21. Jun 2007 11:56
Konkrete Vorschläge zur Weltverbesserung macht ein neues Buch. Netzeitung.de präsentiert die wohlfeilsten Auszüge.
Doppelter EspressoDer Kölner Gastronom Gigi Campi erzählte von folgender Idee aus einer sizilianischen Kleinstadt, die vielleicht auch bei uns umsetzbar ist. Dort ist es noch üblich, einen zweiten Espresso zu bezahlen, auch wenn man nur einen getrunken hat. Der zweite ist für einen, der ihn sich nicht leisten kann. Der Wirt notiert die Kaffeespenden, und Menschen, die gerade klamm sind, können dann jederzeit zu ihm ins Café kommen und gemütlich einen Frei-Espresso schlürfen. Alle freuts: Der Wirt hat mehr Umsatz, der Gast ein besseres Gefühl und der Mittellose ein Stück gesellschaftliches Leben zurück. Und die Tasse Kaffee nicht zu vergessen!
Aufrüsten für die Nachbarn
Während der eine Teil der Gesellschaft über immer schnellere Internetanbindungen verfügt, können sich viele Menschen noch nicht einmal einen Computer leisten. Nun geht es kaum noch ohne, und die Folge ist, gerade ärmere Gesellschaftsteile geraten noch weiter ins Abseits. Dagegen könnt man zum Beispiel die Benutzung des eigenen Computers anbieten, zeitweise und betreut, oder man könnte sein W-Lan tunen und so die Flatrate auch dem Nachbarn zugute kommen lassen (ist aber illegal!) oder zumindest seinen alten Computer verschenken. Zum Surfen reicht es allemal...
Hurra, wir leben noch!/Friedhofsbar
Friedhöfe sind neben Orten der Trauer längst ökologische Oasen in den Großstädten geworden, mit seltenen Pflanzen und Tieren, aber auch Refugien der Ruhe und Entspannung. Und das Schöne an diesen innerstädtischen Parks: Sie sind völlig frei vom Druck der Werbung, der öffentlichen Hektik und bis auf gelegentliche Radfahrer auch von Verkehr. Es fehlt eigentlich nur eine Ecke mit Café und Kiosk, vielleicht ein kleiner kulinarischer Treff für Menschen mit viel Zeit, die sich hier erholen.
Für viele sind Friedhöfe Orte des Gesprächs, der Kommunikation und der Kontakte mit Menschen, die ebenso viel Zeit und Muße haben. Und es kann passieren, dass plötzlich aus Ruhe, Entspannung und Muße wieder Erregung, Anspannung und Lebensfreude werden. Wenn man endlich auf den Menschen stößt, den man bisher nicht kannte, aber immer gesucht hat. Dann sind die grünen Oasen Kontakthof und Treffpunkt für das neue Leben jenseits von Trauer. Es fehlt dazu nur die Kaffeebar.
Gutes Geld
Wissen Sie eigentlich, wo ihr Geld sich gerade herumtreibt? Nicht das Geld in der Hosentasche, sondern ihr Erspartes bei der Bank. Die meisten wissen das nicht, und viele wollen es auch gar nicht wissen. Dabei haben die Deutschen viel Geld auf der hohen Kante liegen, zusammen mehr als vier Billionen Euro, und da sind die Häuser und Immobilien und die Lebensversicherungen noch nicht einmal dabei. Mit ihrem Geld können Kredite für Schulen oder Krankenhäuser, aber auch für Rüstungsfirmen oder Atomtechnik finanziert werden. Sie wollen Zinsen haben und Ihre Ruhe, aber wie wäre es mit Zinsen und einem guten Gewissen?
Die Bochumer GLS Bank z.B.: eine Bank mit Konto und Schalter, mit Banksicherheit und Kreditkarte, mit allen Bank-Dienstleistungen, Geldanlagen, Krediten, Zahlungsverkehr und Versicherungen, das Übliche. Aber gleichzeitig eine Bank, die vor allem kulturelle, soziale und ökologische Initiativen unterstützt. Fast 50.000 Kunden hat diese älteste ethisch-ökologische Bank und finanziert mit deren Geld rund 4000 zukunftsweisende Projekte. Das Besondere: Die Kunden der GLS Bank bestimmen mit, wohin die Kredite gehen. Sie können sagen, ob ihr Erspartes lieber in Umweltinitiativen oder Biobauernhöfe gesteckt werden soll, in Kindergärten oder Seniorenprojekte, in kulturelle oder soziale Arbeit. Und sie können festlegen, ob sie auf ihre Zinsen verzichten und diese direkt in die Projekte gesteckt werden, oder ob sie eine besondere Anlage wählen, bei der sie nicht nur ihr Geld vermehren, sondern auch sicher sind, dass es in sozial- und umweltverträgliche Projekte geht. Also Zinsen und ein gutes Gewissen.
Diese uns weitere Vorschläge finden Sie in dem Buch von Jürgen Becker, Franz Meurer, Martin Stankowski: Von Wegen nix zu machen ... Werkzeugkiste für Weltverbesserer, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 7,95 Euro, 190 Seiten.