers sehr spät, spät genug um vor der Wahl nichts mehr entscheiden zu müssen. Das spricht wieder einmal für die «Wert- (oder Gering-)schätzung» des «Ostens» durch die rot-grüne Bundesregierung.
Alexander Nuss
Betr.: Briten bereiten sich auf Atomkrieg in Indien vor
24.05.2002 14:04
Ich möchte nur zu einer Stelle Ihres Artikels Stellung nehmen :
«[...] Die USA hätten zwar Verständnis für die Empörung Indiens angesichts terroristischer Übergriffe, hieß es. Militärische Aktionen seien aber keine Antwort [...]»
Das ist jawohl das lächerlichste, was ich seit langer Zeit gehört habe. Sicherlich trifft die Aussage zu, nur ist sie aus amerikanischem Mund der blanke Hohn. Hier spricht der Wolf im Schafspelz.
Wolfgang Goretzki
Betr.: Verletzte und Festnahmen bei Anti-Bush-Demonstration
24.05.2002 14:00 Uhr
Ich glaube nicht, dass die selbsternannte und ach so überhaupt nicht antiamerikanisch eingestellte Friedensbewegung einen eventuellen Besuch der Herren Vajpayee oder Musharraf in Deutschland überhaupt bemerken würde.
Jan Sandow
Betr.: Verletzte und Festnahmen bei Anti-Bush-Demonstration
22.05.2002, 15:01 Uhr
Einmal mehr möchte ich meinen Unmut, über die zur Zeit laufenden Anti-Bush- oder Anti-US-Demonstrationen, loswerden. Ich kann es nicht verstehen, wie Politiker eine Errungenschaft der Demokratie nutzen, die wir auch den Amerikaner zu verdanken haben.
Diese Demokratie wäre so nicht existent, wenn sich 1941 nicht auch die Amerikaner in den Krieg eingemischt hätten. Berlin hätte nicht überlebt, wenn die Amerikaner nicht die Luftbrücke für seine Bewohner eingerichtet hätten.
Und wie danken die Einwohner dieser Stadt das dem amerikanischen Volk? Mit Anti-Bush-Demos, in deren Vorfeld zu Krawallen aufgerufen wird. Tolle Einwohner hat diese Stadt.
Sicher ist die Politik dieses Mannes nicht immer allen Recht, soll Sie ja auch gar nicht. Gesunde Skepsis und Kritik sind ok. Seine Meinung soll jeder frei äußern können. Das macht Demokratie aus. Aber wir sollten nicht vergessen, Bush kommt als Besucher in unsere Hauptstadt, und Besucher behandelt man anders.
Till Luge
Betr.: Regierungspartei gegen Bush und den Kapitalismus
22.05.2002, 1:34 Uhr
Ich habe bis jetzt das Angebot Ihrer Netzeitung immer sehr gerne genutzt und war von Aktualität (kein wirkliches Wunder im Internet, trotzdem jedoch keine wirklich leichte Aufgabe) und vor allem guter Recherche immer wieder positiv überrascht. Die Qualität der Beiträge ist gerade im Medium Internet ja nicht immer sehr hoch, oft nicht einmal befriedigend. Doch von dem Artikel «Regierungspartei gegen Bush und den Kapitalismus» bin ich sehr enttäuscht worden. Er stellt meines Erachtens nach die Situation völlig schief dar. So wird u.a. Attac beschuldigt, Gewalteskalationen zu tolerieren und blind gegen alle Institutionen der westlichen Welt zu wettern.
Wirkliche Alternativen zu finden ist ja bekanntlich nicht leicht, wer ein fertiges Gesamtkonzept hat gilt heutzutage zu recht als radikal und einfältig. Daher müssen Darstellungen solcher Bewegungen auch wesentlich kontroverser und genauer erfolgen. Die hier verbreiteten «Informationen» hingegen sind keine, sind weitaus eindimensionaler als ich es von Ihrer Zeitung sonst gewohnt bin. Auch die Betitelung von Ex-SEDlern als 'Stalinisten' ist zu überdenken und zu revidieren. Ansonsten vielen Dank für die gute Zeitung.
Kilian Fröhlich, Eggenfelden
Betr.: Schily wirft Stoiber «Scharfmacherei» vor
21.05.2002, 13:50 Uhr
Ich, der ich selbst als objektiver Betrachter am Sudetendeutschen Tag anwesend war, kann mich über die Aussagen Schilys nur wundern. Bei der Rede Stoibers war keine Spur von «nationalistischer Tönung» und Scharfmacherei zu bemerken. Wenn ich mich recht erinnere, fordert Stoiber auch keine Rückübereignung, die auch gar nicht mehr möglich wäre, sondern eine Bestrafung von Tschechen, die Gewalttaten bei der Vertreibung begangen haben, und eine teilweise, symbolische Entschädigung. Wenn jemand die Diskussion um die Benes-Dekrete für den Wahlkampf ausschlachtet, dann ist es Schily, der damit Stoiber zu Unrecht in die rechte Ecke stellen will.
Ralf Türkis, Velbert
Betr.: Möllemann in der FDP-Spitze isoliert
21.05.2002, 13:25 Uhr
Jürgen Möllemann ist gegen jede Kritik, selbst wenn sie von langjährigen Parteifreunden kommt, unempfindlich. Er scheint gar nicht in der Lage zu sein, seine eigene Position zu Jamal Karsli und seine unverhältnismäßigen Äußerungen zu überdenken. Unter dem Deckmantel «Israelkritik» kommt er mit antisemitischen, antiisraelischen und antizionistischen Bemerkungen daher oder verteidigt solche aus dem Munde Karslis. Er verbittet sich, in die antisemitische Ecke gestellt zu werden, nimmt aber nichts Bedeutendes seiner Äussagen zurück. Er giftet gegen jeden und alles, wie jetzt gegen Friedman, der es auch nur wagt, ihm etwas entgegenzusetzen.
