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Museum eröffnet: 

Gruselige Bunkerstadt unter Weinbergen

28. Feb 2008 16:52
Nur hohe Politiker hätten im Bunker Einzelzimmer gehabt
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Ein Zeugnis des Kalten Krieges wird für Besucher geöffnet: Der geheime Atombunker der Bundesregierung bei Ahrweiler ist nun ein Museum. Es gibt einen Einblick in ein 19 Kilometer langes Tunnellabyrinth.

Früher war das Bauwerk streng geheim, die Zugänge waren unter Pflanzen und Bäumen versteckt. Heute sind Gäste im früheren Atomschutzbunker der Bundesregierung im nördlichen Rheinland Pfalz sehr willkommen: In einem Stollen des einst bis zu 19 Kilometer langen Tunnellabyrinths unter den idyllischen Weinbergen des Ahrtals ist am Donnerstag ein Museum eröffnet worden.

Von diesem Samstag an können sich Besucher durch die neue Dokumentationsstätte bei Bad Neuenahr-Ahrweiler führen lassen. Sie bekommen einen Eindruck davon, wie der von 1960 bis 1972 gebaute Bunker der Bundesregierung und dem Bundespräsidenten mit 3000 ihrer wichtigsten Mitarbeiter nach einem Atomschlag Schutz bieten sollte.

Der frühere Hubschrauberlandeplatz ist nun ein Parkplatz. Wenige Meter weiter steht die dicke Schutzwand aus Beton, hinter der sich der Tunneleingang verbirgt. Diese Originalwand ist jetzt Teil eines Neubaus für das Museum.

Ausstellung dokumentiert die Geschichte des Bunkers

Der Kontrollraum des Bunkers mit rekonstruierter Technik
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Die Ausstellung dokumentiert die Vorgeschichte des rund hundert Meter tief im Berg gelegenen Bunkers: Der Stollen war vor dem Ersten Weltkrieg zunächst für eine militärstrategische Eisenbahnlinie in Richtung Frankreich geplant, damals aber nicht vollendet worden. Im Zweiten Weltkrieg diente das Stollensystem den Nationalsozialisten als unterirdische Produktionsstätte. KZ-Häftlinge montierten dort Triebwerke für V2- Raketen und Panzer-Ersatzteile.

Bei einem Atomschlag im Kalten Krieg wäre die Bundeshauptstadt wohl selbst Hauptangriffsziel gewesen, erklärt Jörg Diester, der für ein Buch über den Bunker rund 25.000 Aktenseiten aus Archiven auswertete. «Man musste weg von Bonn.» Die Wahl für einen Ausweichsitz fiel auf das 30 Kilometer entfernte Ahrgebiet mit den bestehenden Tunneln.

Teuerste Einzelinvestition

Mindestens 2,44 Milliarden Euro verschlang das Projekt, das als teuerste Einzelinvestition in der Geschichte der Bundesrepublik gilt. Das «Gasthaus zum letzten Stündlein» war eine Stadt für sich mit Büro- und Konferenzräumen, rund 900 Schlafzellen, dazu Großküchen und Kantinen, Sitzungssälen, Kommunikationszentrale, Werkstätten sowie Heizungs- und Lüftungsanlagen.

Lösch- und Bergungsgeräte der Anlage
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«Achtung! Lebensgefahr!» steht bis heute in roter Schrift am Eingang des Tunnels. Innerhalb weniger Sekunden hätten sich 25 Tonnen schwere Stahltüren in den Gang schieben und die Bunkerstadt verschließen können. Heute sehen Touristen die Reste von Dusch- und Toilettenanlagen. In der Krankenstation lässt ein alter Zahnarztstuhl erschaudern.

Ein altes Telefon, mehrere Fernschreiber und Diktiergeräte gehören zum Inventar eines Büros von damals. Weil viele Gegenstände bereits beim Abriss entsorgt wurden, geben Fotos einen Eindruck von Räumen, die nicht mehr rekonstruierbar sind. Und so hätte das Schlafzimmer eines hohen Politikers ausgesehen: ein schmales Bett, ein Schrank, vielleicht noch Tisch und Stuhl.

Der Bundespräsident hatte ein Einzelzimmer

Das war schon Luxus. «Der Bundespräsident hatte ein Einzelzimmer», sagt Markus Heibel vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Für die weniger prominenten Bunkergäste waren kleinere Zellen mit je zwei Doppelstockbetten vorgesehen. In den vollständig von Beton umgebenen Zimmern gibt es nur künstliches Licht. Im Ernstfall hätten Zahlen an den Wänden den Bunkerbewohnern geholfen, sich in dem Bauwerk zurechtzufinden, in dem der Orientierungssinn schnell verloren ging. Für die Touristen endet der Besuch nach 200 Metern vor einer Absperrung mit einem Blick in die scheinbar endlos lange Tunnelröhre. (Bettina Grachtrup, dpa)

 
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