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Oettinger überdenkt Handschriften-Verkauf

05. Okt 2006 21:08
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU)
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Die baden-württembergische Landesregierung reagiert auf Protest gegen den geplanten Verkauf kulturhistorisch bedeutender Handschriften. Mit dem Erlös sollte ein anderes Kulturgut finanziert werden.

Nach internationaler Kritik am geplanten Verkauf kulturhistorisch bedeutender Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek sucht die baden-württembergische Landesregierung nach Alternativen. Über einen Verkauf von Handschriften sei noch nicht entschieden, teilte das Staatsministerium am Donnerstag in Stuttgart mit.

Aus dem Bestand der rund 3600 Handschriften sollten nach dem ursprünglichen Plan von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) wertvolle Stücke verkauft werden, um aus dem Erlös den Erhalt des Schlosses Salem der Markgrafenfamilie von Baden zu finanzieren. Nach Angaben des Staatsministeriums soll nun eine Finanzierung gefunden werden «unter möglichster Schonung vorhandener Kulturgüter». Museumschefs, Abgeordnete und Kabinettsmitgliedern waren zu einem Krisentreffen in Stuttgart unter Oettingers Leitung zusammengekommen.

Protest von 2500 Fachleuten

Sowohl das Land als auch das Adelshaus erheben Ansprüche auf Kulturgüter im Wert von 300 Millionen Euro. Als Kompromiss sollten Kulturgüter für 70 Millionen Euro verkauft werden, die unter anderem in eine gemeinnützige Stiftung zum Erhalt des Schlosses Salems am Bodensee fließen. Im Gegenzug verzichtet das Haus Baden nach Darstellung des Landes auf alle weiteren Forderungen. Dieser Kompromiss sei ohne Alternative, hieß es am Donnerstag. Das Staatsministerium betonte, dass eine mögliche Insolvenz des Hauses Baden «zur Vollstreckung durch die Banken und dem Verlust wertvoller Kulturgüter führen würde».

Mehr als 2500 Wissenschaftler und Fachleute hatten sich in einem offenen Protestbrief an Oettinger und die Landtagsabgeordneten gewandt. Die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel schloss sich am Donnerstag der breiten Kritik an dem geplanten Verkauf von Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe an. Protestiert werde gegen die «Blindheit der Politik in Baden-Württemberg und ihr Vorhaben, eine Vielzahl von wertvollen Stücken aus einem geschlossenen Sammlungszusammenhang herauszulösen», hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung der Bibliothek, die nach eigenen Angaben eine der bedeutendsten fürstlichen Büchersammlungen der frühen Neuzeit hat. Bibliotheksdirektor Helwig Schmidt-Glintzer sprach von einem «Vertrauensbruch» gegenüber der Öffentlichkeit.

Gespräche mit allen Beteiligten

Oettinger kündigte nun Gespräche mit allen Beteiligten an. Nach seiner Vorstellung soll die Finanzierung auf drei Säulen beruhen. Einen Beitrag sollen Sponsoren aus der Wirtschaft und Spenden von Privatpersonen leisten, das Land will sich finanziell beteiligen. Außerdem müssten Kunsteinrichtungen einen Beitrag leisten.

Statt des Verkaufs von Handschriften werde die Veräußerung anderer Kunstwerke im Besitz des Hauses Baden - etwa von Gemälden - ins Auge gefasst, sagte FDP-Landtagsfraktionschef Ulrich Noll in Stuttgart. Zudem sollten Mäzene gesucht werden, die Kunstwerke kaufen und diese dann in den Museen der Öffentlichkeit weiter zugänglich machen. Noll sagte mit Blick auf das Meinungsbild in seiner Fraktion: «Wir wollen alles tun, damit der Vorwurf des Ausverkaufs von Kulturgut vom Tisch kommt.»

Die Handschriftensammlung der Karlsruher Landesbibliothek setzt sich aus verschiedenen Klosterbibliotheken zusammen. Dabei handelt es sich vor allem um mittelalterliche Literatur wie theologische Schriften oder das Nibelungenlied. (nz)

 
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