01. Apr 2008 15:58
Die «Frankfurter Allgemeine» tat Unrecht, zwei Schreiben von Grass an den Bundesminister Schiller ohne dessen Erlaubnis zu publizieren. Auch gegen seinen Biografen gewann Grass in Sachen Waffen-SS.
Das Landgericht Berlin und das Berliner Kammergericht hatten auf Antrag von Grass dem Verlag der «FAZ» untersagt, die von Grass an Schiller gerichteten Briefe vom 14. Juli 1969 und 28. April 1970 ohne ausdrückliche Freigabe und Lizenzerteilung durch den Literaturnobelpreisträger zu veröffentlichen. Bereits vergangene Woche hatte der Steidl Verlag in Göttingen mitgeteilt, dass der Verlag der «FAZ» «diese im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes ergangenen Entscheidungen als endgültige Regelung wie ein rechtskräftiges Urteil anerkannt». Damit stehe «rechtskräftig fest, dass die FAZ zur Briefveröffentlichung nicht befugt war».In den beiden privaten und bis dahin unveröffentlichten Briefen von 1969/70 hatte Grass an den SPD-Politiker appelliert, seine NS-Vergangenheit offen zu legen. Im Jahr 2006 hatte Grass seine kurzzeitige Zugehörigkeit zur Waffen-SS als Jugendlicher Ende des Krieges in seinem autobiografischen Buch «Beim Häuten der Zwiebel» publik gemacht. Karl Schiller (1911-1994) war von 1966 bis 1972 Bundeswirtschaftsminister und gilt als einer der bedeutendsten Wirtschaftspolitiker der Nachkriegszeit.