Von der Leyen begehrt in Bayreuth
25.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Von der Leyen begehrt in Bayreuth
Keine Merkel, kein Köhler und kein Gottschalk: Der Eröffnung der 95. Wagner-Festspiele in Bayreuth mangelte es an prominenten Gästen. Und dann kam Bayerns Ministerpräsident Stoiber auch noch fast zu spät.
Von Wolfgang HübnerDie Sonne brannte am Dienstag auch auf Richard Wagners Gralsburg in Bayreuth. Aber besonders glanzvoll war die Eröffnung der 95. Richard-Wagner-Festspiele auf dem berühmten Grünen Hügel in diesem Jahr deswegen noch lange nicht. Denn es fehlte ganz einfach die ganz große Prominenz: Bundeskanzlerin Angela Merkel, in Bayreuth treuer Stammgast, wird erst am 11. August die Festspiele besuchen, wenn die zweite Aufführungsserie von «Der Ring des Nibelungen» beginnt. Dann allerdings wird sie eine volle Woche in Bayreuth weilen.
Bundespräsident Horst Köhler hat ganz abgesagt. Immerhin erschien Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber mit vollzähliger Landesministerschar - allerdings der Chef samt Gattin so spät wie nie zuvor: Erst drei Minuten vor Beginn der schon seit Jahren im Programm stehenden Oper «Der fliegende Holländer» traf die Dienstlimousine mit dem Politiker ein.
Da war der neue Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl schon sichtlich nervös ob des ausbleibenden hohen Gastes geworden. Sehr viel gelassener nahm das der fast 87-jährige Hausherr und Komponisten-Enkel Wolfgang Wagner, der sich mit einem Stock zwischen Ehefrau Gudrun und Tochter Katharina zeigte.
Katharina als Nachfolgerin Die 28-jährige Blondine tritt mehr denn je als Nachfolgerin des Vaters auf, der wohl ganz gezielt sein traditionelles Interview zum Auftakt der Festspiele in der Lokalzeitung erstmals zusammen mit Katharina bestritt. Dabei sparte er nicht und an Lob für die Jungregisseurin, die 2007 die Neuinszenierung von «Die Meistersinger von Nürnberg» verantworten wird. Nächstes Jahr, wie auch an diesem tropisch heißen Dienstag, werden wohl auch Bayreuth-Stammgäste wie die Altbundespräsidenten Walter Scheel und Roman Herzog, der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle mit Lebensgefährten und die bei Festspiel-Eröffnungen unvermeidlichen einstigen Show-Größen Margot Werner und Roberto Blanco abermals mit von der Partie sein.
Stammgast Gottschalk fehltSie alle sorgten dafür, dass die Fotografen wenigstens einige lohnende Zielobjekte finden konnten, zu deren begehrtesten auch die zierliche Familienministerin Ursula von der Leyen mit großem Rückenausschnitt zählte. Ein in Bayreuth erstmals gesichteter Gast von Rang hingegen, der Schauspieler und Regisseur Maximilian Schell, verweigerte sich demonstrativ dem Roten Teppich und verschwand rasch ins Gebäude. Davor hatten sich übrigens deutlich weniger Schaulustige als in den Vorjahren versammelt. Sie vermissten besonders den aus dem benachbarten Kulmbach stammenden Showmaster Thomas Gottschalk, denn der populäre Star erhält immer den größten Beifall auf dem Grünen Hügel.
Aber vielleicht kommen Stammbesucher Gottschalk und manche anderen prominenten Musikpilger ja auch erst dann, wenn die Festspiele am Mittwoch mit der Neuinszenierung von «Der Ring des Nibelungen» und der ersten «Ring»-Oper «Das Rheingold» so richtig beginnen. Und erst dann zeigt sich auch, wer ein wahrer Wagnerianer ist: 16 Stunden Musikdrama an vier Abenden binnen sechs Tagen - da zählen Sitzfleisch und Enthusiasmus allemal mehr als Prominenz und teure Abendkleider. (AP)