Wechsel in Bayreuth: Wagner verlässt den Grünen Hügel29. Apr 2008 13:22, ergänzt 14:28  |  Wagner | Foto: dpa |
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Die Bayreuther Festspiele bekommen im September eine neue Leitung. Wie noch vor der Beratung des Stiftungsrates öffentlich wurde, hat der 88-jährige Wolfgang Wagner seinen Verzicht erklärt.
Der Bayreuther Festspielleiter Wolfgang Wagner (88) wird nach Angaben des bayerischen Kunstministers Thomas Goppel am Dienstag seinen Rücktritt ankündigen. Ob er, wie in Kreisen vermutet, bereits Ende August seinen Posten aufgibt, wollte Goppel nicht bestätigen. Durch Wagners Rücktritt wird der Weg frei für seine beiden Töchter Eva Wagner-Pasquier (63) und Katharina Wagner (29). Sie sollen die Festspiele künftig als Doppelspitze führen.
Wagner selbst hatte diese Lösung angeregt. Der Stiftungsrat der Festspiele wollte am Dienstagnachmittag darüber beraten. Wolfgang Wagner, ein Enkel des Komponisten Richard Wagner, führt die Richard-Wagner-Festspiele seit 1951. Zunächst leitete er sie gemeinsam mit seinem Bruder Wieland. Seit dessen Tod im Jahr 1966 herrscht Wagner allein am «Grünen Hügel».
Wagner hatte vor drei Wochen überraschend seinen Rücktritt in Aussicht gestellt. Nach Einschätzung des Bayreuther Oberbürgermeisters Michael Hohl, der zugleich Geschäftsführer des Rates ist, könnte Wagner seinen Rücktritt über seine anwesenden Anwälte noch am Dienstag erklären. «Die Signale, die gekommen sind, waren sehr gut», sagte Hohl. «Wir können gedämpft optimistisch sein».
«Ich denke, dass es an der Zeit ist, zu einem Ergebnis zu kommen», sagte die oberfränkische Bezirksrätin Inge Aures. Sie selbst favorisiere eine Lösung mit Wagners Tochter aus erster Ehe, Eva Wagner-Pasquier. Eine Doppelspitze mit Wagners Tochter Katharina aus dessen zweiter Ehe mit Gudrun stehe sie jedenfalls offen gegenüber. «Frauenpower finde ich immer gut», sagte Aures. Georg von Waldenfels von der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth erklärte, er erwarte eine Lösung, die der «Weltbedeutung der Wagnerfestspiele» gerecht werde. «Ich hoffe auf ein gutes Ergebnis, das die Zukunft der Festspiele sichert», betonte er.
«Voll geschäftsfähig» Wagner hatte sich in einem Brief an den Stiftungsrat am 8. April für seine 29-jährige Tochter Katharina sowie als Alternative für eine Doppelspitze aus Katharina und seiner Tochter aus erster Ehe, Eva Wagner-Pasquier, als Nachfolgerinnen ausgesprochen. Wagners Anwalt Stefan Müller sagte vor der Sitzung, seinem Mandanten gehe es ausgezeichnet, er sei voll geschäftsfähig. Zu einem möglichen Rücktritt wollte er sich nicht äußern. (dpa/AP)
Das FestspielhausIm April 1872 baute der sächsische Komponist Richard Wagner auf eigene Kosten und mit Spendengeldern auf einer Anhöhe im Norden von Bayreuth ein Festspielhaus. Das Festspielhaus wurde 1876 mit einer «Rheingold»-Aufführung eröffnet, die aber finanziell ein Schlag ins Wasser blieb. Erst 1882 folgte mit dem «Parsifal» die zweite, auch finanziell erfolgreiche Aufführung. Nach Richard Wagners Tod übernahm seine Witwe Cosima 1873 die Festspielleitung und machte den Grünen Hügel zur Pilgerstätte der Wagner-Verehrer. Mit 1800 Sitzplätzen ist das mehrfach umgebaute Festspielhaus heute eines der größten Opernhäuser der Welt. Seine Akustik gilt als herausragend. Aufgeführt werden ausschließlich Wagner-Opern und nur im Juli und August. |
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Die NachfolgeregelungLaut Stiftungssatzung ist das Festspielhaus «grundsätzlich» an ein Mitglied oder mehrere Mitglieder der Familie Wagner zu vermieten, es sei denn, dass "andere, besser geeignete Bewerber auftreten". Für ein Nachfolgeverfahren muss zunächst der Vertrag dem derzeitigen Festspielunternehmer Wolfgang Wagner beendet sein. Binnen vier Monaten muss die Familie Wagner einen Vorschlag zur künftigen Besetzung machen. Dann entscheidet der Stiftungsrat. Die 24 Stimmen im Stiftungsrat verteilen sich wie folgt: Bund 5, Freistaat Bayern 5, Familie Wagner 4, Stadt Bayreuth 3, Gesellschaft der Freunde von Bayreuth 2, Bezirk Oberfranken 2, Bayerische Landesstiftung 2, Oberfrankenstiftung 1.. Aufgabe des Stiftungsrates ist die Aufstellung des Haushaltsplanes sowie die Vermietung des Festspielhauses. |
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