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Weltpremiere in Potsdam: 

«Satanische Verse» begeistern Theatergäste

31. Mrz 2008 11:21
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Das Publikum des Hans-Otto-Theaters in Potsdam war zufrieden und spendete bei der Premiere des islamkritischen Stücks regen Beifall. Für den iranischen Publizisten Nirumand war die Theateraufführung dagegen «psychologische Kriegsführung».

Rund 20 Jahre nach ihrem Erscheinen sind die umstrittenen «Satanischen Verse» von Salman Rushdie am Sonntag in Potsdam als Theaterstück auf die Bühne gekommen. Die Weltpremiere blieb ohne Zwischenfälle. Nach vier Stunden spendete das Publikum im ausverkauften Hans-Otto-Thater dem Ensemble und dem Intendanten Uwe Eric Laufenberg freundlichen Beifall. Bravos gab es für die beiden Hauptdarsteller Robert Gallinowski und Tobias Rott.

Gegen den indisch-britischen Autor Rushdie besteht seit 1989 ein religiöses Todesurteil des damaligen iranischen Ayatollah Khomeini, weil er in «Die satanischen Verse» angeblich den Islam verunglimpft haben soll. Khomeini hatte ein Kopfgeld in Millionenhöhe auf den Schriftsteller ausgesetzt.

Die Polizei hatte vor der Vorstellung in Potsdam nach eigenen Angaben keine Hinweise auf Protestaktionen oder Gefährdungen. Dennoch war sie mit verstärkten Kräften im Einsatz. Rushdie selbst war eingeladen, blieb der Premiere aber wie erwartet fern.

Stück dreht sich um Glaube und Zweifel

Für die Bühnenversion hat Laufenberg zusammen mit Marcus Mislin den rund 700 Seiten dicken Roman radikal gekürzt. Im Mittelpunkt stehen Glaube und Zweifel. In den lose miteinander verwobenen Szenen und Geschichten geht es auch um das Entstehen von Religionen sowie Migration und Anpassung.

Am Beispiel zweier in London lebender Exil-Inder, den Schauspielern Gibril und Saladin, philosophiert Rushdie über die Bedeutung von Religion und Mystik, von Macht und Geld, von Realismus und Utopie, von Liebe und Tod. Die Hauptakteure «überleben» zu Beginn den Absturz eines von Terroristen gesprengten Flugzeugs - Gibril wird zum Engel, Saladin zum satyrhaften Satan.

«Pure Provokation»

Der iranische Publizist Bahman Nirumand bezeichnete die Theateraufführung von Salman Rushdies «Satanischen Versen» in Potsdam und den antiislamischen Film des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders als Formen «psychologischer Kriegsführung».

Die Freiheit der Kunst sei in solchen Fällen nur ein Vorwand für «pure Provokation», sagte der in Deutschland im Exil lebende Nirumand am Montag im Deutschlandradio Kultur. «Ich kann versichern, dass die Fundamentalisten das sehr, sehr dankbar aufnehmen. Daraus schlagen sie doch Kapital. Das ist ein gegenseitiges Sich-Bälle-Zuwerfen.«

Der Wilders-Film war am Freitagabend nach nur einem Tag wieder vom Server der Web-Site LiveLeak.com entfernt worden. Es habe Drohungen gegen Mitarbeiter gegeben, die «sehr ernster Natur» seien, teilten die Betreiber der Seite mit. Allerdings wurde der Film bereits auf anderen Seiten im weltweiten Netz weiterverbreitet. (dpa/AP)


 
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