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Ein Zeichen gegen die Warlords

05. Jun 2007 15:34
Ishmael Beah hat Glück gehabt, er führt heute ein einigermaßen normales Leben
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Ishmael Beah war Kindersoldat in Sierra Leone. Nun hat er seine schrecklichen Erinnerungen in einem Buch aufgeschrieben. Anna Kuristina hat die Lesung in Berlin besucht.


Als Ishmael Beah den Vortragssaal im Literaturhaus Berlin betritt, kann man kaum glauben, dass dieser frisch wirkende junge Mann so vieles durchlebt hat. Doch sein Buch «Rückkehr ins Leben. Ich war ein Kindersoldat» ist komplett autobiographisch. Der Autor und die Übersetzerin Conny Lösch haben daraus vorgelesen, er auf Englisch, sie auf Deutsch.

Keine Wahl

Der heute 26-jährige Beah wurde mit zwölf in seinem Heimatland Sierra Leone rekrutiert. In wenigen Auszügen schildert er dem Publikum, wie er seinen ersten Kalaschnikow ausgehändigt bekommt, wie er mit anderen Kindern abends Drogen nimmt oder Kriegsfilme sieht, wie sie dann Gewalt gegen Rebellen ausüben. «Als die Unicef kam, um uns herauszuholen, wollten wir es gar nicht. Wir glaubten, der Krieg ist der einzige mögliche Lebensweg», fügt der Autor hinzu.

Nach jeder Lesung werde der ehemalige Kindersoldat gefragt, wie viele Menschen er getötet habe. Er wisse das nicht und möge diese Frage nicht, sagten die Organisatoren der Veranstaltung an seiner Stelle. Auf andere Fragen, die im Anschluss an die Lesung kamen, ging Ishmael offen ein.

Der Auftritt im Literaturhaus ist für den jungen Schriftsteller mittlerweile einer von vielen. Schon kurz nach der Veröffentlichung von «Rückkehr ins Leben. Ich war ein Kindersoldat» in den USA kam Ishmael mit seinem Buch auf den ersten Platz in der Bestsellerliste der New York Times und wurde bekannt. In Berlin hat das erst vor zwei Wochen im Campus-Verlag erschienene Werk auch schon seine Leser gefunden. Zur Präsentation kamen rund 60 Gäste, viele von ihnen waren offensichtlich mit dem Inhalt vertraut.

Ein Zeichen gegen Kriegsverbrecher

Im Heimatland von Ishmael Beah ist «Rückkehr ins Leben» dagegen noch nicht erschienen. Dazu gebe es in Sierra Leone keinen richtigen Verlag, meint der Schriftsteller. Seine Idee wäre es aber, das Buch aus den USA mitzubringen.

Die Zahl der Kindersoldaten wird weltweit mit 250 000 geschätzt. Meistens zwangsrekrutiert und unter Drogen gesetzt, finden später nur wenige in Rehabilitationszentren ihren Weg ins Zivilleben. Ishmael Beah hatte in diesem Sinne Glück – 1995 konnte er von Unicef-Mitarbeitern befreit werden. Wie er selbst erzählt, brauchte er aber knapp ein Jahr, um wenigstens ein bisschen Boden unter den Füßen zu fühlen. Heute ist er in den USA politisch und sozial engagiert und gehört dem Beirat der Kinderrechtsabteilung von Human Rights Watch an.

Die Buchpräsentation fand am selben Tag statt, an dem in Den Haag der Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten Liberias Charles Taylor begann. Das Ex-Staatsoberhaupt wird wegen zahlreicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit während der Bürgerkriege in Liberia und Sierra Leone angeklagt; diese Kriege waren durch eine besondere Brutalität, durch Misshandlungen an der Zivilbevölkerung und Zwangsrekrutierung von Kindern, gekennzeichnet. Ishmael Beah sagte dazu, der Prozess gegen Taylor sei sehr wichtig, die Anklage sei «eine Botschaft gegen die Warlords weltweit».

 
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