netzeitung.de«I had a beer with Jesus»

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Ernster Winters, kann auch anders (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ernster Winters, kann auch anders
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Künstler Uli Winters baut Roboterpuppen, die «Synergie!» rufen, und bringt Tauben das Xylophonspielen bei. Klaus Ungerer hat ihn gefragt, was das alles soll. Netzeitung.de: Herr Winters, wir dachten immer, als Künstler würden Sie Roboter und Automaten bauen. Jetzt hört man, Sie treten als Komponist für die Donaueschinger Musiktage in den Ring? Uli Winters: Ach, für mich ist das Feld ja schon immer sehr weit. Ich könnte gar nicht immer nur sprechende Puppen bauen. Netzeitung.de : Sind Sie denn als Komponist überhaupt qualifiziert? Winters: Immerhin habe ich schon mal einen Karnevalssong geschrieben, den Bernd Stelter mit großem Erfolg auf dem Kölner Karneval vertreten hat: «Mahatma». Netzeitung.de: «Mahatma Glück, Mahatma Pesch, Mahatma Gandhi». Winters: Genau. Der nächste Karnevalssong ist gerade fertig geworden. Den singt der Schauspieler Waldemar Kobus, der jetzt gerade Hollywood-Karriere macht. Das ist ein alter Freund von mir. Netzeitung.de: Was erwartet uns denn in Donaueschingen? Winters: Armin Köhler vom SWR hat uns angesprochen, der ist sehr experimentierfreudig, gerade, was Personen angeht. Wir haben auch ein eher abseitiges Ensemble ... Netzeitung.de: Abseitig? Winters: Ein Chinese mit einer Sheng ist dabei, das ist so eine merkwürdige Tröte. Chinesische Mundorgel heißt die auch. Dann haben wir eine chinesische Laute, eine Bassklarinette, eine E-Gitarre und einen Sprecher. Netzeitung.de: Noch was? Winters: Wir haben Tauben, die Xylophon spielen. Die werden gerade von einer Tiertrainerin ausgebildet. Netzeitung.de: Lernen die, was sie spielen sollen? Winters: Die lernen, an welcher Stelle sie dran sind, und dann improvisieren sie. Netzeitung.de: Wenn wir richtig gelesen haben, dann machen Sie diese Komposition zusammen mit Michael Lentz? Winters: Ja. Der ist aber musikalisch wirklich qualifiziert. Lentz ist ja nicht nur Autor, er hat auch schon lange seine Band «Sprechakte X/TREME».

Netzeitung.de: Herr Winters, wir dachten immer, als Künstler würden Sie Roboter und Automaten bauen. Jetzt hört man, Sie treten als Komponist für die Donaueschinger Musiktage in den Ring?

Uli Winters: Ach, für mich ist das Feld ja schon immer sehr weit. Ich könnte gar nicht immer nur sprechende Puppen bauen.

Netzeitung.de: Sind Sie denn als Komponist überhaupt qualifiziert?

Winters: Immerhin habe ich schon mal einen Karnevalssong geschrieben, den Bernd Stelter mit großem Erfolg auf dem Kölner Karneval vertreten hat: «Mahatma».

Netzeitung.de: «Mahatma Glück, Mahatma Pesch, Mahatma Gandhi».

Winters: Genau. Der nächste Karnevalssong ist gerade fertig geworden. Den singt der Schauspieler Waldemar Kobus, der jetzt gerade Hollywood-Karriere macht. Das ist ein alter Freund von mir.

Netzeitung.de: Was erwartet uns denn in Donaueschingen?

Winters: Armin Köhler vom SWR hat uns angesprochen, der ist sehr experimentierfreudig, gerade, was Personen angeht. Wir haben auch ein eher abseitiges Ensemble ...

Netzeitung.de: Abseitig?

Winters: Ein Chinese mit einer Sheng ist dabei, das ist so eine merkwürdige Tröte. Chinesische Mundorgel heißt die auch. Dann haben wir eine chinesische Laute, eine Bassklarinette, eine E-Gitarre und einen Sprecher.

Netzeitung.de: Noch was?

Winters: Wir haben Tauben, die Xylophon spielen. Die werden gerade von einer Tiertrainerin ausgebildet.

Netzeitung.de: Lernen die, was sie spielen sollen?

Winters: Die lernen, an welcher Stelle sie dran sind, und dann improvisieren sie.

Netzeitung.de: Wenn wir richtig gelesen haben, dann machen Sie diese Komposition zusammen mit Michael Lentz?

Winters: Ja. Der ist aber musikalisch wirklich qualifiziert. Lentz ist ja nicht nur Autor, er hat auch schon lange seine Band «Sprechakte X/TREME».

Netzeitung.de: Mit Michael Lentz sind Sie schon öfter zusammen aufgetreten. Er liest aus seinen Werken, und ihre Sprechpuppen reden alle naslang dazwischen.

Winters: Ja, die quatschen ihm rein und kritisieren seine Arbeit, teilweise ziemlich ungehobelt. Dann tragen sie eigene Gedichte vor, grauenhaftester Art. Manchmal singen sie auch.

Netzeitung.de: Hat der Lentz etwa Humor?

