23. Mai 2007 14:45
Rajaa Alsanea hat einen spektakulären Roman über junge Frauen im Saudi-Arabien geschrieben. In Berlin hat die Schriftstellerin aus dem streng muslimischen Land daraus vorgelesen.
war dabei.
«Salam Alaikum», begrüßt die Autorin die Gäste, die zur Lesung ins Kulturkaufhaus «Dussmann» in Berlin gekommen sind. Vor der kleinen Bühne sind Stühle aufgestellt, doch viele müssen auf dem Boden Platz nehmen. Nachdem Rajaa Alsanea das erste Kapitel ihres Buchs auf Arabisch vorgelesen hat, werden ihr Fragen gestellt: Warum hat sie die Veröffentlichung gewagt? Wie hat die Gesellschaft reagiert? Die Schriftstellerin antwortet in bestem Englisch (hier der besseren Lesbarkeit wegen ins Deutsche übersetzt):
«Ihr wisst so gut wie nichts von uns, und das auch nur durch die Medien dargestellt: Bomben, Gewalt, Anschläge. Ich wollte mal eine andere Seite der muslimischen Welt zeigen». Offenbar glaubt sie, dass das Publikum wenig Ahnung von dieser Welt hat. Und soviel kann man sagen: Unter den Gästen ist nur ein erkennbar arabisch aussehender - wie sich herausstellt, handelt es sich um den älteren Bruder von Alsanea.
Am Beispiel ihrer vier Heldinnen - Kamra, Sadim, Michelle und Lamis - erzählt die 25-Jährige in «Die Girls von Riad» über Alltag und Träume der Mädchen, die mehr erreichen wollen, als ihnen von der strengen Gesellschaft angeboten wird. Sie setzt sich auch mit Themen Sex und Homosexualität auseinander – großen Tabus in ihrem Land.
Rajaa Alsanea lebt jetzt in den USA und macht ihren Master in Zahnmedizin. Hier hat sie auch das Buch geschrieben. 2005 wurde es fertig, und konnte nur im Libanon veröffentlicht werden, die Zensur in ihrem Land hatte es verboten.