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25 Jahre Weltkulturerbe Kloster Müstair: 

Schwester Domenica als Grenzgängerin

27. Apr 2008 12:26
Grenzgängerin zwischen Klausur und Öffentlichkeit: Schwester Domenica
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In das Schweizer Kloster Müstair, das sein 25. Jubiläum als Unesco-Weltkulturerbe feiert, trat Schwester Domenica mit 25 Jahren ein. Pamo Roth zu Besuch bei Nonnen, die eine Videosammlung haben, um Lichtschalter aber vergeblich kämpften. Mit Video

[Fortsetzung von Teil I] Aus einem Fenster oben im Kloster konnte Schwester Domenica als junge Novizin abends die Lichter ihres Elternhauses sehen. Dann stellte sie sich vor, wo sich ihre Mutter und ihr Vater gerade aufhielten – manchmal war es schwer so nah an Zuhause.

Den schwierigsten Moment erlebte sie, als sie bereits ihr Gelübde abgelegt hatte und als Nonne im Kindergarten arbeitete: Bei einem Spaziergang mit den Kindern durch das Dorf kam sie zufällig am Haus ihrer Eltern vorbei. Die Mutter stand in der Tür und rief sie herein: Impulsiv wollte Schwester Domenica zu ihr gehen. Aber sie erstarrte, weil sie wusste, damit bricht sie eine Ordensregel und ging weiter. Nie wieder nahm sie diesen Weg.

Die Ordensgrenze in der Videosammlung

Schwester Domenica ist die Grenzgängerin zwischen der geschlossenen Klausur und der 'Welt draußen'. Sie macht Öffentlichkeitsarbeit als Expertin für den Orden: „Sie lebt das Kloster“, sagt die Pressereferentin. Domenica gibt Museumsführungen und bringt Besucher beim Tag der offenen Tür zum Lachen: «Das ist unser Weinkeller. Als die Mönche hier lebten, war er mit Weinfässern gefüllt, jetzt gibt es nur noch Weinflaschen.»

Ihr Lachen klingt merkwürdig fremd in den huldvoll stillen Gängen und dem ernsten Schweigen. Besagt doch die zehnte Stufe der Demut in der Regel, die der heilige Benedikt im 6. Jahrhundert auf dem Monte Cassino erhielt: «Der Mönch ist nicht leicht und schnell zum Lachen bereit, steht doch geschrieben: Der Tor bricht in schallendes Gelächter aus! Schwester Domenica korrigiert: «Lachen ist nicht schlecht, man soll nur nicht andere lächerlich machen.»

Die postmoderne Auslegung der mittelalterlichen Benediktinusregel manifestiert sich auch in der Videosammlung. «Keiner habe etwas als Eigentum. Alles ist alles gemeinsam. Den Brüdern ist es ja nicht einmal erlaubt, nach eigener Entscheidung über ihren Leib und ihren Willen zu verfügen», sagt der Heilige Benedikt. Neben «Don Camillo und Pepone» gibt es in der klösterlichen Sammlung den «Pferdeflüsterer» – fast erwartbare Klischees.

Die Ordensgrenze wird sichtbar in den Titeln, die fehlen: Die Nonnenkomödie «Sister Act» sowie «Im Namen der Rose», der vielfach ausgezeichnete, aber auch gewalttätige Film über einen Benediktinerorden ist noch nicht einmal auf Nachfrage bekannt. Das benediktinische Maßhalten wird fühlbar in den ungeheizten Gängen.

Globalisierung im Kloster

Manchmal nehmen die Auseinandersetzungen zwischen der Baukommission und den «Frauen aus einem anderen Jahrhundert», wie sie sich auf der hochwertig gestalteten Website nennen, auch groteske Formen an: «Wir müssen die Technik verstecken», sagten die Architekten und wollten keine Lichtschalter in den Zellen. «Aber Technik ist doch etwas Gutes und gehört in unsere Zeit», konterte Schwester Domenica. Leider erfolglos: Die Steckdosen wurden unter den Betten und hinter den Schränken versteckt, zum Licht anschalten, hängt ein Strick von der Decke.

Blick ins Val Müstair
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Im Refektorium klappern die Schüsseln und Becher auf dem lang ausladenden Holztisch. Darum gruppieren sich die Frauen entlang ihres Ranges und Eintrittsalters vom Kopf- bis zum Fußende des Tisches, der mit den Novizinnen abschließt. Die jüngste der zwölf Frauen ist Schwester Elisabeth mit 27 Jahren, die älteste, Schwester Cecilia, ist schon 83 Jahre alt. Sie arbeitet immer noch am liebsten im kalten Kartoffelkeller. Die Globalisierung ist auch in der Schwesternschaft angekommen: Unter den Nonnen sind zwei von den Philippinen, für die das Kloster auf den Philippinen finanziell unterstützt wird.

«Diese Männer!»

Zuerst wandert der Blechkrug mit Kaffee, dann der mit Milch, schließlich eine Schüssel mit Brot vom Kopfende zu den Novizinnen. Jede nimmt sich und schiebt schnell weiter. Von der Butter rasch ein Stück abgeschnitten, einen Klecks Marmelade. Den Zucker für den Kaffee verpasst. Mit stummer Gestik den bei den Novizinnen gelandeten Zucker zurückerbitten.

Auch der gemeinsame Esssaal birgt eine Geschichte um die Bürde der Denkmalpflege: Der Kampf um die Holzböden. Um dem barocken Anspruch zu genügen, sind diese nicht lackiert, sondern nur mit Bienenwachs eingerieben: «Aber das ist nicht optimal.» Domenicas funkelnder Blick blitzt über ihren goldenen Brillenrand. Speisereste oder Flüssigkeiten, die auf dem Boden landen, ziehen ein und hinterlassen unwiderrufliche Spuren. «Man schrubbt lange auf den Knien, aber weg kriegt man es nie ganz.»

Die Lösung der Baukommission lautete denkbar einfach: «Lasst die Patina darüber wachsen» – jedoch denkbar unpraktikabel, denn diese natürliche Schutzschicht dauert Jahrzehnte. Domenica stößt hörbar Luft aus: «Diese Männer, das sind ja lauter Männer, die müssen keine Böden putzen!» Die Patina wächst, die Nonnen schrubben.

Fastenzeit im Kloster

 
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