Oettinger überdenkt Handschriften-Verkauf
Aus dem Bestand der rund 3600 Handschriften sollten nach dem ursprünglichen Plan von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) wertvolle Stücke verkauft werden, um aus dem Erlös den Erhalt des Schlosses Salem der Markgrafenfamilie von Baden zu finanzieren. Nach Angaben des Staatsministeriums soll nun eine Finanzierung gefunden werden «unter möglichster Schonung vorhandener Kulturgüter». Museumschefs, Abgeordnete und Kabinettsmitgliedern waren zu einem Krisentreffen in Stuttgart unter Oettingers Leitung zusammengekommen.
Mehr als 2500 Wissenschaftler und Fachleute hatten sich in einem offenen Protestbrief an Oettinger und die Landtagsabgeordneten gewandt. Die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel schloss sich am Donnerstag der breiten Kritik an dem geplanten Verkauf von Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe an. Protestiert werde gegen die «Blindheit der Politik in Baden-Württemberg und ihr Vorhaben, eine Vielzahl von wertvollen Stücken aus einem geschlossenen Sammlungszusammenhang herauszulösen», hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung der Bibliothek, die nach eigenen Angaben eine der bedeutendsten fürstlichen Büchersammlungen der frühen Neuzeit hat. Bibliotheksdirektor Helwig Schmidt-Glintzer sprach von einem «Vertrauensbruch» gegenüber der Öffentlichkeit.
Statt des Verkaufs von Handschriften werde die Veräußerung anderer Kunstwerke im Besitz des Hauses Baden - etwa von Gemälden - ins Auge gefasst, sagte FDP-Landtagsfraktionschef Ulrich Noll in Stuttgart. Zudem sollten Mäzene gesucht werden, die Kunstwerke kaufen und diese dann in den Museen der Öffentlichkeit weiter zugänglich machen. Noll sagte mit Blick auf das Meinungsbild in seiner Fraktion: «Wir wollen alles tun, damit der Vorwurf des Ausverkaufs von Kulturgut vom Tisch kommt.»
Die Handschriftensammlung der Karlsruher Landesbibliothek setzt sich aus verschiedenen Klosterbibliotheken zusammen. Dabei handelt es sich vor allem um mittelalterliche Literatur wie theologische Schriften oder das Nibelungenlied. (nz)
