Broder für «sesselpupsenden» Satire-Hitler
«Darf man das? Man muss!» So beschied Walter Moers vor acht Jahren die Kritiker seines ersten «Adolf»-Comics. In dem Büchlein ließ der durch «Das kleine Arschloch» bekannt gewordene Zeichner Adolf Hitler als weichlichen Verlierer durchs Leben gehen, der von Rechtsradikalen zusammengeschlagen wird und im zweiten Band sogar Selbstmord begehen will, während er über die Fehler seines Lebens nachdenkt: «Äch hätte Rossland besser öber die Flanke angreifen sollen».
Den Refrain singen Badeenten im «Adolf»-Design: «Adolf, du alte Nazisau, kapitulier' doch endlich!». Schäferhund Blondie hechelt dazu. Doch Adolf gibt sich trotzig: «Kapitulation, nö, da halt ich nix davon, ich habe über mir drei Meter Stahlbeton.» Das Video gehört zu den am meisten heruntergeladenen Dateien im Internet, zu hunderttausenden wird die passende Internetadresse oder gleich das ganze Video in E-Mails verschickt. Die Maxisingle ist auf Platz 57 in die Charts von Media Control eingestiegen.
Wie beim Comic vor acht Jahren wird in dutzenden so genannter Blogs gefragt: Darf man das? Linke und Rechte scheinen sich einig, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. «Wenn man weiterhin so lax mit diesem eigentlich überhaupt nicht lustigen Thema umgeht, wird es auch kein Wunder sein, wenn wir uns in zehn Jahren wieder in einem Bunker (Atombunker) finden werden», schreibt ein Besorgter. Ein anderer meint, dass man sich nicht über etwas lustig machen dürfe, «wofür tausende Landser ihr Leben gelassen haben».
Doch die Fans dominieren. Von «supergeil» bis «voll der Hammer» reichen die Kommentare, und manche meinen sogar, «so muss Geschichte verkauft werden». Selbst mancher Intellektuelle ist enthusiastisch: «Das ist heute die einzig richtige Art, mit dem Thema umzugehen», meint etwa der jüdische Publizist Henryk M. Broder. «Dass Hitler ein Mörder war, wissen wir, das muss nicht in jedem Abituraufsatz stehen. Aber Moers zeigt wunderbar, auf was für eine erbärmliche Figur, was für einen Sesselpupser, die Deutschen hereingefallen sind. Und das ist toll.»
«Wir senden nicht alles und behalten uns vor auszuwählen», betont RTL II-Sprecher Frank Lilie. Bei «Der Bonker» seien es «inhaltliche Gründe» gewesen. «Wir wollen kein potenzielles Forum für mögliche Missverständnisse bieten.» Jamba versucht weiter, seine Spots bei den Sendern loszuwerden. MTV bedauert, dass Werbung eben Werbung sei. Da fehle das redaktionelle, erklärende Umfeld. Deshalb lehnte der Sender das Reklamefilmchen ab. Das Video mit dem falschen Führer in der Wanne sendete MTV hingegen. (dpa)

