Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

«Jute statt Plastik»: 

Eine Stofftasche trifft den Zeitgeist

28. Feb 2008 11:52
Fünf Millionen Jutetaschen haben Frauen in Bangladesch für Deutschland hergestellt
Bild vergrößern
Mit ihr konnte man ein Lebensgefühl am Arm tragen: mit der Jutetasche. Sie stand für Umweltbewusstsein und fairen Handel, auch wenn sie nicht immer schön war. Nun feiert der Beutel Geburtstag.

Sie war braun, kratzig, kostete 2,50 Mark und roch etwas streng. Die Jutetasche aus Bangladesch. Vor 30 Jahren begann sie ihren Siegeszug. «Jute statt Plastik» wurde zum Slogan einer ganzen Generation engagierter Christen, politischer Jugendlicher und Studenten.

Der Spruch traf den Nerv der Zeit - die 40 mal 40 Zentimeter große Tasche wurde zum Symbol gegen die Wegwerf-Mentalität, die die Plastiktüte fortan verkörperte, für ein neues Umweltbewusstsein und für die so genannte Dritte Welt. Initiatoren waren Kirchen, kirchliche Hilfswerke und das Wuppertaler Fairhandelshaus GEPA.

«Man hat die Ungerechtigkeit an vielen Ecken gespürt, es war klar, dass unser Lebensstil zulasten der Dritten Welt geht», berichtet GEPA-Mitarbeiter Gerd Nickoleit. «Es gab so etwas wie eine Aufbruchsstimmung. Die Jutetasche am Arm war das Zeichen dafür, dass man Teil dieser Bewegung ist. Es war ein neues Lebensgefühl. Es ging nicht mehr nur darum, eine Spende für die Armen zu leisten, sondern selbst zu handeln, aktiv unseren Lebensstil zu verändern.»

Gutes Einkommen für Frauen in Bangladesch

1978: In den Innenstädten tauschen Aktionsgruppen Plastiktüten gegen Jutetaschen, gefüllt mit Informationen über den Rohstoffverbrauch bei der Plastiktüten-Produktion und die Lebensbedingungen der Frauen in Bangladesch. Die neuen Taschen gingen weg wie warme Semmeln, erinnert sich Mitinitiator Heiner Grysar vom katholischen Hilfswerk Misereor. «Die Reaktion hat uns völlig überfahren, wir hatten bei weitem nicht mit so viel Nachfrage gerechnet. Die Frauen in Bangladesch kamen sogar in Produktionsnöte, weil wir so viele gebraucht haben.»

Insgesamt fünf Millionen Jutetaschen haben die Frauen in Bangladesch für Deutschland hergestellt. Während die Jutetasche in Deutschland das Bewusstsein einer ganzen Generation beeinflusst, veränderte sie in Bangladesch die gesellschaftliche Stellung der Produzentinnen. Mit dem neuen Einkommen konnten sie ihre Familien ernähren und sogar für später vorsorgen, wenn der Juteboom abebben würde. Mit dem verdienten Geld gründeten viele ihre eigenen Kleinunternehmen wie Hühner- oder Fischzuchten.

Slogans auf grobem Stoff

Der Jutetaschenboom hält sich bis weit in die 80er Jahre. Auf dem groben Stoff verewigten die unterschiedlichen Bewegungen ihre jeweilige politischen Forderungen: Von «Jute statt Plastik» über «Südafrika wird schwarz», «Atomkraft - Nein Danke», «Nicaragua libre» bis zu «Frieden schaffen ohne Waffen».

Der ungefärbte Jute-Beutel zieht mit den Grünen in den Bundestag ein und inzwischen auch ins Museum: Das Original hängt im Haus der Geschichte in Bonn und mit Kirchentagsaufdruck ein Exemplar im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Zum Jubiläum hat die GEPA in Bangladesch wieder 5000 Taschen mit dem ursprünglichen Aufdruck geordert: «Jute statt Plastik». (Anke Spiess, dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.