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Halbfertiger Kosmos der Architektur

18. Dez 2006 00:05
Ungers' Galerie der Gegenwart in Hamburg
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Die Berliner Neue Nationalgalerie widmet dem Architekten Oswald Matthias Ungers eine Retrospektive. Die umfassende Schau lässt gleichwohl eine Reihe Fragen offen.

Von Andreas Barz

Der Ort ist perfekt gewählt: Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie bildet die Hülle für die Entwürfe des Kölner Architekten Oswald Matthias Ungers. Erstmals in der Geschichte der Nationalgalerie widmet sich das Haus einem noch lebenden deutschen Architekten. Drei Jahre Vorbereitungszeit waren erforderlich, um die Werkschau ins rechte Licht zu setzen.

So zeigt sie eine Vielzahl von Modellen, Skizzen und Entwurfszeichnungen und taucht ein in die architektonische Vorstellungswelt des heute 80-jährigen O.M. Ungers und seine immer wiederkehrende Hinwendung zur klassischen Baukunst. Eine schnörkellose und auf die reine Form reduzierte Architektur ist ihm eigen, das Quadrat sein architektonisches Markenzeichen. Bewusst reiht er sich in die klassische italienische Tradition Palladios, Vitruvs oder Albertis ein.

IBA-Wohnungen vom Abriss bedroht

Was mit den zahllosen Entwürfen geschah, welche Bauten realisiert wurden und welche Entwicklung sie nahmen, darüber gibt die Ausstellung nur wenig Auskunft. Schade, denn gerade in Berlin finden sich mit dem Quartier 205 in der Friedrichstraße, dem Abwasserpumpwerk im Tiergarten und dem Familiengericht stadtraumprägende Bauten des Baumeisters aus dem Rheinland.

Nur wenige Schritte vom Ausstellungsort entfernt, liegt Ungers IBA-Wohnanlage am Lützowplatz: Der Gebäudekomplex, 1979 bis 1983 errichtet, schloss die im Krieg zerstörte Westseite des Platzes. Der zum Platz hin introvertierte und fast schon hermetisch geschlossene sechsgeschossige Wohnblock mit drei aufgesetzten Giebeln entfaltet sich ausschließlich zum Blockinneren. Das Gebäude, bislang nicht denkmalgeschützt, ist derzeit vom Abriss bedroht. Die noch verbliebenen Bewohner wehren sich zwar gegen den Versuch der Immobiliengesellschaft, das Grundstück dichter und den veränderten Markkriterien entsprechend zu bebauen – bislang ohne Erfolg.

Vollendung des Pergamon-Museums

Auf der Berliner Museumsinsel wartet derweil ein Ungers-Bau auf seine Realisierung: Das von Alfred Messel und Ludwig Hoffmann errichtete Pergamonmuseum soll durch Ungers endlich seine Vollendung erfahren und weitere Ausstellungsfläche für das in räumliche Bedrängnis geratene Museum schaffen. Der gläserne Riegel ist für den erfahrenen Museumsbauer Ungers aufgrund der städtebaulichen Lage und seiner Anpassung an bestehende Gebäude eine besondere Bauaufgabe. Schade, dass die Ausstellung in der Nationalgalerie, die den verschiedenen Museumsprojekten Ungers entsprechend Raum zu geben versucht, das Berliner Zukunftsprojekt nicht thematisiert.

Ungers verfügt über eine beeindruckende Architektursammlung: Abgesehen von wertvollen Büchern, Pergamenten und Skulpturen sind es vor allem die Architekturmodelle, die die Berliner Ausstellung schmücken und trotz der Lücken so eindrucksvoll machen. Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Januar 2007 geöffnet. Neben einer Darstellung der verschiedenen Museumsprojekte und der drei Architektenhäuser widmet sich der zur Ausstellung erschienene kompakte Katalog dem Architekten als Sammler.

Andres Lepik (Hrsg.):
O.M. Ungers – Kosmos der Architektur.
Hatje-Cantz Verlag, Ostfildern: 2006.
112 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 24,80 Euro.


 

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