Möllemann ist für die FDP untragbar geworden, Karsli sowieso. Wer um jeden Preis um Stimmen unter Moslems buhlt und dabei nicht davor zurückscheut, sich solcher Versatzstücke rechter Demagogie zu bedienen, hat in einer demokratischen Partei wahrlich nichts verloren. Der Schaden, den er für die FDP bereits angerichtet hat, ist wohl kaum noch zu beheben.
Werner Haertel, Hamburg
Betr.: Regierungspartei gegen Bush und den Kapitalismus
18.05.2002 19:32
Noch nie habe ich in der Netzeitung einen dermaßen unqualifizierten Artikel gefunden, selbst von einem Pamphlet erwarte ich mehr Sachkunde. Der Autor kann weder sozialdemokratische noch kommunistische Positionen korrekt oder weder wenigstens erkennbar darstellen und hat offensichtlich auch keinen Begriff von grundlegenden historischen Termini wie z.B. «Konkordat». Ich habe die Netzeitung bisher wegen ihrer ausgewogenen und sachkundigen Berichterstattung geschätzt (und als Startseite für meinen Browser eingestellt) und hoffe sehr, dass der o.g. Artikel ein Ausrutscher bleibt.
Edwin E. Braatz
Betr.: Schröder für Härte gegen Anti-Bush-Randalierer
18.05.2002 11:09
Seine Sicherheitsberaterin sagte gestern sinngemaess: «Worauf es uns ankommt, ist Macht - sonst nichts». Wem aber Macht das wichtigste ist, will nichts mehr dazulernen und wer nichts mehr dazulernt, macht die gleichen Fehler immer wieder. Es muss deshalb doch erlaubt sein, in Berlin friedlich zu demonstrieren und auf Fehler aufmerksam zu machen. Oder hebelt die Angst vor Amerika die im Grundgesetz verbrieften Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit aus?
Heinz Walther, Willisau/Schweiz
Betr.: Die neue Erotik des Anzugs
17.05.2002 21:45
Ich habe im Internet den Artikel über die «Neue Erotik des Anzugs» gelesen. Ich möchte alle Modedesigner und alle, die mit der tristen Männermode zu tun haben, fragen, was an einem Anzug so Erotisches dran ist. Das ist doch kalter Kaffee. Das ist doch nichts Neues. Und das mit den Farben (Mut zur Farbe), dass ich nicht lache: Ich trage schon seit sehr langer Zeit, fast alle Farben vom Rosahemd zum knallroten T-Shirt. Wenn in der eintönigen Männermode schon mal etwas Erotisches auf den Markt gebracht werden sollte, müsste man den Männerrock (Rock allgemein) so richtig lancieren und dafür Reklame machen.
Der Rock für den Mann ist zwar nichts grundlegend Neues, aber ist für den Mann gerade im Sommer das einzig bequemste, schönste, eleganteste und gesündeste (Geschlechtsorgane) Kleidungsstück. Diese 99,9 Prozent Hosengesellschaft ist wohl das allertraurigste Merkmal der Mode in unserem Westeuropäischen Raum. Ich trage übrigens schon über zwei Jahre öffentlich Röcke ohne jegliche Probleme! Und ich fühle mich darin so wohl, dass ich sie zu 100 Prozent in der Freizeit und sogar manchmal am Arbeitsplatz trage. Die Hose ist nur noch ein notwendiges Übel!
Philipp A. Riecken, Berlin
Betr.: Kreuz Leverkusen
06.05.2002, 20:16 Uhr
Über Ihren Leverkusen-Artikel habe ich mich sehr gefreut, bringt er doch die seltsame Spanne zum Ausdruck zwischen einem Verein als reinem Werbeträger und dem Fußball, den diese Mannschaft in den 34 Bundesliga-Spielen geboten hat. Jedem der vielen, vielen glühenden Anhänger dieses Sports haben die «Leverkusener Tugenden», d.h. Spielwitz, Kombinationsgabe, Leidenschaft und schließlich Leidensvermögen, im deutschen Fußball lange gefehlt. Und nun ausgerechnet Leverkusen - so wird der Sport ins Zentrum gerückt. Vielen Dank für Ihr auch sonst so geistreich geschriebenes Feuilleton!
Peter Meier-Bergfeld, Österreich
Betr.: Verletzte bei Mai-Krawallen in Berlin
01.05.2002, 08:34 Uhr
Wann hören sie endlich auf, von kriminellen Plünderern als «Demonstranten» zu schreiben. Demonstranten sind nach dem Grundgesetz Menschen, die sich «friedlich und ohne Waffen» zur Bekundung ihrer Meinung versammeln. seit 15 Jahren herrschen in Berlin zum und am ersten Mai bürgerkriegsähnliche Zustände, aber die Polizei setzt immer noch auf «Deeskalationsstrategie».
Die «Verhältnismäßigkeit der Mittel» ist nichts weiter als die Umfälschung der Dauerhissung der weißen Flagge zur sozialpolitischen Großtat - nach Kriegsvölkerrecht wird die Plünderung übrigens mit dem Tode bestraft. Aber natürlich: Der deutsche «Aufstand der Anständigen» richtet sich gegen die Riesengefahr von Rechts. In Deutschland sind vollständig alle Maßstäbe verrutscht. Das Land ist im Kern krank, von der Korruption der Amtsinhaber bis zum Totschläger auf der Strasse.