Winters: Oh ja. Klar, wenn man seine Sachen nur vom Lesen kennt, dann wundert man sich. Aber seine Lesungen haben ja schon immer starken Performance-Charakter. Er nimmt zwar seine Arbeit sehr ernst. Aber es gefällt ihm auch, wenn das unterlaufen wird.

Netzeitung.de: Ihre Roboterpuppen und Apparate sind der Höhepunkt jeder Kunstausstellung. Warum sind Sie nicht schon viel berühmter?

Winters: Wer schnell Karriere machen will, der muss halt malen. Und der muss wissen, wie man sich vermarktet. Ich war ja mit Jonathan Meese zusammen auf der Kunsthochschule, der hat das zum Beispiel super gemacht. Ich habe damals da nicht so drauf hingearbeitet, ich habe immer an meinen Sachen rumgebastelt. Bei mir geht es jetzt erst los, dass die Käufer aufmerksam werden. Ich bin aber auch froh darüber, dass es nicht früher losgegangen ist.

Netzeitung.de: Ihre Arbeiten sind wahnsinnig witzig und befreiend. Etwa «Win-Win-Situation»: Die Roboterpuppen Ernie und Bert reden aufeinander ein: «Synergie, Ernie!» - «Ja, Bert, Synergie!» - «Genau, Ernie, Synergie, Synergie, Synergie!». Ab und zu haut einer dem anderen eine rein, worauf der umkippt. Ist das nicht viel zu lustig für den Kunstbetrieb?

Winters: Kunst und Humor, das ist ein ausgesprochen schwieriges Thema. Da gibt es Erwin Wurm. Kippenberger. Fischli und Weiss. Ja, und da ist die Liste zu Ende. Das sind Leute, bei denen Humor zentral zugelassen wird und bei denen die Frage nach Ernsthaftigkeit nicht so im Mittelpunkt steht. Die Trennung von U und E ist schon etwas, gegen das man planmäßig angehen sollte.

Netzeitung.de: Ihre Automaten spielen gerne mal mit christlicher Ikonographie und Glaubensausübung. Drei Schweine sitzen in einem Schrein und rufen «Mehr Schein als Sein!». Ein Gospelchor singt «I had a beer with Jesus». Ihre «Berührungsreliquie» ist ein Kruzifix, das auseinandersinkt und sich wieder aufrichtet, je nach dem, welchen Knopf man drückt: «sanktitatem eximere» («Mit Heiligkeit aufladen») oder «sanktitatem afficere» («Heiligkeit entladen»). Haben Sie eigentlich eine schwere Kindheit als Messdiener hinter sich?

Winters: Nein. Bis 18 war ich zwar katholisch. Und als ich ganz klein war, sind meine Eltern auch in die Kirche gegangen. Aber wir waren jetzt nicht streng gläubig. Trotzdem wurde da ein Interesse geweckt für diese Bilder. Die Motivik interessiert einen, und auch das Phänomen der Gläubigkeit. Kennen Sie das Gottesmodul? Das ist ein Areal im Gehirn. Wenn man das elektrisch reizt, haben viele Menschen religiöse Erlebnisse.

Netzeitung.de: Ein Kruzifix, das auf Knopfdruck zusammensinkt - ist das nicht eine Attacke auf Gläubigkeit?

Winters: Interessant, dass Sie das so sehen. Das war eine Auftragsarbeit zum Thema Wallfahrt. Ich habe das Konzept zu dem Automaten damals meinem Galeristen mitgeteilt, und der hat sich erschreckt, weil der Auftraggeber ein katholischer Kunstverein war. Und die waren ganz begeistert. Der Bischof hat dann die Ausstellung eröffnet, und der war auch hin und weg. Später haben die das gekauft.

Netzeitung.de: Kein Eklat?

Winters: Kein Eklat. Eklats gab es immer nur wegen Tieren. An der Kunsthochschule haben wir mal so einen Zufallsseismographen gebaut, mit Mäusen, die entweder von rechts oder links in ihr Häuschen gehen und dabei automatisch gezählt werden. Das gab einen riesigen Tierschutzaufmarsch, und die Mäuse sind entführt und freigelassen worden.

Netzeitung.de Ihre Automaten zitieren nicht nur christliches Instrumentarium. Auch Rockerposen von Axl Rose bis Grönemeyer werden von Ihren Robotern linkisch nachgestellt, Geldscheine von Besuchern werden geschreddert und als Konfetti in die Luft geblasen, für Buddhisten haben Sie einen Kontemplations-Automaten gebaut. Gibt es nichts Heiliges, das Sie gelten lassen können?

Winters: Mir ist alle formale Autorität suspekt, wenn der Träger dieser formalen Autorität nicht auch eine Autorität als Person hat.

Netzeitung.de: Gibt es denn da jemanden? Der unangreifbar ist?

Winters: Sehr gute Frage. Wenn es jemanden gibt, den ich künstlerisch sehr bewundere, dann ist es Helge Schneider. Der hat eine völlig eigene Form gefunden, die sehr wenig korrumpierbar ist. Er verdeckt sein eigenes Talent an allen Ecken und Enden, das hat eine tolle Ausstrahlung von Bescheidenheit. Und Bescheidenheit ist heute relativ selten anzutreffen.