Holocaust-Überlebende: 

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Barbara Gora erzählt (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Barbara Gora erzählt
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Digne M. Marcovicz hat Überlebende des Holocaust interviewt. Ihr faszinierendes Buch funktioniert wie ein Comic, schreibt Thomas Dudek .

In kaum einem Land Europas waren die Juden während des II. Weltkriegs sicher. Selbst in jenen Ländern, die von den Deutschen nicht besetzt waren, aber mit Hitler-Deutschland paktierten, mussten sie um ihr Leben fürchten.

«Mich wollte man viermal ermorden», erzählt die 1914 in Rumänien geborene Sara Pilpeli. Mit dem Zug wollte sie von Transsylvanien nach Palästina flüchten. Auch auf dieser Flucht wollten rumänische Soldaten, die mit ihr in einem Abteil saßen, sie wegen ihrer jüdischen Herkunft erschießen.

«Ich hatte noch etwas Geld, was ich ihnen anbot, und bettelte, dass sie mich bitte nicht umbringen sollten. Dann besprachen sie sich: 'Eigentlich schade um sie, sie ist noch so jung! Aber wenn wir sie nicht töten, dann wird man uns erschießen.'»

Verzweiflung und Freude
Sara Pilpeli hatte Glück. «Ich hatte eine Pellerine um. Als wir an der nächsten Station ankamen, sagte einer der Offiziere zu mir: 'Hebe die Arme hoch, halte die Pellerine fest und bedecke dich damit. Ich werde zwischen deinen Armen durchschießen.» Demonstrativ hebt Sara Pilpeli bei ihrer Erzählung die Arme. Der Offizier hielt sein Wort. Nach den Schüssen stürzte Pilpeli zu Boden und stellte sich tot.

Die Ängste, die Verzweiflung, aber auch die Freude und das unfassbare Glück, die sie während dieser Flucht durchlebte, kann man noch heute in ihrem Gesicht erkennen, wenn sie die Geschichte erzählt. «Ich war gerettet und am Leben.»

Dass diese Geschichte und das dazugehörige Gesicht nicht vergessen werden, ist Digne M. Marcovicz zu verdanken. Unter der Mitarbeit von Notker Schweikhardt brachte die Fotografin und Filmemacherin das Jugendbuch «Massel» heraus, was im Jiddischen so viel wie «Glück» bedeutet.

Zwölf Überlebende
Zwölf Überlebende des Holocaust erinnern sich in Marcovicz’ Buch an das dunkelste Kapitel der jüngsten Vergangenheit. Es sind Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft, die auch nach dem Krieg verschiedene Wege gingen, jedoch durch die Erfahrung der Shoah miteinander verbunden sind.

Da ist der bekannte Schriftsteller Edgar Hilsenrath, der den Holocaust literarisch thematisierte, genauso wie der in Warschau lebende Autor Józef Hen. Es sind auch Menschen, die nach dem Krieg aus Europa weg wollten, um in Israel ihre neue Heimat zu finden.

Es sind aber auch Menschen und Schicksale, die immer mehr in Vergessenheit geraten. Vor allem für die heutigen Jugendlichen wird der Holocaust immer mehr zu einem inhaltslosen Begriff, den sie höchstens mit ihrem Geschichtsunterricht verbinden.

Eine letzte Bühne
Bereits vor sieben Jahren veröffentlichten Alphons Silbermann und Manfred Steffens in ihrem Buch «Auschwitz: Nie davon gehört?» eine Studie zu dem Thema – mit einem beunruhigendem Ergebnis: «21.9 Prozent der Jugendlichen weiß nicht mehr, wer oder was Auschwitz war oder ist. Damit steht zu befürchten, dass der Name und das, wofür er steht, in wenigen Jahrzehnten aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sein wird.»

Digne M. Marcovicz ist dieses Buch bekannt. «Und da die Überlebenden des Holocaust nicht mehr lange leben, wollte ich ihnen noch einmal eine Bühne schaffen, um den Jugendlichen das Thema näher zu bringen», erklärt die in Berlin geborene Marcovicz.

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Artikels.