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Bayreuther Festspiele: 

Wagner regelt die Erbfolge am Grünen Hügel

12. Apr 2008 17:54
Wolfgang Wagner mit seiner Tochter Katharina
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Irgendwann hätte er nicht mehr über seine Nachfolge bestimmen können. Mit 88 Jahren hat der Patriarch erstmals einen Vorschlag gemacht, welche der ambitionierten Wagner-Töchter nach ihm die Festspiele leiten soll.

Die Geschicke der Bayreuther Festspiele lenkt schon bald möglicherweise ein Damen-Duo. Mit der Mitteilung, er könne sich künftig auf dem Grünen Hügel ein Führungs-Tandem aus seiner 29 Jahre alten Tochter Katharina und deren 33 Jahre älteren Halbschwester Eva Wagner-Pasquier vorstellen, hat Festspielchef Wolfgang Wagner die Öffentlichkeit am Freitag völlig überrascht. Noch bis vor kurzem schien der 88-Jährige allein auf die von ihm favorisierte Tochter aus zweiter Ehe, Katharina, zu setzen.

Die 3sat-Sendung «Kulturzeit» berichtete unter Berufung auf Kreise des Stiftungsrats, Wagner habe in einem persönlichen Brief an die Geldgeber der Festspiele mit Datum vom 8. April 2008 erstmals die Bereitschaft signalisiert, sein auf Lebenszeit verliehenes Amt als Geschäftsführer in absehbarer Zeit niederzulegen. Erstmals erkläre Wagner darin auch, er könne sich eine Nachfolgeregelung vorstellen und würde diese ausdrücklich unterstützen. Dieser würden seine Töchter Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier angehören, gegebenenfalls auch Christian Thielemann und Peter Ruzicka.

Zerstrittene Schwestern

Die Einbeziehung von Eva Wagner-Pasquier wäre eine Überraschung. Die 29-jährige Katharina Wagner hatte vor einigen Monaten eine Nachfolgelösung präsentiert, wobei sie gemeinsam mit dem Dirigenten Christian Thielemann und dem früheren Leiter der Salzburger Festspiele, Peter Ruzicka, die Geschäftsführung übernehmen würde. Katharina Wagner hatte auch schon erklärt, dass ihr Vater einverstanden sei: «Das wäre für ihn eine Basis, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.»

Eva Wagner-Pasquier
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Gegen eine Kooperationslösung, bei der sich Katharina und ihre Halbschwester zusammenraufen, hatte die Zerstrittenheit der beiden Wagner-Halbschwestern gesprochen. Wiederholt hatte Wagner-Pasquier, die die größere internationale Opern-Erfahrung vorzuweisen hat, die künstlerische Kompetenz ihrer Halbschwester in Zweifel gezogen. Auch Katharinas Selbstdarstellung in Boulevard-Blättern, wo sie sich als glamouröse Lady ablichten ließ, waren Eva Wagner-Pasquier stets suspekt.

Das Bayreuther Festspielhaus am
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Dennoch war allen Festspiel-Beobachtern klar: Nach dem überraschenden Tod von Wolfgang Wagners zweiter Frau Gudrun Ende 2007 hatte in Bayreuth eine neue Zeitrechnung begonnen. Der zunehmend gebrechliche Festspielchef hatte zuletzt kaum noch ohne seine mehr als 20 Jahre jüngere Frau agieren können. Insider sprachen davon, dass sie am Ende die heimliche Herrin auf dem Grünen Hügel war. Durch ihren frühen Tod zerstob Wolfgang Wagners Hoffnung, mit der jüngeren Frau an seiner Seite könne er ausreichend Zeit gewinnen, um seine Tochter Katharina als künftige Festspielchefin zu profilieren.

Unabhängig von den Chancen seiner Favoritin fürchtete der Urenkel des Komponisten Richard Wagner mit wachsender Gebrechlichkeit um seinen Einfluss bei der Regelung der Nachfolgefrage. Seine größte Sorge ist dem Vernehmen nach, dass bei einem plötzlichen Tod allein die Geldgeber über seine Nachfolge entscheiden. Und diese hatten immer wieder signalisiert, dass sie eher in Eva Wagner-Pasquier als in Katharina die neue Chefin des ehrwürdigen Festivals sehen.

Die Geldgeber machten Druck

Als sicher gilt zudem, dass zuletzt der Druck der Geldgeber auf Wagner erheblich gewachsen ist. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen finanziellen Probleme der Festspiele drängten vor allem der Bund und der Freistaat Bayern, aber auch die in der «Gesellschaft der Freunde von Bayreuth» zusammengeschlossenen Sponsoren auf eine baldige Lösung. So hatte der Stiftungsrat alle Nachfolge-Interessenten dazu aufgerufen, bis zur nächsten Stiftungsratssitzung am 29. April ihre Konzepte vorzulegen. Das Thema «Nachfolge» solle endlich ernsthaft angegangen werden.

Der vom Stiftungsrat ausgeübte Zeitdruck kommt nicht von ungefähr. Denn keiner der Verantwortlichen möchte, dass sich das Desaster in der bereits zum Anfang des Jahrzehnts geführten Nachfolgedebatte wiederholt. Damals hatte Wolfgang Wagner zunächst seinen Rücktritt angekündigt. Als er jedoch feststellen musste, dass dabei die von ihm favorisierte Lösung ohne Chance im Stiftungsrat war, berief er sich trotzig auf seinen lebenslangen Vertrag – und erklärte die Nachfolge-Debatte für beendet. Vor allem die mit Millionenzahlungen an dem Festspiel-Etat beteiligten Vertreter von Bund und Land hatten sich dadurch erheblich düpiert gefühlt.

Nike Wagner
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Wagners Nichte Nike Wagner erklärte am Freitag der «Kulturzeit»: «Dem Stiftungsrat liegt die gemeinsam unterschriebene Bewerbung meiner Cousine Eva Wagner-Pasquier und mir für die Leitung der Bayreuther Festspiele seit diesem Winter vor.» Das gemeinsame Konzept liege dem Stiftungsrat seit Anfang April vor, teilte die 62-Jährige mit. Sie freue sich darüber, dass auf diese Weise die beiden Linien der Familie, die Häuser Wieland Wagner und Wolfgang Wagner wieder zusammengeführt würden. (dpa/AP)


 
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