Unverhoffter Forscherfund:
Unbekanntes Orgelwerk von Bach entdeckt
15. Apr 2008 14:50
 |  Das Notenblatt mit der entdeckten Orgelkomposition | Foto: dpa |
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Wissenschaftler aus Halle haben bei einer Auktion eine Orgelkomposition von Bach entdeckt. Das Blatt stammt aus einem Choral und ist für das Wissen um das Frühwerk des Komponisten eine «fundamentale Bereicherung».
Eine unbekannte Orgelkomposition des Barockkomponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist jetzt von zwei Musikwissenschaftlern in Halle entdeckt worden. Bei dem Werk, handelt es sich um eine Fantasie über den Choral «Wo Gott der Herr nicht bei uns hält», teilte die Universität Halle am Dienstag mit. Von dem Werk waren bislang nur die ersten fünf Takte bekannt. Eine Fantasie ist eine spezielle Gattung in der Orgelmusik.
Die Komposition liegt in einer Abschrift des Leipziger Thomaskantors Wilhelm Rust (1822-1892) aus dem Jahr 1877 vor. Die Universitätsbibliothek hatte vor wenigen Wochen einen Teil des Nachlasses von Rust ersteigert. «Die Entdeckung bereichert unser Wissen um das Frühwerk Bachs in beträchtlichem Maß», so Wolfgang Hirschmann vom Institut für Musik. Das Stück wurde von Michael Pacholke und Stephan Blaut, die an einer Händelausgabe arbeiten, im Nachlass entdeckt. Aufgrund der stilistischen Eigentümlichkeiten datieren die Wissenschaftler die Entstehung dieses Bach-Werkes auf die Zeit zwischen 1705 und 1710.
Der Fund ist «zweifelsfrei» ein Werk Bachs
«Bach hatte den Choral, der ein bekanntes Kirchenlied ist, in einzelne Verszeilen zerlegt und die Teile verziert und für die Orgel bearbeitet, dabei wurden auch Motive erfunden», sagte Blaut. Das Orgel-Stück habe eine Länge von fünf bis sieben Minuten. Nach eingehender Untersuchung des Orgelwerks in Zusammenarbeit mit dem Bach-Archiv in Leipzig sei die Rust-Abschrift «zweifelsfrei als Werk Johann Sebastian Bachs bestimmt», so die Wissenschaftler. Bislang seien von der Fantasie lediglich die ersten fünf Takte bekannt gewesen. Das Bach-Werke-Verzeichnis (BWV) führte es deshalb unter der Nummer «Anhang II 71» als «Werk zweifelhafter Echtheit».
Bislang nur eine Choralfantasie bekannt gewesen
Nur eine Choralfantasie stammte bisher nachweislich aus der Feder des deutschen Barockkomponisten: die Fantasie «Christ lag in Todesbanden» (BWV 718). Die Entstehungszeit beider Werke datieren die Wissenschaftler in die Zeit zwischen 1705 und 1710.Rust war Musiklehrer, Komponist und Organist. Von 1880 an wirkte er als Thomaskantor in Leipzig. Verdienste erwarb er sich als Herausgeber von 26 Bänden der ersten Bach-Gesamtausgabe, für die er seit 1858 hauptverantwortlich war. (epd/dpa)