netzeitung.deBye, bye Dinosaurier (II)

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Kilmawandel? Seh ich nicht, sagte der Dino und... (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Kilmawandel? Seh ich nicht, sagte der Dino und...
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wer immer noch glaubt, mit dem Weltklima stünde es ganz gut, macht sich bestenfalls lächerlich. Zweiter Teil des Beitrags von Maik Söhler .

Den Begriff Peak Oil kannten vor wenigen Jahren nur Mineralölmanager, ein paar Ökonomen und die Spezialisten aus der Geologie. Heute ist er jedem geläufig, der einen guten Wertpapierberater hat. Peak Oil bezeichnet die Spitze der Erdölförderung, steht also für den Tag, an dem so viel Erdöl gefördert werden wird wie nie zuvor. Und vor allem: so viel, wie danach nie wieder.

Schicht im Schacht

Die Menge des Erdöls ist begrenzt. Begrenzter als Gas und vor allem Kohle. Aber auch hier ist irgendwann Schicht im Schacht. Pessimisten datieren den Peak Oil beim Erdöl etwa auf das Jahr 2015. Danach könnte noch für 25 bis 40 Jahre gefördert werden. Optimisten geben dem Öl noch 50 Jahre länger, dem Gas 70, der Kohle 100.

Jeremy Leggett steht in der Mitte zwischen den Pessimisten und den Optimisten. Er schreibt recht nüchtern: «Die globale Erwärmung trifft frontal mit dem Rückgang der Ölvorräte zusammen. Die Gesellschaft wird gezwungen sein, sich mit diesem Problem auseinander zu setzten, und zwar bald.» Bereits in den 60er Jahren sei die Oberfläche der Erde vollständig nach Öl abgesucht worden, heute hätten «über 60 der 65 Länder mit Ölvorkommen ihre Spitze der Entdeckungen überschritten.» Das letzte Jahr, in dem mehr Öl entdeckt als verbraucht worden sei, liege über ein Vierteljahrhundert zurück.

Ökologie ist Ökonomie

Anders gesagt: Selbst wenn die Global Climate Coalition Recht gehabt hätte und ein Klimawandel gar nicht stattfände, müsste sich die Menschheit dennoch verstärkt auf die Suche nach alternativen Energien machen - mangels genügend fossiler Brennstoffe. Wer das nicht begreift, meint Leggett, der sollte sich vom Manager in der Energiewirtschaft zum Tankstellenpächter umschulen lassen.

Tim Flannery drückt es allgemeiner aus: Wer sich der ökologischen Modernisierung verweigert, könnte ökonomisch zurückbleiben. Großbritannien habe schon jetzt einen Teil seines wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten Jahre dem Umbau seines Energieversorgungssystems zu verdanken, und am neuerlichen Boom der japanischen Autoindustrie sei die Einführung des Hybridmotors nicht ganz unschuldig.

Sollte sich nichts ändern, so Leggett, könnte dies enorme Folgewirkungen für die globalen Finanzmärkte haben. Die Versicherungswirtschaft verfüge über zehn Prozent der Weltwirtschaft und ihr drohe wegen der Erwärmung der Bankrott; jedes Jahr stiegen die Folgekosten von Naturkatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen, Hurrikane usw. um zehn Prozent. Auf über 650 Milliarden Euro schätzt die die Münchener Rückversicherung, die als Versicherer der Versicherungen fungiert und als größtes Versicherungsunternehmen der Welt gilt, derzeit die Kosten, die bis zum Jahr 2050 aus dem Klimawandel resultieren könnten.

Glühbirnen und Atomstrom

Das scheinen nun auch jene Länder begriffen zu haben, die das Kyoto-Protokoll immer noch nicht ratifiziert haben - die Dinosaurier unter den Staaten. Australien, das Land mit den meisten Kohlekraftwerken , will - wie Europa - erst einmal die Glühbirne gesetzlich verbieten. Die USA planen mittelfristig, von der Ölabhängigkeit weg zu kommen. George W. Bush hatte bereits ankündigt, neben der Förderung regenerativer Energien werde auch der Ausbau der Kernenergie forciert.

Australien und die USA beginnen zu verstehen, dass nationale ökonomische Erwägungen nicht deckungsgleich mit den ökonomischen Interessen von Energieunternehmen und Automobilproduzenten sind. Trafen anhaltende Dürren früher fast immer nur Afrika, so kennt man sie mittlerweile auch in Australien sowie im Nord- und Südwesten der USA samt der üblichen Begleiterscheinungen wie Missernten, Versalzung, drohendem Wassermangel für die Großstädte, steigenden Wasserpreisen, Wertverlusten für Farmen und Land und teuren Versicherungen.