netzeitung.deWieder Autorin in Türkei vor Gericht

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Mustafa Kemal Atatürk (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mustafa Kemal Atatürk
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Erneut hat in der Türkei ein Prozess gegen eine Schriftstellerin wegen Beleidigung begonnen. Ihr wird vorgeworfen, die Ehre des Staatsgründers Atatürk gekränkt zu haben.

In der Türkei steht seit Donnerstag erneut eine Schriftstellerin wegen Beleidigung des Türkentums vor Gericht. Ipek Calislar wird vorgeworfen, in ihrer Biografie der Ehefrau von Mustafa Kemal Atatürk, den Staatsgründer der modernen Türkei, in seiner Ehre gekränkt zu haben. Bei einem Schuldspruch drohen ihr bis zu vier Jahre Haft.

Auch ein Mitarbeiter der Zeitung «Hürriyet», Necdet Tatlican, wurde mit angeklagt. Er hatte Auszüge aus dem Buch «Latife Hanim» veröffentlicht.

Calislar und Tatlican erschienen am Donnerstag nicht zur ersten Anhörung vor Gericht. Der Prozess wurde daraufhin auf den 19. Dezember verschoben. Das Gericht wies die Polizei an, Tatlican zum Gericht zu bringen und forderte Calislar auf, zu dem Prozess zu erscheinen, wie die Nachrichtenagentur Dogan berichtete.

Atatürk in Frauenkleidern
In dem Buch «Latife Hanim» - so hieß die Ehefrau des Staatsgründers - beschreibt die Autorin die Flucht Atatürks aus dem Präsidentenpalast. Darin heißt es, der Staatsgründer habe ein Attentat befürchtet und sich daher mit einem Tschador - einem Ganzkörperschleier - als Frau verkleidet. Die Zeitung «Hürriyet» druckte den Auszug, der einen Leser zu seiner Klage veranlasste.

Autorin Calislar hat erklärt, die umstrittene Passage sei durch Aussagen der Schwester von Latife belegt. Der Attentatsversuch sei eine historische Tatsache. «Historiker können das Thema diskutieren, aber ich glaube nicht, dass es Sache von Anwälten sein sollte», argumentiert die Autorin.

Alle Klagen fallen gelassen
EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn hat auf seinem derzeitigen Türkeibesuch die Regierung erneut aufgefordert, den umstrittenen Artikel 301 des Strafgesetzbuches über die «Verunglimpfung des Türkentums» zu reformieren.

Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat erklärt, sie werde das Gesetz nicht ändern. In solchen Fällen würden die Anschuldigungen meist fallen gelassen oder der Angeklagte freigesprochen, hieß es zur Begründung. Kritiker führten dagegen an, allein die Möglichkeit einer Strafverfolgung schränke die Meinungsfreiheit ein.

Vor Calislar wurde unter anderem bereits gegen den prominenten Autor Orhan Pamuk und die Schriftstellerin Elif Shafak ermittelt. Die Vorwürfe wurden jedoch fallen gelassen. (nz)