Bionadisten, so scheint's, sind global denkende Ganzheitlichkeitsfanatiker: Sie trinken die aus ökologischen Ingredienzien produzierte Brause, wirken im Stillen durch gute Taten und machen die Welt für die Mitmenschen dadurch zu einem besseren Ort. Ganz so, als sei Bionade nicht etwa ein aufstrebender Getränkehersteller, der sich nach rein kapitalistischen Gesetzen mehr und mehr gegen die Konkurrenz durchsetzt, sondern eine idealistische NGO für Weltverbesserer.Marketingkampagnen wie diese suggerieren, dass der Konsum des beworbenen Produkts im Grunde gar kein Konsum ist oder doch zumindest eine konsumkritische Haltung ausdrückt. Wo nicht der gute Geschmack der Limonade in den Vordergrund der Werbung gerückt wird, sondern die grundlegend korrekte Haltung des Gesinnungskonsumenten, wird klar: Es soll hier nicht mehr um warenweltliche Distinktion gehen (was schmeckt besser: Coca- oder Pepsi-Cola; was ist cooler: Nike oder Adidas?), sondern darum, dem Konkurrenzverhältnis einer allzu großen Produktpalette gleich völlig zu entkommen.
Was bleibt dann übrig? Eine Welt, und ein Weltgetränk: Bionade. Dass das Getränk zumindest zum Teil mittlerweile über die Coca-Cola-Company vertrieben wird, passt einer solchen Kampagne weniger gut in den Kram, und ist daher anderswo zu lesen.
Netzeitung.de möchte seinen Lesern natürlich nicht davon abraten, Bio-Limo zu trinken. Ganz im Gegenteil. Außerdem empfehlen wir an dieser Stelle zehn weitere Produkte, die mit einem ähnlich weltverbessernden Gestus an den Mann gebracht werden. Mag sein, dass es dabei aber auch nur um die Pflege des guten Gewissens geht.
American Apparel: Bekleidungslabel aus Los Angeles, das seine T- und Sweatshirts ohne Logo vertreibt und die Arbeitsbedingungen seiner Angestellten als Statement gegen Sweat-Shops verstanden wissen will.
Gepa: Deutschland größtes Importkaufhaus fair gehandelter Waren. Angefangen hatte es mit Kaffee, heute wird eine breite Produktpalette über Bioläden, Supermärkte und den eigenen Versand vertrieben. Gepa erfand in den Achtzigern den legendären Slogan «Jute statt Plastik.»
Manufactum: Kaufhaus, das Qualitätsfanatiker mit dem Satz «Es gibt sie noch, die guten Dinge» beruhigt. Rasierpinsel aus Büffelhorn, Wanduhren mit Westminsterschlag – was braucht man mehr zum Glück?
Häftling: Von Gefängnisinsassen genähte Kleidung und Schuhe. Animiert den Käufer mit der Aufforderung «Be good. Do good.» Der Markenname Häftling ziert einige Produkte auch als weithin sichtbares Logo.
Camper: Spanische Schuhfabrikation, die naturbelassene Materialien verwendet und sich zugleich vom Image tumber Ökolatschen verabschieden will. Betreibt in Barcelona die Casa Camper, ein Hotel, das seinen Strom mit Solarzellen erzeugt.
P.E.N. Club: Weltweit agierender Schriftstellerverband. Die Mitglieder «verpflichten sich, mit äußerster Kraft für die Bekämpfung von Rassen-, Klassen- und Völkerhass und für das Ideal einer einigen Welt und einer in Frieden lebenden Menschheit zu wirken», heißt es in der Charta.
Dr. Hauschka: Im schwäbischen Bad Boll ansässiger Hersteller von chemikalienfreier Kosmetik. Hatte man vor über siebzig Jahren unter dem Einfluss der Anthroposophie die ersten Crèmes gerührt, ist das Unternehmen heute ein global player und versorgt Hollywood- und Popstars vom Schlage Madonnas mit gesundem Make-Up.
Motorola: Ist mit dem Projekt eines Ökohandys gescheitert und kann seitdem von sich behaupten, es immerhin versucht zu haben. Das V228 bestand aus recyceltem Kunststoff und war mit bleifreiem Material gelötet worden. Nur wollte es niemand kaufen.
Umweltbank: Börsennotiertes Bankinstitut mit über 40.000 Kunden. Finanziert Projekte, die sich durch ökologische Nachhaltigkeit ausweisen, also Solarstromunternehmen, ökologisches Bauen, Katalysatorentechnologie usw. Bietet keine Girokonten, sondern Wertpapiere an.
Dr. Koch Reisen: Wanderungen, Radtouren, Yoga- und andere Gesundheitstrips: Das Unternehmen hat umweltfreundliches Reisen in Deutschland in der achtziger Jahren als erstes etabliert. Alle Fotos im Katalog sind vom Firmengründer Dr. Nikolaus Koch selbst geknipst worden.