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Ausstellung in Paris: 

Jan Fabre verstört die Alten Meister im Louvre

10. Apr 2008 14:48
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Zum ersten Mal stellt das Musée du Louvre die Werke eines lebenden Künstlers aus. Doch das belgische Multitalent Jan Fabre hat sich vor allem dem Thema Tod genähert – im Zwiegespräch mit seinen berühmten flämischen Landsmännern.

Der ehrwürdige Louvre in Paris bricht mit einem alten Tabu: Erstmals präsentiert das weltberühmte Museum rund 50 Werke eines lebenden Künstlers. Der Belgier Jan Fabre, für seine provozierende und zum Teil makabre Kunst bekannt, wurde eingeladen, in einer Abteilung seiner Wahl seine Werke zu zeigen. Das Ergebnis: Rund 50 Installationen, Skulpturen und Zeichnungen sind in den Sälen für flämische Kunst zwischen den Meisterwerken großer Maler wie Jan van Eyck, Peter Paul Rubens und Pieter Brueghel dem Älteren zu sehen. Die Ausstellung «Jan Fabre im Louvre – Der Engel der Metamorphose» bietet bis zum 7. Juli dem Besucher ungewöhnliche Gegenüberstellungen und Sinneseindrücke.

Was haben ein Sarkophag aus Millionen toter Käfer und das riesige Rubensporträt der Maria von Medici gemein? Auf den ersten Blick nicht viel. Dem in Antwerpen geborenen Multi-Künstler – Fabre arbeitet auch als Choreograf, Regisseur und Schriftsteller – gelingt es inhaltlich und formal, künstlerische Parallelen zwischen seinem Schaffen und den Altmeistern herzustellen. Das betrifft vor allem die Themen Tod, Leben und Wiederauferstehung. «Der Tod begleitet mich und mein Werk seit 30 Jahren. Ich lag zweimal in meinem Leben im Koma», sagte der 49-Jährige.

So stehen viele seiner Skulpturen aus Tausenden toter Skarabäen (Heiliger Pillendreher) – diese Käfer galten im alten Ägypten als Symbol der Schöpferkraft – neben grandiosen Kreuzabnahme-Darstellungen und Bildern von van Eyck oder van Weyden zum Thema Vergänglichkeit und Eitelkeit, dem sogenannten Vanitas-Motiv. Der schillernde Käfer, der aus Schlamm, Dung und Mist Kugeln formt, ist ein zentrales Bild im Gesamtwerk Fabres: Er symbolisiert die Brücke vom Leben zum Tod, aber auch den Künstler, der in der immer größer werdenden Kugel sein Leben vor sich herrollt.

Entdeckungen bei den Primitiven in Brügge

Die Wahl innerhalb der Louvre-Abteilung für altniederländische und flämische Malerei auszustellen, drängte sich dem Künstler geradezu auf. «Als 18-Jähriger bin ich nach Brügge gefahren, um die Malerei der flämischen Primitiven anzuschauen, die Christus darstellten, seine Wunden der Verstümmelung und der Geißelung. Dort habe ich Body Art und die Performance entdeckt», erzählt Fabre.

Die «Flämischen Primitiven» waren eine Gruppe Maler aus den südlichen Niederlanden, auf die wesentliche Neuerungen der abendländischen Malerei im 15. und zu Beginn des 16. Jh. zurückzuführen sind. Zu den berühmtesten Vertretern zählen van Eyck und Hugo van der Goes. Sie malten zum Teil mit einer Mischung aus Blut und gemahlenen Knochen. Auf diese Materialien greift auch Fabre in seinen Werken und Perfomances zurück, von denen einige Auszüge zu sehen sind.

Plastikwurm über den Grabplatten

Besonders beeindruckend ist die riesige Installation im Rubens-Saal, in dem sich 21 der 24 Bilder des Medici-Zyklus befinden. Ein riesiger Plastikwurm mit dem Kopf des Künstlers kriecht über 470 Grabplatten, die alle Namen von Insekten tragen und die Lebensdaten bekannter Maler, Dichter und Schriftsteller. Das eigens für die Louvre-Ausstellung geschaffene Werk trägt den Titel «Selbstbildnis als größter Wurm der Welt». Mit dieser monumentalen Kreation will Fabre einerseits seine Unterwürfigkeit vor den Meistern der Vergangenheit zum Ausdruck bringen, anderseits die Idee der Verderblichkeit und Vergänglichkeit.

Der Ausstellung spiegelt den zeitgenössischen Blick auf jahrhundertealte Themen und Malerei und illustriert gleichzeitig die Aktualität der großen Meister des Spätmittelalters, Barocks und der Renaissance.
(Von Sabine Glaubitz, dpa)


 
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