Rettet unsere Dinos!14. Jul 2007 12:36, ergänzt 17. Jul 2007 09:58  |  Immer sah man doch zu ihnen auf | Foto: AP, Robert Johnson |
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Als Kinder fanden wir die Dinos dynamisch, zupackend - einfach toll! Heute will die Wissenschaft aus den Monstern lahme Lurchis machen. Ein Warnruf von Klaus Ungerer.
Jemand muss eingreifen. Es geht um die Kinder. Was lebten wir heute Ergrauenden noch in einer besseren Welt: Riesige Echsen stolzierten dort umher, malerisch rupften sie an den Blättern der Farne, im Hintergrund brachen wütende Vulkane aus, und kaum hatten die Echsen den nächsten Busch am Wickel, schon versprach das Donnern der Erde Gefahr: Der T-Rex kam angerauscht! Mächtig und böse lachte er mit seinen lineallangen Zähnen zunächst in unsere Richtung, dann zum armen Opfer hin - und los ging die wilde Jagd, gingen wüste, erbarmungslose Kämpfe, tonnenschwere Schwänze wurden um Echsenohren gehauen, rot spritzte das Blut in den vulkanschwarzen Abendhimmel hinein - dann klappten wir unser Buch zu, seltsam beseelt von der Dynamik der Urzeit, vom ewigen Anprall des Bösen aufs Gute, von der Faszination: beiden die Daumen zu halten. Weit weg waren graue Bedenken, waren Bildung, Verfeinerung, Zergliederung, Beckmesserei, die unsere Seele in den nächsten Jahrzehnten überwuchern würden. Pack ihn! Knack ihn! Krawumms hieß unser Realitätsprinzip, wir hatten es aus bebilderten Büchern, es machte uns groß und stark und so dinosaurierdreist, wie es das Leben unter Erwachsenen eben gebietet.
Was nun aber heute? Worauf soll unsere Jugend bauen? Orientierung sucht sie, so wie wir, Kanäle für ihre Leidenschaften und Lüste; existenzielle Kämpfe wollen ausgefochten und durchjault werden, harte Kämpfe knapp überlebt - damit die später folgenden, unbedingt langweiligen Jahrzehnte irgendwie überstanden werden können. Wir aber: Haben die Dinos den Forschern überlassen!
Aus engen Fluren kamen sie herbeigewieselt wie die ersten kecken Säuger, nie beachtet bis eben sausten sie den Donnerechsen zwischen den mächtigen Stampferbeinen herum, und mitgebracht hatten sie ihre Instrumente kühlen Schreckens: Von «Röntgenscannern» etwa lesen wir, von Elektronenmikroskopen, Laserpistolen, ja, von «Spezialsoftware». Und wir ahnen: So wie sie da noch aufragen, unsere Dinos, so wie sie jetzt noch blinzeln und schnauben - so hat ihr letztes Stündlein als Vorbilder längst geschlagen, so gehen die Forschereien der Forscher über sie und ihre alte Größe hinweg. Was haben wir nicht alles lesen müssen in den vergangenen Jahren! Schleichend begann es, still sickerte das Gift der neueren Forschung ein ins straffe Fleisch der Donnerechse und in unsere Verehrung. Eine kleine Nasenlochkorrektur hier, eine kleine Blutdruckberechnung dort: Schon sahen sie viel braver aus, die Killerechsen, schon konnten sie kaum mehr ihre schweren Köpfe heben, ging die ganze Herrlichkeit dahin, piesackte und verhöhnte das Stakkato der Meldungen unsere einstigen Helden. Februar 2002: «Fischsaurier erbrachen Kalkgehäuse». November 2005: «Dino fraß Gras» Juni 2006: «Kurzhalsiger Langhalssaurier entdeckt».
So fing die Demontage an, und damals schon hätte man einschreiten sollen. Doch es war bereits zu spät, längst lagen die finalen Angriffspläne in der Schublade, längst war auch der Berliner Brachiosaurus zerlegt, welchem man nun alles Animalische abspricht - fort die krummen Krokodilsbeine, fort alles dumpf Lungernde an ihm! -, die Forscherei ließ nicht locker, uns die Fackel ihrer nie angeforderten Aufklärung vor die Augen zu wedeln: Sogar der Tyrannosaurus, jenes Vorbild an Durchschlagskraft und Dynamik, welches wir in turbokapitalistischen Zeiten so gut gebrauchen könnten wie nie, - er soll seit Neuestem «träge» gewesen sein, Computerberechnungen wollen es so, er hätte kaum ein halbwegs wendiges Wendemanöver geschafft ohne auf die geliftete Nase zu plumpsen. Soll man das nun glauben? Soll man nachgeben dem Drängen der Zerdenker? Es kann nur eine Antwort geben: Grrrrr!
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