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Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Simon Rattle (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Simon Rattle
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit elektronisch verstärkten Klängen huldigen die Berliner Philharmoniker der Mutter Gottes, und Isabelle Huppert steigt als antike Persephone in die Unterwelt. Eine Auseinandersetzung mit Mythen von Tod und Wiedergeburt.

Von Corina Kolbe

Tod, Auferstehung und Erneuerung sind einer der zentralen Themenkomplexe, denen sich die Berliner Philharmoniker in dieser Saison widmen. Mit Werken von Jonathan Harvey und Igor Strawinsky ist dem Orchester unter Simon Rattle nun ein schlüssiger Brückenschlag zwischen Christentum und antiker Mythologie, klassischer Moderne und Gegenwart gelungen.

Bei seiner deutschen Erstaufführung beeindruckt Harveys Stück «Madonna of Winter and Spring» durch Experimente mit elektronischer Musik. Flirrende, grollende und knarzende Synthesizer-Klänge stürmen von verschiedenen Seiten auf die Zuhörer ein, mischen sich mit dem wie immer souveränen Spiel des Orchesters und bringen die akustischen Instrumente zeitweise sogar zum Schweigen.

Das Stück zu Ehren der Mutter Jesu beschreibe «die Wirkung ihres sanften, unaufdringlichen Einflusses auf energische, brutale und mutlose Kräfte», erklärt der Komponist selbst seinen eigenwilligen Ansatz. Auf ein buntes Klanggewebe aus verschiedenen Grundmelodien folgt ein Abstieg zu immer dunkleren, erstarrenden Tönen, die wiederum von einem hohen, melodiereichen Schlussabschnitt abgelöst werden.

Pendant zu Harveys Madonna ist Persephone - in der griechischen Mythologie die Tochter der Erdmutter Demeter, die einen Teil des Jahres in der Totenwelt verbringt und vorübergehend zurückkehrt, um den Menschen den Frühling zu bringen.

Sprechgesang von Isabelle Huppert
Stargast der Philharmoniker bei der Aufführung des Melodrams «Perséphone» aus Strawinskys so genannter neoklassischer Phase ist die Schauspielerin Isabelle Huppert. In dem in den Dreißiger Jahren ursprünglich für die Tänzerin Ida Rubinstein geschriebenen Stück rezitiert die Französin die Hauptrolle, zunächst verhalten und fast ein bisschen zu blass, dann mit wachsender Emphase. Als Priester Eumolpos, der die Handlung erzählt, tritt der britische Tenor Toby Spence auf.

Anders als bei Homer wird Persephone nach dem Libretto von André Gide nicht gegen ihren Willen von Gott Hades in die Unterwelt verschleppt. Sie begibt sich freiwillig dorthin - aus Mitleid mit den Bewohnern des Schattenreichs, interpretiert von dem hervorragenden Rundfunkchor Berlin und den Knaben des Staats- und Domchors. Unter Rattles Dirigat entsteht ein beachtliches Gesamtkunstwerk, in dem sich der Klangreichtum von Musik, Gesang und Rezitation verbindet.

Mit Tod und Wiederauferstehung setzen sich die Berliner Philharmoniker auch bei ihrer Arbeit mit Schülern auseinander. Ende der Woche wird im Foyer der Philharmonie ein «Education»-Projekt zu Harveys Komposition «Death of Light/Light of Death» aufgeführt, die sich auf den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald bezieht.