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Klimawandel: 

Bye, bye Dinosaurier

02. Mrz 2007 11:56
Was wollt ihr denn, der Schnee fällt doch noch? sagt der Dino...
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Der Weltklimabericht legt den alten Streit um Nutzen und Nachteile der globalen Erwärmung endgültig ad acta, meint Maik Söhler.

Seit es Lebewesen auf der Erde gibt, beeinflussen sie ihre Umwelt. Jeder Furz besteht aus Methan. Methan beeinflusst ab einer gewissen Menge die Zusammensetzung der Luft. Und Luft ist für das Klima maßgeblich, dem wiederum der Mensch auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.

Die Dinosaurier

Kurz nach der Veröffentlichung des UN-Weltklimaberichtes kam es zu einer Anhörung zum Thema Klimawandel im US-Kongress. Der republikanische Abgeordnete Dana Rohrabacher argumentierte, es habe immer schon Perioden in der Erdgeschichte gegeben, in denen die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre ähnlich hoch gewesen sei wie heute. «Wir wissen nicht, was diese anderen Zyklen in der Vergangenheit verursacht hat», äußerte der Republikaner. Und weiter: «Das könnten Dinosaurier-Flatulenzen gewesen sein, wer weiß?»

Mehr in der Netzeitung:
Die Klimaforscherin Susan Solomon wies anschließend darauf hin, dass ein großer Teil des Methans in der Atmosphäre aus dem Verdauungstrakt von Nutztieren stamme. Der Republikaner Jim Sensenbrenner fragte: «Bedeutet das, dass wir Katalysatoren in die Hinterteile von Kühen stecken sollten?»

Es gab viel zu lachen. Medien berichteten genüsslich - auch mit einem Verweis auf eine Umfrage des National Magazine, derzufolge nur 13 Prozent der Republikaner glauben, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich sei. Keine Verantwortung beim Menschen sehen 84 Prozent.

Rohrabacher und Sensenbrenner sind, um im Bild zu bleiben, Dinosaurier. Ewiggestrig wirken sie, seit wir aus dem Weltklimabericht erfahren haben, wie es um die Welt steht – eine Erwärmung um bis zu 6,4 Grad, ein Anstieg des Meeresspiegels um womöglich fast 60 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts.

Mehr in der Netzeitung:
Noch ein Dinosaurier hat Flatulenzen in der Öffentlichkeit. Der «Guardian» berichtete nach der Veröffentlichung des Weltklimaberichts, das als konservativ bekannte American Enterprise Institute (AEI) verspreche demjenigen 10.000 Dollar, der mit eigenen Untersuchungen die Ergebnisse der UN-Studie widerlege oder in Zweifel ziehe. Reisekosten und Spesen dürfen extra in Rechnung gestellt werden.

Letzte Zuckungen

Dass die Ergebnisse angezweifelt würden, war klar. Warum sollte es der Uno anders gehen als Wissenschaftlern und Publizisten? Auf Meinungen folgen Gegenmeinungen, Gutachten sind ohne Gegengutachten gar nicht mehr denkbar.

Interessanter am Vorschlag des AEI sind andere Aspekte. Das Institut wusste doch, dass der Weltklimabericht veröffentlicht wurde und hatte trotzdem kein aktuelles Gegenpapier vorbereitet. Woran liegt das? Vielleicht hoffte man, einmal mehr Einfluss auf den Bericht selbst nehmen zu können. Jede UN-Erklärung ist ja ein Kompromiss, auf den sich diverse Abgesandte der einzelnen Staaten in mühselig verständigen. Eigentlich ist das die Stunde der Lobbyisten, die so selbstverständlich zum Gefolge der Diplomaten gehören wie Aktentasche und Laptop.

Wer wollte, konnte das schon beim 1997 verabschiedeten Kyoto-Protokoll beobachten. Die Einflussnahme aber scheint diesmal nicht funktioniert zu haben - vermutlich weil sich der UN-Klimaausschuss IPCC aus Wissenschaftlern und eben nicht aus Diplomaten zusammensetzt. Freilich sind auch Wissenschaftler weder interessenlos noch kommen sie ohne nationale Vorgaben oder Einflüsterungen von Lobbyisten aus. Nur waren diesmal offensichtlich andere Lobbyisten erfolgreicher als die Verkünder der alten Erzählung mit dem Titel «Es wird schon alles nicht so schlimm sein».


Überflüssig wie ein Betriebsrat

Und so muss man eben 10.000 Dollar ausloben. 10.000 Dollar? Allein die Summe macht klar, dass hier jemand ins Hintertreffen geraten ist. Wer ruiniert schon für 10.000 Dollar seine wissenschaftliche Reputation? Das Angebot stellt die letzte Zuckung eines sterbenden Großtieres da.

Vielleicht erinnert sich unser Dino, bevor er ganz abtritt, noch kurz an seine herrlichste Zeit. Der australische Zoologe und Umweltschützer Tim Flannery hat sie miterlebt. In seinem Buch «Wir Wettermacher» (S.Fischer, 2006) berichtet er von einer Welt der Wunder, in der dem CO2 und anderen Treibhausgasen positive Wirkungen zugesprochen wurden. Es waren die 80er und 90er Jahre, als die Lobbyisten der so genannten Global Climate Coalition oder der Greening Earth Society noch etwas zu melden hatten, während die Freunde der Erzählung «Wenn wir so weitermachen, wird es schlimm enden» eine schrullige Minderheit bildeten.

Globale Climate Coalition – klingt gut. Man vermutet einen Verband internationaler Klimaschützer, der vor dem Schlimmsten warnt. Aber nein, hinter diesem Label steckte ein Zusammenschluss großer Energieunternehmen, der «Zweifel an der Theorie der globalen Erwärmung wecken» wollte und das Kyoto-Protokoll so überflüssig wie einen Betriebsrat fand.


Gut fürs Image

Die Greening Earth Society – auch ein hübscher, sprechender Name -, wollte den CO2-Ausstoß sogar noch erhöhen - um die Ernteerträge um 30 bis 60 Prozent zu steigern. Ein entsprechender Propagangdafilm sei 1992 von einschlägigen Gruppen bewusst vor dem Umweltgipfel in Washington an die Öffentlichkeit gebracht worden und habe in konservativen Kreisen große Wirkung gezeigt. Heute sind entsprechende Industriepropaganda-Webseiten wie globalwarming.org oder greeningearthsociety.org längst abgeschaltet oder in den Portalen einschlägiger Think Tanks aufgegangen.

Selbst die Global Climate Coalition brach im Jahr 2000 auseinander, als innerhalb der Industrieverbände die ersten Großfirmen erkannten, dass Leugnen auf Dauer wenig bis nichts bringt. Allen voran begriff BP wie wichtig

Mehr im Internet:
Umweltthemen fürs eigene Image – und damit fürs Geschäft - sein können. Ökologie, einst Thema der Linken, Bürgerrechtler und Aussteiger, ist längst zur Sache der Ökonomie geworden.

Jeremy Leggett, der zehn Jahre lang als Geologe für die Ölindustrie arbeitete und dann spektakulär zu Greenpeace Großbritannien überlief, erzählt davon detailfreudig in seinem Buch «Peak Oil». Mit Investitionen in regenerative Energieformen und Techniken zur Verringerung von Kohlendioxid lasse sich schon jetzt viel Geld verdienen. Und wenn im Zuge der Energiekrise die Nachfrage nach Windkraftanklagen, Solar- und Erdwärmekollektoren, sparsamen Fahrzeugen sowie Wellen- und Gezeitenkraftwerken steige, dann werden es noch viel mehr Dollars sein.

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Artikels

 
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